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Frührente mit 40: Immer mehr Arbeitnehmer haben psychische Erkrankungen

Psychische Probleme häufig Grund für Frührente

Diana Brandt sieht nicht aus wie eine Frührentnerin. Körperlich wirkt die 40-Jährige fit und gesund. Doch in ihrer Seele sieht es anders aus. Mobbing an ihrem Arbeitsplatz als Personalreferentin, dazu Stress und Depressionen haben sie ausgebrannt, sagt die Mutter von zwei Kindern

Mit 40 arbeitsunfähig in Rente. Diana Brandt hat sich wie eine Versagerin gefühlt: "Ich habe einfache Sachen nicht mehr geschafft, viel geweint." Bis sie erfuhr, dass es zehntausenden Arbeitnehmern geht wie ihr. Denn psychische Probleme sind der Hauptgrund für eine Frühverrentung geworden.

Rund 59 Millionen Tage pro Jahr fehlen Arbeitnehmer wegen psychischen Beschwerden, Tendenz steigend. Laut einer aktuellen Untersuchung der Psychotherapeutenkammer ist die Zahl der Betroffenen innerhalb von zehn Jahren um rund 25.000 auf 75.000 im Jahr 2012 gestiegen. Damit sei fast jede zweite neue Frührente psychisch verursacht. Außerdem steige mit der Frührente auch das Armutsrisiko der psychisch Kranken. Denn die Erwerbsminderungsrenten seien seit 2000 stark gefallen - auf zuletzt durchschnittlich rund 600 Euro pro Monat. Mehr als ein Viertel der erwerbsunfähigen Rentner lebe inzwischen in Einkommensarmut.

Stress und Druck am Arbeitsplatz beschleunigen seelische Probleme

Annelie Buntenbach vom Deutschen Gewerkschaftsbund sieht das Problem am Arbeitsplatz: "Der Stress bei der Arbeit hat immer mehr zugenommen. Immer mehr Menschen fühlen sich gehetzt, haben Gefühl, dass sie mehr in derselben Zeit leisten müssen, dass ihre Vorgesetzten sie unter Druck setzen und ihre Arbeit nicht wirklich würdigen."

Psychologen sagen allerdings, es sei nicht allein die Arbeit, die krank mache. Doch Sorgen am Arbeitsplatz verstärken und beschleunigen seelische Probleme. Denn am Arbeitsplatz sind die Nebensymptome einer Depression besonders störend, weiß Psychologin Rüya Kocalevent: "Symptome sind Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen. Durch Ein- und Durchschlafstörung, die man in der Nacht erlitten hat, ist man morgens überhaupt nicht fit. Dann kommt noch Antriebslosigkeit dazu.“ All das begünstige, dass man seine Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz einbüßt.

Auch die Arbeitgeber sind alarmiert. Durch zum Beispiel Mobbing am Arbeitsplatz, Burnout oder Frühverrentung entstehen den Unternehmen Milliarden Euro an Kosten. Außerdem leidet die Poduktivität in den Unternehmen darunter.

Das Schlimmste war, sagt Diana Brandt, dass sie lange als Simulantin angesehen wurde. Fast zwei Jahre dauerte es, bis Gutachter ihr bescheinigten, sie sei dauerhaft arbeitsunfähig. Gesetzgeber und Gewerkschaften arbeiten derzeit an einer Anti-Stress-Verordnung. Eine solche Arbeitsschutzverordnung könnte hunderttausenden Arbeitnehmern helfen und die massenhafte Frühverrentung von jungen Arbeitnehmern wie Diana Brandt verhindern.

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