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Geburtspfleger oder Stillberater statt Hebamme: Will man das wirklich?

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Geburtsvorbereitung für zu Hause: 5 Tipps Dammmassage und Co. 00:00:52
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"Der hat doch keine Ahnung, wie ich mich fühle!"

Mein Baby hatte Hunger. Aber mit dem Milchfluss wollte es nicht so klappen, wie es in all den Schwangeren-Beratungs-Büchern steht. Also klingelte ich nach der Hebamme – und herein kam ein Stillberater. Eindeutig männlich. Eindeutig nicht die Art mütterlich-verständnisvoller Mensch, die ich erwartet hatte. Diesem Typen sollte ich anvertrauen, wieso ich Probleme mit dem Stillen habe? Und welche Malaisen mich sonst noch so nach der Geburt plagten? Never! Das wollte ich mit einer Frau besprechen, nicht mit einem Mann!

Der Bauch sagt: Fühlt sich komisch an

Von Ursula Willimsky

Ein Szenario, in dem sich in Zukunft vielleicht immer mehr Schwangere und junge Mütter wiederfinden werden. Denn derzeit wird viel über 'männliche Hebammen' diskutiert und berichtet: Kliniken würden sich mehr dieser Geburtspfleger – so die korrekte Berufsbezeichnung – wünschen. Denn allein mit Frauen könnten sie ihren Bedarf an Hebammen nicht mehr decken, viele Stellen blieben unbesetzt.

Und deshalb sollen wir jetzt die Männer ranlassen? An schlechter Bezahlung und teuren Versicherungsbeiträgen wird auch ein höherer Männeranteil wohl kaum etwas ändern. Finanziell gesehen ist der Beruf nicht sehr attraktiv. Wenn immer weniger Frauen bereit sind, trotz ihres angeblich stark ausgeprägtem sozialen Denkens für wenig Geld viel Verantwortung zu übernehmen – wieso sollten das dann plötzlich Männer freiwillig tun? Hmmm … Vielleicht ja, weil es schlichtweg ein wunderschöner Beruf ist, werdenden Müttern zur Seite zu stehen und Babys auf die Welt zu begleiten?

Aber uns interessiert heute vor allem die andere Seite – die der werdenden Mütter. Verbunden mit der Frage, wie sie sich fühlen, wenn ein männlicher Geburtspfleger ihnen zeigt, wie sie ihre Brust am besten massieren. Das ist gewöhnungsbedürftig. Wird man doch gezwungen, selbst im stärksten postnatalen Hormonsturm zu glauben, dass das Gegenüber weiß, was es sagt. Egal, ob 'es' ein Mann oder eine Frau ist.

Der Kopf sagt: Ja. Das kann auch ein Mann. Denn selbstverständlich sind wir uns alle einig darin, dass man niemandem einen Berufswunsch allein aufgrund seines Geschlechts verwehren darf. Wir leben ja nicht mehr in den 60er Jahren!

Zudem gibt es genügend Hebammen, die keine eigenen Kinder haben. Und vermutlich gibt es bei den Mütter-Hebammen auch etliche, die nicht gestillt haben. Die sprechen also auch nur aus Erfahrung, aber nicht aus eigener Erfahrung. Und überhaupt läuft jede Geburt völlig anders ab; ganz objektiv betrachtet ist es also egal, ob die Geburtspflegerin/der Geburtspfleger auch schon mal ein Kind zur Welt gebracht hat oder nicht.

Der Bauch dagegen sagt: Fühlt sich aber trotzdem komisch an! Wenn es um die ganz intimen Körperbereiche geht, scheinen Menschen zum eigenen Geschlecht zu tendieren. Männer gehen lieber zum Urologen als zur Urologin. Bleibt ihnen auch nichts anderes übrig: Der Anteil der Frauen in dieser Berufssparte liegt bei etwa 14 Prozent. In der Gynäkologie sieht es genau anders herum aus: Früher eine klassische Männerdomäne, stellen heutzutage die Frauen mit 80 Prozent den Löwenanteil. Zumindest bei den jüngeren Medizinern unter 35 Jahren.

Trendwende: Still-Berater

Und ausgerechnet bei der Betreuung vor, während und nach der Geburt soll jetzt eine ganz andere Trendwende eingeläutet werden? Wenn man wenigstens die freie Wahl hätte! Aber es ist ja nicht einfach, eine freie Hebamme zu finden, die einen während der Geburt begleitet. Wenn ich mich für die Version 'Beleghebamme' entscheide, muss ich mich der Person anvertrauen, die gerade Schicht hat. Egal, ob sie mir sympathisch oder unsympathisch ist. Egal, ob sie eine Frau oder ein Mann ist.

Das kostet viel Überwindung. Und dazu braucht es nach dem ersten "Neee! Nicht mit dem!" einen klaren Kopf, der einem einflüstert: Hey. Der Typ gehört zum Fachpersonal. Der sieht das Alles nicht zum ersten Mal. Das ist sein Job! Wenn da jetzt ein Arzt stünde statt einer Ärztin würdest du dir doch auch keinen Kopf machen!?

Komisch angefühlt hat es sich aber trotzdem. Auch wenn das Stillen im Endeffekt prima geklappt hat - trotz oder dank männlicher Hilfestellung. Denn einfühlsam war er, mein Stillberater. Und ganz lieb. Vermutlich auch, weil er es nie gewagt hätte, mit einer frisch Entbundenen so ruppig umzugehen wie die Grande Dame der Geburtsabteilung.

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