Frühchen nicht in Klinik behandelt: Ihre Tochter wurde zum Sterben geboren

Fehlerhafte geburtshilfliche Behandlung der Klinik?

Was Melanie Lang erlebt hat, bricht jeder Mutter das Herz: Sie ist in der 23. Woche schwanger, als sie plötzlich Wehen bekommt. Charlotte wird geboren. Winzig, klein, ohne fremde Hilfe nicht lebensfähig. Die Ärzte legen den Säugling einfach auf ihre Brust, sie mit dem Kind allein. Charlotte stirbt. Denn erst vier Tage später hätte sie in dem Kölner Krankenhaus Anspruch auf die notwendige Frühchen-Behandlung gehabt. "Das ist unmenschlich", sagt Melanie Lang und ist vor Gericht gezogen.

Melanies Tochter wurde zum Sterben geboren. Das Krankenhaus, in dem sie die Kleine zur Welt brachte, behandelt nach eigener Richtlinie keine Frühchen, die vor der 24. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen. Die Überlebenschance sei zu gering. Melanie Lang sah damals, im Jahr 2007, keinen Grund, daran zu zweifeln. Eine intensive Beratung über Alternativen erhielt sie nach eigenen Worten nicht.

"Die Hebamme und die hinzugerufenen Assistenzärztin haben mir das Kind noch angenabelt auf die Brust gelegt, sich dann verabschiedet und gesagt, 'wir gehen jetzt und lassen euch mit dem Kind alleine, damit ihr euch in Ruhe von dem Kind verabschieden könnt.' Meine Tochter hat dann aber noch fast eine Stunde gelebt", so Lang.

Sie verklagte das Krankenhaus wegen fehlerhafter geburtshilflicher Behandlung. Die Anwälte der Klinik aber sagen, dass die Ärzte korrekt nach der Leitlinie gehandelt hätten. Melanie Lang fordert ein Schmerzensgeld von 12.000 Euro. Sie will aber vor allem erreichen, dass Ärzte nicht alleine über die Überlebenschance von Frühchen entscheiden können.

Silke Wenk, die Anwältin von Lang, unterstützt ihre Mandantin: "Für Frau Lang ist es wichtig, dass einfach die Situation der frühgeborenen Kinder eine gewisse Aufmerksamkeit erhält und das nicht einfach über das Lebensrecht der Kinder hinweggegangen wird." Grundsätzlich ist jeder Arzt verpflichtet, ein lebend geborenes Kind zu versorgen. Bietet die Behandlung aber keinerlei Chance auf Erfolg oder drohen schlimmste Krankheiten oder Behinderungen, kann sie im Einvernehmen mit den Eltern eingestellt werden.

Besonders tragisch: Nur zwei Kilometer von Melanie Langs Klinik entfernt liegt die Uniklinik, die Frühchen schon ab der 22. Schwangerschaftswoche behandelt. Und wo diese Kinder angeblich eine Überlebenschance von einem Drittel haben. Das Gericht hat sich vertagt. Sein Urteil könnte auch noch mal das strafrechtliche Verfahren gegen die Klinik beeinflussen. Und es könnte grundsätzlich entscheiden, ab wann ein Frühchen ein Recht auf Leben hat - und ab wann nicht.

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