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Fünf Gesundheitsfragen zur Flüchtlingskrise

Fünf Gesundheitsfragen zum Thema Flüchtlinge
Fünf Gesundheitsfragen zum Thema Flüchtlinge Wie gut ist die medizinische Flüchtlingsversorgung? 00:02:54
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Drohen jetzt Epidemien?

Tausende Flüchtlinge kommen im Moment pro Tag an der deutschen Grenze an. Die Erstaufnahmelager sind oft überlastet. Eine große Herausforderung für die Helfer vor Ort - vor allem für die vielen freiwilligen Ärzte, ohne die dieser Ansturm an Bedürftigen nicht zu stemmen wäre.

Fünf Gesundheitsfragen zur Flüchtlingskrise
Flüchtlinge bekommen eine medizinische Erstversorgung © dpa, Nicolas Armer

Denn jeder Asylbewerber bekommt in Deutschland eine medizinische Erstuntersuchung - das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Die Flüchtlinge müssen teilweise lange auf eine Behandlung warten. Dann testen sie die Ärzte unter anderem auf gefährliche Krankheiten.

Viele Menschen treibt die Sorge um, dass durch den Flüchtlingsansturm eben solche womöglich ansteckenden Krankheiten ins Land gebracht werden könnten. Mediziner schätzen diese Gefahr als eher gering ein. Das Risiko, sich mit einer Infektions-Krankheit anzustecken, ist im Urlaub an einem Fernreise-Ziel vermutlich deutlich höher. Wir haben fünf Gesundheitsfragen zum Thema Flüchtlinge zusammengetragen und beantwortet.

Was wird bei einer Erstaufnahme-Untersuchung eigentlich gemacht?

Zunächst wird eine ganz normale allgemeine Untersuchung durchgeführt, bei der Blutdruck und Puls gemessen wird. Darüber hinaus wird über eine Röntgenuntersuchung der Lunge festgestellt, ob man bei dem Patient Tuberkulose ausschließen kann - diese erfolgt aber erst ab 16 Jahren und natürlich nicht bei Schwangeren. Auf freiwilliger Grundlage erfolgt ebenfalls eine Blutabnahme, um infektiöse Erkrankungen feststellen zu können - auf Wunsch auch inklusive HIV-Test. Außerdem wird der Patient zu seiner medizinischen Vorgeschichte und zu seinem Befinden befragt, was aber durch die Sprachbarriere natürlich in vielen Fällen sehr schwierig ist. Dolmetscher sind nach wie vor hier dringend vonnöten.

Mit welchen Erkrankungen kommen Flüchtlinge in Deutschland an?

Eigentlich ist es bei so vielen körperlich und seelisch völlig erschöpften Menschen nicht überraschend, dass Ärzte eine ganze Bandbreite an Erkrankungen vorfinden. Von Zahnschmerzen über chronische Erkrankungen, schlecht versorgte Wunden, Erkältungen, bis hin zu ansteckenden Krankheiten wie Masern und Polio ist alles dabei. Außerdem müssen Schwangere, Babys und Kleinkinder angemessen versorgt werden. Ganz zu schweigen von teilweise schweren postraumatischen Belastungs- und Angstzuständen.

Viele Deutsche haben die Befürchtung, dass mit den Flüchtlingen auch gefährliche Krankheiten ins Land gebracht werden. Ist das ein Problem?

Nein - selbst bei ansteckenden Krankheiten, wie Masern oder Polio, ist die deutsche Bevölkerung durch flächendeckenden Impfschutz und stabile hygienische und medizinische Verhältnisse geschützt.

Ist die psychische Belastung auch ein Thema?

Natürlich gilt auch hier: Freiwillige Psychologen und Psychotherapeuten und dementsprechend auch Dolmetscher sind dringend erforderlich. Die meisten Flüchtlinge haben Schreckliches erlebt und einen langen, gefährlichen, entbehrungsreichen Weg hinter sich. In vielen Flüchtlingseinrichtungen werden derzeit Mitarbeiter geschult, posttraumatische Belastungs- und Angstzustände bei den Menschen überhaupt erst mal zu erkennen - viele Flüchtlinge versuchen diese nämlich zu verbergen, um möglichst nicht aufzufallen.

Was muss aus medizinischer Sicht jetzt gemacht werden - woran fehlt es?

Es ist aber äußerst wichtig, dass innerhalb der Erstaufnahmeeinrichtungen, wo sehr viele Menschen auf begrenztem Raum zusammenkommen, die medizinische Erstversorgung weiter aufgestockt und besser organisiert wird. Das ist auf Dauer selbst mit vielen Freiwilligen nicht zu leisten. Folgebehandlungen sind momentan nicht zu gewährleisten, höchstens in Akutfällen. Außerdem drängt die Zeit: Der nahende Winter wird beispielsweise die Unterbringung von Flüchtlingen in Zelten unmöglich machen - und die medizinische Versorgungslage noch verschärfen.

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