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Gänsereiten: Petition will kranken Karnevalsbrauch verbieten

Gänsereiten: Petition will kranken Karnevalsbrauch verbieten
Kranker Brauch: Petition gegen Gänsereiten © picture-alliance/ dpa, Roland Weihrauch

Fragwürdige Tradition im Ruhrgebiet

In Bochum wird jedes Jahr am Rosenmontag bis heute ein sehr fragwürdiger Brauch betrieben: das so genannte Gänsereiten. Beim Gänsereiten wird eine extra dafür getötete Gans kopfüber zwischen zwei Bäumen festgebunden. Danach versuchen Reiter abwechselnd im Galopp den Kopf der Gans abzureißen. Wenn Muskeln, Sehnen und Gewebe im Gänsekopf soweit strapaziert wurden, dass ein Reiter es schafft ihn abzutrennen, dann darf dieser sich für ein Jahr „Gänsereiterkönig“ nennen. Nach der Prozedur wird die Gans gemeinsam verspeist. Genau das wird auch dieses Jahr an Kanerval der Fall sein.

Vor dem Jahr 1806 wurden die Gänse sogar bei lebendigem Leibe aufgehangen. Eingeführt wurde der Brauch angeblich vor über 400 Jahren von spanischen Kriegsleuten. In anderen Städten werden längst Gänseattrappen zum Erhalt der Tradition verwendet.

Stadt Bochum sieht keinen Gesetzesverstoß

Tierschützern wie Sandra Lück ist das umstrittene Ritual schon seit langem ein Dorn im Auge. Sie wirft den Organisatoren Verstöße gegen das Tierschutz- und das Jugendschutzgesetz vor. Auch dieses Jahr versucht sie erneut, durch eine Petition das Gänsereiten verbieten zu lassen. 80.000 Menschen haben bereits unterzeichnet, Lücks Klageschrift wird momentan von der Stadt Bochum bearbeitet, auch an NRWs Ministerpräsidentin ist die Unterschriftenaktion gerichtet.

Ob der erneute Versuch, das Gänsereiten zu verbieten, Erfolg verspricht, ist fraglich. Bereits im letzten Jahr hatte Lück über 50.000 Stimmen gesammelt. Dadurch musste sich der Petitions-Ausschuss des Bundestags mit der Initiative befassen. Heraus gekommen ist dabei nichts. Auch die Stadt Bochum wiegelt ab. Es werde jetzt schon regelmäßig geprüft, ob das Gänsereiten gegen das Tierschutz- und das Lebensmittelhygienegesetz verstoße. Auch bei Kommunalpolitikern stößt Lück bislang auf taube Ohren. Aufgeben will sie aber nicht.

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