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Für den Partner sein Äußeres ändern: Wie weit ist das ok?

Wie weit würden Sie sich für den Partner ändern?

Oh Gott! Jetzt hat er schon wieder diese unmögliche Wabber-Short mit dem peinlichen Muster an! Und erst das T-Shirt! Das hat ihm vielleicht noch vor fünf Jahren gepasst, aber jetzt – einfach zu verwaschen und vor allem zu eng (ob das nun an ihrer angeblich zu heißen Trockner-Einstellung liegt, die das Shirt hat schrumpfen lassen oder an seiner Lust am guten Essen, da gehen intern meist die Meinungen auseinander; in vielen Beziehungen gelingt es den Paaren ja nur selten, derartige Schuldfragen eindeutig zu klären.) Kommt Euch das bekannt vor? Dann seid Ihr in guter Gesellschaft. Ganz oben auf der Wunschliste in Sachen Partner-Update stehen bei uns Frauen nämlich: neue Kleidung, weniger Kilos und eine andere Frisur. Und das Schöne: viele Männer würden da sogar mitziehen.

Wie weit ist das ok?
Für den Partner sein Äußeres ändern

Laut einer FriendScout24-Studie sind über 46 Prozent der Befragten bereit, dem Partner zuliebe ein bisschen an ihrem Aussehen zu feilen. Jeder Vierte würde sich eine neue Frisur zulegen, 23 Prozent einer Diät zustimmen und immerhin 16 Prozent würden den eigenen Kleidungsstil den Wünschen des Partners anpassen. Wohlgemerkt: Sie würden. Wenn sie denn den Wunsch jemals zu hören bekämen. Denn de facto, so die Studie, haben nur 17 Prozent der Deutschen ihren Partner überhaupt jemals aufgefordert, etwas an seinem Erscheinungsbild zu ändern. Darunter allerdings fast doppelt so viele Frauen wie Männer. Sind wir wirklich solche Nörgel-Trinen? Oder lassen sich die Männer wirklich öfter gehen als die Frauen?

Oder andersherum gefragt: Ist es den meisten Männern eigentlich wurscht, wie ihre Frauen aussehen, wenn sie denn endlich eine haben? Nein, so ist es nicht. Es ist viel schöner, sagt zumindest der Wuppertaler Sozialpsychologe Prof. Manfred Hassebrauck: "Das liegt daran, dass die Einschätzung des eigenen Aussehens und die Sicht des Partners alles andere als perfekt übereinstimmen. Meist findet der Partner uns hübscher als wir uns selbst, denn wir finden Personen umso schöner, je mehr wir sie mögen."

Das ist doch mal ein Wort. Ändert allerdings nichts an dem Umstand, dass seine Lieblingsjeans immer noch de facto ein Fall für die Altkleider-Sammlung und nicht für den Biergarten wäre. Oder dass Nagelpflege genauso ernsthaft betrieben werden kann wie die Maniküre der Leichtmetall-Felgen. An diesen Tatsachen ändern auch die schönsten inneren Werte nichts, finden wohl viele Frauen. Und so dürfte es wohl nach wie vor die ein oder andere spitze kleine Bemerkung geben über das ein oder andere äußere Detail. Wobei hier gilt: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Die Neigung, sich dem Partner zuliebe zu ändern, nimmt mit zunehmenden Alter ab: Bei den über 60-Jährigen wären nur noch 40 Prozent der Männer und Frauen bereit, sich den Schönheitsvorstellungen das Partners anzupassen – bei den 14- bis 19-Jährigen immerhin noch 60 Prozent.

Aber generell würden sie alle nicht alles machen. Das Fitnessstudio ist für Männer wie Frauen eine Option: Zwölf Prozent würden für Mr. oder Mrs. Right regelmäßig Gewichte stemmen oder im "Bauch, Beine, Po"-Kurs aufs Ganze gehen, so die FriendScout24-Studie. Wenn es um kosmetische Details geht, halten sich die Männer jedoch eher zurück: Während 17 Prozent der Frauen auf Wunsch des Partners zur Maniküre (oder Pediküre) gehen würden, sind es nur vier Prozent der Männer. Und auch bei der Frisur sind die Männer störrischer: nur 21,2 Prozent würden den Style ihrer Haare, aber immerhin 30,5 Prozent der Frauen würden sich die Wunschfrisur ihres Mannes verpassen lassen. Das sind wahrscheinlich die, die einen Partner haben, dem überhaupt auffällt, dass sie eine neue Frisur haben…

Schönheitsoperationen für die meisten ein No-Go

Auf beiden Seiten nach wie vor ein No-Go: Schönheitsoperationen und Botox. So würde nur jede hundertste Frau solche Treatments der Liebe wegen über sich ergehen lassen – Männer lehnen sie komplett ab. Doch auch diesseits der Schönheits-OPs stellt sich die Frage, bis zu welchem Maß es sinnvoll ist, sich dem Partner zuliebe zu verändern. Es gibt Sachzwänge – zum schicken Geschäftsessen wird man als Gattin kaum in der Schlabberhose erscheinen und wenn sie mal in die Oper will, wird wohl auch er sich ins feine Tuch werfen. Aber generell?

Bei manchen Paaren scheint die Anpassung an die Wünsche des Partners ja ohnehin ein eher schleichender denn ein bewusster Prozess zu sein. Plötzlich sind beide solariumbraun. Oder gehen in identischen Jacken zum Joggen. Oder legen beide deutlich an Gewicht zu. Dennoch hat die Studie ja herausgefunden, dass fast jeder zweite Deutsche sein Aussehen für den Traumpartner ändern würde, wenn der (oder die) es verlangen würde. Aber wo fängt da das Sich-Verkleiden und Verbiegen an? Bei dem Tattoo, auf das man verzichtet, weil der Freund es doof findet? Bei den Fingernägeln, die nicht mehr nur gepflegt, sondern verlängert sind? Bei dem Entschluss, jetzt doch eine Diät anzufangen, weil man in den letzten Jahren ganz schön moppelig geworden ist; schließlich flätzt man jetzt lieber mit dem Partner auf dem Sofa rum statt wie zu Single-Zeiten zum Sport zu gehen. Immerhin hat einen der Partner ja anders kennengelernt, aber andererseits: Jeder verändert sich. Hoffentlich nicht nur zum schlechten. Allein schon sich selbst zuliebe sollte ja jede Frau und jeder Mann darauf achten, nicht zu verloddern, sich weiterzuentwickeln. Und auch: Sie selbst zu bleiben.

Was meint Ihr? Wo ist die Grenze zwischen Sich-nicht-gehen-Lassen und Sich-zu-sehr-den-Wünschen-des Partners anpassen?

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