LIEBE LIEBE

Frisch verliebt nach vielen Jahren Ehe: Es geht wirklich!

Birgit Ehrenberg kennt sich in puncto Liebe aus
Birgit Ehrenberg ist die Liebesexpertin

Das Märchen von der ewigen Liebe

Heute werde ich Euch ein schönes Märchen erzählen. Hört mir bitte aufmerksam zu und fragt Euch, ob Ihr die Geschichte glauben könnt und wollt. Es war einmal eine hübsche und gute und kluge und ausgesprochen witzige und unterhaltsame Frau (also quasi eine perfekte Frau). Da es die Frau wirklich gibt und sie anonym bleiben will, nenne ich sie Klara. Mit 38 Jahren hatte Klara den Glauben an die Liebe aufgegeben. Eine große Liebe hatte sie als junges Mädchen erlebt, sechs Jahre hat diese gedauert, es war eine Liebe zum Vorzeigen, eine Bilderbuchliebe. Leider zerbrach diese, der junge Mann hat sich eines Tages verabschiedet, kein Mensch weiß, warum. Klara hat lange unter der Trennung gelitten.

Es kamen zwei andere Lieben, beide nicht schlecht, aber mit Haken und Tücken. Die Männer waren kompliziert und anstrengend. Als die zweite dieser beiden Lieben zu Ende ging, war Klara 38 Jahre alt und sah eine traurige Zukunft als Dauer-Single vor sich, der zu viel Prosecco trinkt.

Dann traf sie einen Jugendfreund, Christian, der Blitz schlug ein, Amor schoss mit seinen Pfeilen nur so um sich, Klara hätte es nicht für möglich gehalten, dass sie sich noch einmal so verlieben könnte. Und zudem in jemanden, den sie kennt, der ihr vertraut und sympathisch ist, der ihr aber nie sonderlich ausgefallen ist als potentieller Ehemann.

Das wurde Christian nämlich, ihr Ehemann.

Das Märchen könnte an dieser Stelle mit den bekannten Worten enden "Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute". Klara und ihr Liebster leben noch, Gott sei Dank. Sie lieben sich noch, seit 17 Jahren tun sie das.Das eigentliche Märchen spielt in der Gegenwart. Denn: Klara und ihr Mann sind total ineinander verliebt. Achtet auf meine Wortwahl: Sie lieben sich, und sie sind ineinander verliebt.

Wie bleibt die Verliebtheit bestehen?

Ich kenne Klara sehr gut. Sie wohnt in einer anderen Stadt, wenn sie mich ohne Christian besucht, kann er schon am ersten Abend kaum einschlafen vor Sehnsucht. Es hagelt SMS mit Texten wie "Süße, ich vermisse Dich! Komm nach Hause!"

Christian schreibt das nicht, weil ihm langweilig ist. Nein, er ist heiß auf Klara, und sie ist heiß auf ihn. So heiß wie in den ersten Wochen. Diese beiden Menschen sind verrückt nach einander. Nach fast 20 Jahren! Das gibt es.

Ich kenne keinen Menschen, der sich nicht genau das für sein Leben wünscht: Verliebt sein in den Ehepartner fürs ganze Leben.

Vielleicht seid Ihr im Zweifel, ob ich Euch hier eine Lügengeschichte auftische, aber es ist die reine Wahrheit.

Ich weiß, dass man nun von mir wissen will, ob man dafür etwas tun kann, dass die Verliebtheit bleibt, dieses herrlich wilde Gefühl, das meistens vergeht, wenn die stille Liebe kommt. Es ist genial, beides zu haben. Das Wilde, das den Sex ekstatisch macht und das Stille, das das Alltagsleben sicher und behaglich gestaltet.

Ich lasse die Katze aus dem Sack. Es gibt bestimmt tausend Liebes-Ratgeber, deren Inhalt darauf zielt, jahrzehntelange Schmetterlinge in die Bäuche von gestandenen Eheleuten zu zaubern. Man soll dies oder jenes tun oder lassen, Dessous kaufen oder nicht, verreisen oder zu Hause bleiben, den anderen eifersüchtig machen oder gar zum Seitensprung ermuntern, alles Mittel, um das Wilde zurückzuholen, das die Langzeit-Beziehung aufpeppen soll. Es gibt die beklopptesten Ratschläge. Ich warte auf den Tag, wo einer schreibt, dass man einfach eine Pappnase aufsetzen soll, um das abgekühlte Herz in Wallung zu bringen.

Fauler Zauber, das muss ich leider sagen. Es gibt keinen Trick, es gibt keine Magie, es gibt auch keine Strategie.

Über viele Jahre in den Ehepartner verliebt sein, das ist eine Art Wunder.

Die gute Nachricht: Wunder geschehen, sie geschehen auch immer wieder. Man kann darauf warten, man kann darauf hoffen. Das ist eine Aussicht, mit der man leben kann, finde ich. Mich erbaut und beflügelt das. Klara geht davon aus, dass ich dieses Wunder erlebe. Ich gebe diesen Glauben an Euch weiter.

Denn am Ende ist das Ereignis des Wunders vor allem auch eine Frage des unerschütterlichen Glaubens daran, dass einem genau diese Art von Liebe widerfährt. Wenn man so will, ist das eine Art "Tun", eine Art "Strategie": Glauben. Den Stern sehen, auf ihn zugehen. Dann fällt er vielleicht vom Himmel und Euch direkt in den Schoß.

Alles Liebe, Eure Birgit

Anzeige