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Freundin hat Liebeskummer: Was tun, wenn ewiges Liebesleid nur noch nervt?

Birgit Ehrenberg
Liebesexpertin Birgit Ehrenberg kennt sich aus

Wenn der Liebeskummer der Freundin nicht aufhört

Eigentlich sind wir Frauen einander die beste Stütze, was den Umgang mit den Erschwernissen in der Liebe angeht. Wir können uns den Weg zum Therapeuten in der Regel sparen. Wir tauschen uns aus, wir öffnen unser Herz, wir erleichtern uns. Im Gegensatz zu Männern, die sich oft scheuen, ihre Gefühle oder gar ihren Kummer auszusprechen. Die Armen.

Wir Frauen haben es dagegen gut. Doch was ist, wenn es in einer Liebes-Beschwerde-Sache keine Erleichterung gibt? Nicht nach einem Gespräch darüber, nicht nach zwei und nicht nach zwanzig? Was ist, wenn eine Freundin Liebeskummer hat - und dieser dauert Jahre?

Leider sind diese Fälle nicht selten, und sie stellen eine Frauenfreundschaft auf eine harte Probe. Denn natürlich ist es ein Schlag ins Kontor, wenn die eine Freundin zur anderen sagt: "Ich kann es nicht mehr hören! Aber manchmal bricht es einfach aus einem heraus. Ich habe das erlebt, eine Freundin, die ich sehr lieb habe, war mit einem Mann über Jahre enorm glücklich. Jeder bestaunte dieses Paar. Trotzdem ist der Mann eines Tages gegangen, es gab keinen Streit, es gab keine Langeweile, seine Liebe war einfach weg.

Meine Freundin kam sofort zu mir, nachdem er ihr gestanden hatte, dass es aus ist. Sie kam mit Zahnbürste dabei und Sekt. Wir setzten uns auf mein Sofa, sie weinte ohne Unterlass, immer wieder fragte sie mich, warum das bloß geschehen sei, dass sie sich ein Leben ohne ihn nicht vorstellen könne. Ich hörte zu, ich hielt sie fest im Arm. Das tat ich auch am nächsten Abend und noch ein paar Abende mehr.

Auch sonst plante ich meine Freundin in meinen Alltag ein, ich ging mit ihr ins Kino, um sie abzulenken, ich nahm sie mit, wenn ich ausging.

Nach einigen Wochen erlaubte ich mir, einmal ein anderes Thema anzusprechen, die Trennung außen vor zu lassen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Meine Freundin sprach nur über den Mann, über ihren Kummer, über Möglichkeiten, ihn zurückzugewinnen. Ich ertappte mich dabei, wie ich gähnen musste, ich hatte all diese Dinge schon so oft gehört. Ich ertappte mich nach einem Jahr dabei, dass ich nicht ans Telefon ging, wenn ihre Nummer auf dem Display erschien. Meine Freundin merkte, dass ich mich von ihr distanzierte, sie war doppelt traurig. Wegen des Mannes und wegen mir. Eine unselige Mischung.

Freundin hat Liebeskummer: Wann nervt es?

Ich sah ihr Leid, wenn wir zusammen waren, ich wurde dennoch immer verstockter ihr gegenüber. Wir trafen uns seltener, irgendwann gar nicht mehr. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, trotzdem war ich irgendwie froh. Über ein Jahr lang war ich der seelische Mülleimer gewesen, so fühlte ich mich jedenfalls.

Oder war ich eine schlechte Freundin? Das ist die Gretchenfrage... Ich denke, ich war eine treue Freundin, aber ich habe einen Fehler gemacht. Man muss einfach rechtzeitig damit rauskommen, wenn man nicht mehr kann. Man sollte es liebevoll sagen, die Freundin nicht an den Pranger stellen und ihr etwas vorwerfen. Man sollte, wie es so schön heißt, bei sich bleiben.

Und dann gemeinsam überlegen, wie man der Liebeskummer-Endlosschleife ein Schnippchen schlägt. Wenn ich Euch eine Hausnummer nennen soll, wie lange man seiner mit Liebesleid beladenen Freundin uneingeschränkte Aufmerksamkeit schenken soll, dann würde ich sagen: Ein halbes Jahr. Das reicht. Danach ist der normale freundschaftliche Trost erschöpft. Jedenfalls in Form einer akuten Dauerbetreuung.

Nach einem halben Jahr könnte es wirklich an der Zeit für den Besuch beim Psychologen sein, wenn das Denken und Fühlen ausschließlich um den Liebeskummer kreist und das ganze Dasein bestimmt.

Es muss deshalb nicht gleich eine langjährige Psychotherapie gemacht werden, manchmal reichen zwei bis drei Stunden, und man sieht wieder Licht. Oder: Man wendet sich einfach an mich. Ich mache die Liebe auch wieder leicht.

In dem Sinne: Alles Liebe, Birgit

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