Frühchen-Report: Jede 10. Entbindung eine Frühgeburt

Frühchen-Report: Jede 10. Entbindung eine Frühgeburt
© dpa, Holger Hollemann

Jährlich 60.000 Frühchen in Deutschland

Diese Zahlen sind besorgniserregend: Fast jedes zehnte Baby in Deutschland ist ein Frühchen, also ein Kind, das vor der 38. Schwangerschaftswoche geboren wird. Weltweit werden jährlich rund 15 Millionen Kinder zu früh geboren, davon sterben mehr als eine Million – oder umgerechnet 3.000 Säuglinge täglich. Damit sind Frühgeburten nach der Lungenentzündung die zweithäufigste Todesursache bei Neugeborenen. Das ist das Ergebnis des ersten Frühchen-Reports, welcher jetzt in London vorgestellt wurde.

Die Bundesrepublik schneidet mit seiner Frühgeburten-Rate von 9,2 Prozent (60.000 Babys pro Jahr) relativ schlecht ab, auch wenn die Überlebenschancen hierzulande bei 50 Prozent liegen. Ganz schlecht sieht die Situation für Schwangere in Malawi in Südafrika aus: Hier gibt es mit 18,1 Prozent die höchste Frühgeburten-Quote - fast jedes fünfte Baby kommt zu früh und die meisten sterben. Die USA schneiden etwas schlechter ab als Deutschland: Dort liegt die Quote bei 12 Prozent.

Während in westlichen Ländern Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht oder das Alter der Mutter eine Rolle spielen, sind es in Entwicklungsländern mangelnde Hygiene, schlechte Ernährung oder Krankheiten. Gerade dort herrsche Handlungsbedarf, so Joy Lawn, die Hauptautorin des Berichts, an dem über 100 Wissenschaftler zwei Jahre lang gearbeitet haben.

Antibiotika könnten Frühgeburten verhindern

Schon alleine die Verabreichung von Antibiotika oder die Aufklärung über den Umgang mit Frühgeborenen könnten deren Überlebenschancen um 75 Prozent erhöhen. Vor allem eine nur einen Dollar teure Spritze, die die Lungenfunktion des Säuglings ankurbelt und bei uns zur Standardversorgung gehört, könnte vielen Kindern in ärmeren Ländern das Leben retten.

Grundsätzlich gilt also: "Was mit Kindern passiert, die zu früh zur Welt kommen, hängt im hohen Maße davon ab, wo sie geboren werden", so das Fazit von Lawns Report, in dem sie 65 Länder unter die Lupe nahm.

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