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Fußball-EM: Wie lange dürfen Kinder während der Spiele aufbleiben?

Fußball gucken am Abend - mit oder ohne Kind?
Fußball gucken am Abend - mit oder ohne Kind? Das sagen Elternratgeber 00:00:27
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Aufbleiben während der EM-Spiele

Es ist die Zeit der Diskussionen in den Familien: Da viele Spiele der Nationalmannschaft während der Europameisterschaft erst um 21 Uhr starten, gibt es Konflikte, ob und wie lange der Nachwuchs mitschauen darf - denn: Schule ist ja auch noch...

Deutschlandspiele während der Fußball-EM.
Machen Sie die Spiele einfach zum Familienereignis. © Getty Images/iStockphoto, delectus

Von Merle Wuttke

Zum Glück haben wir Sommer. Da verschiebt sich das Ins-Bett-Gehen des Nachwuchses aufgrund der langen hellen Abende ja ohnehin schon mal locker um eine Dreiviertelstunde nach hinten. Zumindest bei uns zu Hause ist das so. Vielleicht ist es auch nur eine willkommene Ausrede, um sich das schlechte Gewissen, dass wir als Eltern haben, ein wenig schön zu reden. Denn: Wir geben es zu, wir haben aufgegeben. Jedenfalls bei dem Neunjährigen. Der darf - ebenso wie sein großer Bruder (12) - die Deutschland-Spiele während der EM ab 21 Uhr sehen. Ja, auch in der Schulzeit. Aber, das wiederum rettet uns ein wenig, nur die erste Halbzeit.

Man mag uns inkonsequent und schlaff nennen, aber jetzt kann unser Sohn immerhin in der Schule mitreden. Da gibt es unter den Kindern schließlich kaum ein anderes Thema mehr. Außerdem stehen die Zeugniskonferenzen ohnehin schon an. Schule und Lehrer tun zwar so, als ob man jetzt noch mal richtig was reißen könnte, wenn man sich als Schüler einbringt, aber eigentlich wissen wir doch alle: Das Thema Zensuren ist bereits gegessen. Zum größten Teil jedenfalls.

Kommen meine Kinder also am nächsten Tag mit einem leichten Fußballkater in die Schule und folgen der ersten Unterrichtsstunde nicht ganz so aufmerksam – so what. Weil ich aber davon ausgehe, dass nicht wenigen Lehrern genauso ergehen wird, sehe ich das gelassen. Leider gibt es an den Schulen in Hamburg meiner Söhne keine spezielle EM-Regelung, sprich der Unterricht beginnt zu derselben Zeit wie immer. In Baden-Württemberg dagegen, können die Schulen entscheiden, ob sie den Unterrichtsbeginn nach hinten verlegen.

Kicken am Wochenende

Nichtsdestotrotz: Vor Klassenarbeiten bleiben wir hart. Und auch die Kleinste darf mit ihren fünf Jahren noch nicht mitschauen. Sie würde sich ohnehin nur langweilen und interessiert sich mehr für die Stimmung vor dem Spiel und die lustigen Hüte, die sich ihre Geschwister aufsetzen. Dass wir bei ihr unser Veto eingelegten, sorgte natürlich für Diskussionen. Aber nur am Anfang. Ist wahrscheinlich sowieso das Beste: Bereits vor der EM klare Vereinbarungen mit den Kindern treffen, wann wer und wie lange gucken darf. Und das gut begründen können. Spart das Generve am Abend.

Aber da ich mich selbst erinnere, wie toll ich es als Siebenjährige fand, die Weltmeisterschaft das erste Mal mit meinen Eltern am Fernseher mitzuverfolgen, will ich meinen Kindern nicht völlig den Spaß an der EM verwehren. Denn am Ende zählt gar nicht so sehr das Spiel und dessen Ausgang, oder dass die Kinder müde in die Schule gehen, sondern vielmehr, dass sich die Kinder wie die Erwachsenen fühlen durften. Dass man – egal wie banal – ein gemeinsames Erlebnis geschaffen hat. Mit Gummibärchen, Chips und Limo (ausnahmsweise). Dass Mama und Papa mal Fünfe gerade sein lassen können.

Und meine Jungs können mir manche Spielabläufe sogar besser erklären und sich als Experten erweisen, und das wiederum tut ihrem Selbstbewusstsein gut. Das Beste aber ist, dass in unserer direkten Nachbarschaft eine Menge Kinder in derselben Situation sind, weshalb an den Wochenenden unser Innenhof zur Zweit-EM wird: Hier wird all das nachgespielt, was man in der Woche im Fernsehen sehen durfte. Das sagt noch mal einer, Fernsehen mache unkreativ.

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