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Fruchtwasser-Untersuchung: Das sollten Sie wissen

Die Fruchtwasser-Untersuchung (Amniozentese) erlaubt dem Arzt, Aussagen zu bestimmten Erbkrankheiten des Fetus zu machen. Dabei geht es in erster Linie um Fehlbildungen des zentralen Nervensystems, um Trisomien wie dem Down-Syndrom (früher ‚Mongolismus‘) oder auch um einen Vaterschaftstest, zum Beispiel nach Vergewaltigungen.

Bei fortgeschrittener Schwangerschaft (ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel) lassen sich Aussagen zur Sauerstoffversorgung des Fötus machen. Außerdem können Neuralrohr-Defekte (zum Beispiel offene Wirbelsäule) festgestellt werden.

Der frühestmögliche Zeitpunkt für die Fruchtwasser-Untersuchung ist die 10. Schwangerschaftswoche. Es sollte jedoch die 13. Schwangerschaftswoche abgewartet werden, da es zuvor ein erhöhtes Verletzungsrisiko für das Ungeborene und auch ein erhöhtes Risiko einer Fehlgeburt gibt.

Jede Fruchtwasser-Untersuchung beinhaltet die Gefahr von Komplikationen: Frühgeburt und Verletzung des Fetus. Eine Auswertung von 1.006 Amniozentesen in der 16. und 17. Schwangerschaftswoche ergab, dass 2,5 Prozent der Frauen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren anschließend eine Fehlgeburt erlitten. Waren die Frauen 35 bis 39 Jahre alt, erhöhte sich das Risiko auf 3,4 Prozent. Waren die Frauen älter als 39, lag die Rate der Frühgeburten bei 5,1 Prozent. Das heißt, bei dieser Altersgruppe kam es nach jeder 20. Fruchtwasser-Untersuchung zu einer Fehlgeburt.

Krankenkassen bezahlen Fruchtwasser-Untersuchungen bei über 40-Jährigen und bei über 35-jährigen Erstgebärenden. In beiden Fällen wird von einer Risikoschwangerschaft gesprochen.

Die Entnahme des Fruchtwassers ist mit fünf bis 15 Minuten ein recht kurzer Eingriff. Der Arzt ermittelt zunächst per Ultraschall die Lage des Fetus. Danach sticht er mit einer Injektionsnadel durch Bauchdecke, Gebärmutter und Fruchtblase und entnimmt 10 bis 20 Milliliter Flüssigkeit. Das ist nicht schmerzhafter als eine gewöhnliche Spritze. Auf örtliche Betäubung wird deshalb meist verzichtet. Die Auswertung der Probe wird in einem Fachlabor erledigt.

Die Untersuchung des Fruchtwassers sollte sorgfältig zusammen mit dem Arzt abgewogen werden, da sie unterm Strich relativ riskant ist. Forschungen aus dem Jahr 2012 haben gezeigt, dass die Fruchtwasser-Untersuchung bald überflüssig sein könnte. Wissenschaftlern aus Seattle gelang es, das Genom eines Ungeborenen aus Blut und Speichel der Mutter zu ermitteln.

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