Freudentränen bei der Geburt: Jetzt sprechen die schwulen Väter

Schwule Väter weinen bei der Geburt ihres Sohnes
BJ, Leihmutter Kathy und Frank nach der Geburt von Milo.

Unendliche Vaterglück teilt nicht jeder

Als Frank Nelson Baby Milo auf seine nackte Brust legt, entsteht ein Moment voller Intimität und Liebe. Das lässt erahnen, wie intensiv dieser Moment gewesen sein muss, als Frankie und sein Ehemann BJ zum ersten Mal ihren frisch geborenen Sohn in den Armen halten und Freudentränen weinen. Dieses Foto, direkt nach der Geburt entstanden, hat die Herzen der Menschen weltweit berührt. Jetzt sprechen die schwulen Väter.

Frank Nelson hat den Moment der Geburt noch genau vor Augen: „Im ersten Moment dachte ich nur daran, bloß nicht das Baby fallen zu lassen. Und als wir dann das Foto gemacht haben, schaute ich in seine geöffneten Augen - das war so wundervoll, mein Herz ist dahingeschmolzen.“ Dass die schwulen Väter auf dem weltberühmten Foto oberkörperfrei zu sehen sind, sei auf Anweisung der Hebamme passiert, sagen die Kanadier. Dadurch sollten sie dem Baby näher sein. Und das führen sie bis heute fort.

Papa BJ Barone ist immer noch im siebten Babyhimmel: „Du merkst, wie er sein Köpfchen anschmiegt. Dann höre ich ihn atmen und ich weiß, dass er mich riecht und so eine Verbindung zu mir bekommt. Er kann meinen Herzschlag hören und ich seinen.“ Doch das unendliche Vaterglück, das die beiden Männer aus Toronto momentan empfinden, teilt längst nicht mehr jeder.

Für BJs konservativen Vater ist das Familienmodell der beiden nicht akzeptabel. Er sagt, der 34-Jährige sei eine Blamage für die Familie. Auch von Außenstehenden kommen inzwischen vernichtende Kommentare. BJ sieht die Auseinandersetzung aber als große Möglichkeit: „Die Menschen sind es nicht gewohnt, dass Kinder mit zwei Vätern aufwachsen. Es ist eine Chance, bei den Leuten ein neues Bewusstsein zu schaffen, dass sie anfangen, umzudenken. Denn es ist total normal, man kann auf viele Arten eine Familie haben.“

BJ und Frankie haben mit Hilfe einer Leihmutter ihre Regenbogenfamilie gegründet. Kathy Frenette ist zweifache Mutter und hat den kleinen Milo für das homosexuelle Paar ausgetragen. Sie war zum ersten Mal Leihmutter. Kathys Kinder waren bis zur Geburt eng in die Schwangerschaft eingebunden. Doch wie fühlte es sich für Kathy selbst an, neun Monate mit einem Kind schwanger zu sein und es direkt nach der Geburt wegzugeben? „Ich schaue mir gerne Bilder von Milo an, aber es fühlt sich nicht an, als wäre er meiner. Es ist eher wie ein Baby von Freunden“, sagt sie.

Geld hat Kathy für die Leihmutterschaft offiziell nicht erhalten, das ist in Kanada verboten. Sie hat den kleinen Milo aber nur ausgetragen, die Eizelle stammt von einer anderen Frau, die Frank und BJ monatelang in einer Internetdatenbank ausgesucht haben. Beide Männer haben eine Samenspende gemacht und es in die Hand der Ärzte gelegt, welche Spende funktioniert und benutzt wird. Durch einen DNA-Test für die rechtmäßige Festlegung der Elternschaft wissen sie heute, wer von beiden der biologische Vater ist. Erzählen wollen sie es aber nicht. Nur Milo wird irgendwann erfahren, wer sein leiblicher Vater ist.

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