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Frühkindliche Förderung: Deutschland fehlen 120.000 Erzieherinnen

Eine Erzieherin für 15 Kinder

Haben Sie für Ihr Kind schon einen Kita-Platz? Wenn ja, dann können Sie sich glücklich schätzen. Noch ist das in Deutschland nicht selbstverständlich, denn es fehlen noch immer Plätze. Doch dazu kommt ein weiteres Problem: Es gibt zu wenig Erzieherinnen. Und darunter mangelt die Qualität der Krippen erheblich. Denn schließlich sollen unsere Kinder dort nicht nur gehütet, sondern auch gefördert werden.

Frühkindliche Förderung: Deutschland fehlen 120.000 Erzieherinnen
© dpa, Bernd Wüstneck

120.000 zusätzliche Erzieherinnen wären für eine hochwertige frühkindliche Bildung nötig. Das würde jährlich fünf Milliarden Euro kosten und die Personalaufwendungen in dem Bereich um ein Drittel erhöhen. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Studie der Bertelsmann Stiftung. Diese belegt außerdem ein starkes West-Ost-Gefälle beim Personalschlüssel. Darum müsse es bundesweit geltende Qualitätsstandards im Bundes-Kita-Gesetz geben, forderte Jörg Dräger vom Stiftungsvorstand.

Der Analyse zufolge muss sich in Ostdeutschland rechnerisch eine Erzieherin um 6,3 Krippenkinder kümmern. Im Westen kommen im Durchschnitt 3,8 Kinder auf eine Erzieherin. In Bremen und Baden-Württemberg ist eine Erzieherin durchschnittlich für drei Kinder zuständig, in Sachsen-Anhalt hingegen für mehr als sechs Kinder.

Ähnlich groß sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern auch in Kitas für Kinder ab drei Jahren. Hier liegt der Personalschlüssel im Westen bei 1 zu 9,1 und im Osten bei 1 zu 12,7. Vorzeigeländer sind erneut Bremen (1 zu 7,7) und Baden-Württemberg (1 zu 8). Am anderen Ende steht Mecklenburg-Vorpommern (1 zu 14,9). In der Praxis ist das Betreuungsverhältnis sogar noch ungünstiger. Tatsächlich kann eine Erzieherin nur 75 Prozent ihrer Zeit für die Kinder aufwenden, der Rest entfällt auf Teamgespräche, Fortbildung und Urlaub. Damit betreut eine Erzieherin im Osten also mindestens acht und im Westen fünf Krippenkinder.

Kinder müssen mehr gefördert werden

Für eine kindgerechte und pädagogisch sinnvolle Betreuung fordert die Stiftung, dass bei den unter Dreijährigen eine Erzieherin für höchstens drei Kinder verantwortlich ist. Für die Altersgruppe ab drei Jahren sollte der Personalschlüssel nicht schlechter als 1 zu 7,5 sein. "Politik und Praxis sollten sich auf bundesweite kindgerechte Standards einigen, damit alle Kita-Kinder in Deutschland gute Bildungschancen haben", sagte Dräger.

Seit dem 1. August 2013 haben Eltern von unter Dreijährigen einen Rechtsanspruch auf ein staatlich gefördertes Betreuungsangebot - entweder in einer Kindertagesstätte oder bei einer Tagesmutter. Es fehlen aber trotz Zuwachses vor allem im Westen in den vergangenen Jahren noch Plätze. Zum 1. März 2014 stand für knapp 662.000 Kinder unter drei Jahren ein Platz zur Verfügung. Das waren 32,5 Prozent der Kleinkinder in diesem Alter. Ursprünglich sollte es bis Inkrafttreten des Rechtsanspruchs 750.000 Betreuungsangebote geben.

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