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Gebärmutter-Transplantation: Kommt sie für mich in Frage?

Auf Uterus-Transplantation folgt Schwangerschaft
Per Kaiserschnitt wurde ein gesundes Kind aus einer transplantierten Gebärmutter geboren. Ein schwedisches Ärzte-Team vollbrachte dieses Wunder. © picture alliance / Bildagentur-o, Bildagentur-online/Tetra-Images

Kind aus transplantierter Gebärmutter

Die Sensation ist perfekt: Erstmals ist ein Kind aus einer transplantierten Gebärmutter geboren worden. Ein schwedisches Ärzte-Team um Professor Mats Brannström hat geschafft, was bislang als unmöglich galt. Damit ist bewiesen: Frauen ohne eigene Gebärmutter können – zumindest theoretisch – eigene Kinder bekommen und auch selbst austragen.

Diese medizinische Durchbruch gibt Frauen Hoffnung, die beispielsweise wegen einer Krebs-Erkrankung keine Gebärmutter mehr haben - oder wie im konkreten Fall wegen einer Erbkrankheit nie einen Uterus besaßen. Sie hatten zuvor nur die Möglichkeit, eigene Kinder von einer Leihmutter austragen zu lassen. Eine Möglichkeit, die in Deutschland allerdings illegal ist. Andere EU-Mitgliedstaaten, wie zum Beispiel Belgien oder Griechenland, erlauben jedoch Leihmutterschaft.

Die 36 Jahre alte Mutter will anonym bleiben. Die Universitätsklinik Göteborg teilte jedoch mit, die Mutter sei Leistungssportlerin und habe wegen eines Gendefekts (Rokitansky-Syndrom) weder Gebärmutter noch Vagina besessen. Die Nachbildung der Vagina sei verhältnismäßig einfach gewesen, so die Ärzte. Die Transplantation der Gebärmutter sowie die Verhinderung ihrer Abstoßung durch die körpereigene Immunabwehr war die eigentliche Herausforderung.

Einige Medien berichten, dass die Gebärmutter von der Mutter der Patientin gespendet worden sei. Das könnte ein Faktor sein, der wesentlich zum Erfolg beigetragen hat. Denn der Körper, der jetzt diese Gebärmutter besitzt, befand sich in diesem Fall einmal in ihr.

Fest steht jedenfalls, dass die Spenderin die Wechseljahre bereits hinter sich hatte. Sechs Wochen nach der Transplantation setzte unter dem Einfluss der Eierstöcke bei der Patientin die Periode ein. Damit konnte eine im Reagenzglas mit dem Sperma des Vaters befruchtete Eizelle in die verpflanzte Gebärmutter eingesetzt werden.

Während der Schwangerschaft habe es drei leichte Abstoßungsreaktionen gegeben, die mit starken Medikamenten gestoppt werden konnten, so die Ärzte.

Da die Medikamente das körpereigene Immunsystem unterdrücken, eignet sich die Behandlung nur auf kurze Sicht. Die Patientin und ihr Mann müssen sich jetzt entscheiden, ob sie rasch noch ein Geschwisterchen bekommen wollen oder nicht. Andernfalls werde die transplantierte Gebärmutter wahrscheinlich wieder entfernt.

Von den neun Frauen mit transplantierter Gebärmutter, die derzeit noch vom Göteburger Ärzte-Team betreut werden, sind zwei weitere schwanger. Routine werde die Schwangerschaft mit einer transplantierten Gebärmutter aber "auch in vielen Jahren noch nicht" sein, so Professor Brannström.

Wichtige Fragen, die sich Frauen jetzt stellen

Für welche Frauen kommt die Behandlung in Frage?

Die neue Behandlung kann für Frauen in Frage kommen, die ihre Gebärmutter zum Beispiel wegen Krebs verloren haben. Auch Frauen, deren Gebärmutter anders erkrankt oder gar nicht vorhanden ist, zählen zu den möglichen Patientinnen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Eierstöcke intakt sind.

Welche Krankenhäuser machen das?

An dieser Behandlung wird weltweit geforscht. Geklappt hat es bislang aber nur dieses eine Mal in Göteborg, Schweden.

Bezahlt die Krankenkasse die Behandlung?

Von einer Bezahlung durch Krankenkassen sind wir noch weit entfernt. Frauen, deren Kinderwunsch aus den oben genannten Gründen unerfüllt bleibt, können sich natürlich an die Universitätsklinik in Göteborg wenden und um Aufnahme in das Forschungsprogramm bitten. Die Behandlung dort wäre sicher kostenlos.

Wie läuft die Behandlung im Einzelnen ab?

Zunächst muss ein Spender-Uterus gefunden werden. Wie sich gezeigt hat, könnte das sogar der Uterus der eigenen Mutter sein. Einen passenden Uterus im Rahmen einer Organspende zu finden, dürfte deutlich schwieriger sein, insbesondere, da es sich um eine Langzeittherapie handelt, die zeitlich perfekt abgestimmt sein sollte.

Vor der Transplantation findet die Vorbereitung für eine Labor-Befruchtung einer Eizelle statt. Das Embryo wird dann unmittelbar nach Beginn der Periode durch die Gebärmutter implantiert.

Wegen der Gefahr der Abstoßung des Uterus durch das Immunsystem, muss die werdende Mutter während der gesamten Schwangerschaft engmaschig durch die Spezialisten überwacht werden. Das bedeutet wahrscheinlich monatelange Krankenhaus-Aufenthalte mit nur kurzen Entlassungs-Phasen dazwischen.

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