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Fruchtwasseruntersuchung dank Gentest ersetzt

Risikoreiche Fruchtwasseruntersuchung ade

Da ist die Freude über die Schwangerschaft ungebremst – doch schon muss die werdende Mutter über Leben und Tod entscheiden: Fruchtwasseruntersuchung – ja oder nein? Das Risiko, dass dabei irgendwas schief geht, besteht. Aber möchte man als Mutter nicht wissen, wenn das Kind krank ist? Eine neue Untersuchungsmethode soll jetzt den Durchbruch in der Pränataldiagnostik bringen: Sie ermöglicht einen Gentest, ohne den Fötus zu untersuchen. Doch die Methode ist wissenschaftlich und ethisch noch umstritten

Pränataldiagnostik: Neuer Gentest ersetzt Fruchtwasseruntersuchung
Pränataldiagnostik: Neuer Gentest ersetzt Fruchtwasseruntersuchung © Tatyana Gladskih - Fotolia

Von Sabine Möller

Frauen, die mit 35 Jahren oder älter Mutter werden, stehen unter Druck: Ab diesem Alter raten Ärzte im vierten oder fünften Monat der Schwangerschaft zu einer Fruchtwasseruntersuchung, um Gendefekte oder Krankheiten beim Fötus auszuschließen. Doch diese Prozedur ist nicht ungefährlich für das Ungeborene: Im schlimmsten Fall führt die Untersuchung zu einer Fehlgeburt. Forscher in Amerika haben nun einen Test entwickelt, der diese risikoreiche Untersuchung ersetzt, ohne den risikoreichen Eingriff in den Körper des Fötus.

Das Team von der Universität Washington in Seattle hat dazu das Blut der Mutter um die 18./19. Schwangerschaftswoche und einen Abstrich von der Mundschleimhaut des Vaters analysiert. Weil drei Prozent der Erbstückchen des Kindes schon vor der Geburt im Körper der Mutter existieren, suchten die Forscher im Blut der Mutter nach seinen DNA-Spuren. Nach der Geburt verglichen sie dann diese Ergebnisse mit dem Nabelschnurblut der Neugeborenen. Damit entschlüsselten die Mediziner schon vor der Geburt des Kindes sein genetisches Erbgut.

Trisomie 21 und Mukoviszidose leichter erkennen

Die Mediziner betonen aber, dass der Test noch ausbaufähig und verbesserungswürdig sei. Aber schon jetzt ließen sich so mehr als 3.000 genetische Störungen identifizieren. Dazu gehören Krankheiten wie Mukoviszidose und Trisomie 21. Der Gentest kann sogar Erbkrankheiten aufdecken, die erst in der übernächsten Generation auftreten können. Allerdings muss nicht jede Auffälligkeit im Test eine Krankheit zur Folge haben. Auch über die Schwere der Erkrankung lässt sich nichts sagen.

Was also wäre, wenn Eltern das Kind auf Grundlage des negativen Testergebnisses abtreiben lassen würden, es aber eine reelle Chance gehabt hätte, gesund zu leben? Oder ist allein das Risiko, ein behindertes Kind zur Welt bringen zu müssen, ein Argument für einen Schwangerschaftsabbruch? Diese ethischen Bedenken werfen auch Kritiker auf: Mit diesem Test könnten mehr Kinder mit unerwünschten Auffälligkeiten im Erbgut abgetrieben werden. Nun muss sich die Politik mit dem Fall befassen, denn eigentlich sind Gentests an Ungeborenen in Deutschland verboten. Wie stehen Sie zu solchen Gentests?

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