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Fremdverliebt: Männer ab 35 sind besonders anfällig

Fremdverliebt
Männer ab 35 sind besonders anfällig sich fremdzuverlieben © WavebreakMediaMicro - Fotolia

Es geht nicht um Sex, sondern um verlorene Lebendigkeit

Paar-Beziehungs-Experten warten mit neuen Erkenntnisse auf. Männer, die circa 35 bis 40 Jahre alt sind, sollen besonders anfällig dafür sein, sich 'fremd' zu verlieben. Das geht aus einem Bericht hervor, den mehrere Tageszeitungen publiziert haben. Dabei soll es den Herren gar nicht so sehr um Sex gehen, sondern um verlorene Lebendigkeit.

Von Christiane Mitatselis

Die Zunft der Paartherapeuten und Coaches lebt davon, dass sich Menschen, die eigentlich nichts mehr miteinander anfangen können, sich oft sogar das Leben zur Hölle machen, doch nicht trennen wollen. Denn schließlich wird in unserer Gesellschaft die Paarbeziehung als die allein glücklich machende Lebensform gepriesen.

Eine Beziehung sei 'Arbeit', heißt es in tausenden von Ratgeber-Büchern, aufgeben feige. Paartherapie wird als eine Möglichkeit der Beziehungs-Rettung gepriesen. Kein mir bekanntes Paar, das eine Therapie versucht hat, war zwar danach glücklicher als vorher. Sie haben aber zumindest darüber gesprochen und versucht zu retten, was nicht zu retten ist. Das beruhigt das Beziehungs-Gewissen.

Neue Thesen beleben das Geschäft. In einem in der 'Welt' und im 'Hamburger Abendblatt' publizierten Bericht konstatiert ein Paar-Coach namens Henning Matthaei: Männer um die 35, 40 seien besonders anfällig dafür, sich fremd zu verlieben.

Dabei gehe es gar nicht so sehr um 'Sex und Erotik', sondern um Lebendigkeit und "das Gefühl, dass das Leben Freude, etwas Neues bringt.“ Der Mann müsse dann Verantwortung übernehmen, sich fragen, was er wirklich wolle und mit dem Partner darüber sprechen. Könne sich der Mann partout nicht entscheiden, so rät der Coach, eine Zeit lang auf beide Liebespartner zu verzichten, um zu sehen, wo es ihn hinziehe.

Wie viel Lebendigkeit muss sie ihm bieten?

Aha. Was ist die Konsequenz? Sollen Frauen sich ernsthaft Gedanken machen, was sie nur tun können, damit sich der Mann bloß nicht langweilt? Wieviel Lebendigkeit muss sie ihm bieten, damit er nicht auf Abwege gerät? Soll sie sich im Zweifelsfall gesprächsbereit zeigen?

Die Antwort lautet: bloß nicht! Man muss sich einmal das plastisch vorstellen: Mann kommt nach Hause und gesteht: "Ich habe mich in eine andere verliebt, das gibt mir so viel Lebendigkeit. Wir sind ja schon fünf Jahre zusammen. Ich frage mich, was ich wirklich will, und muss das mit dir besprechen.“

Hier eine simple therapeutische Anweisung: Jede Frau mit normal ausgeprägtem Stolz setzt einen solchen Kerl umgehend vor die Tür, raus auf die Straße, dort kann er sich dann austoben und die Freude suchen, die er so vermisst. Nur wer sich zum Affen machen und seine Selbstachtung aufgeben will, wartet ab, wie sich der wankelmütige Herr entscheidet.

Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, der womöglich durch Paartherapie noch verlängert wird. Das gilt auch umgekehrt: Wer sich selbst in einer Beziehung langweilt und so grundlegende Dinge wie Lebendigkeit und Freude vermisst, der macht am besten Schluss, weil die Beziehung dann tot ist und sich nicht reanimieren lässt. Ein radikaler Schnitt kann am Anfang schmerzen, er wirkt aber vor allem befreiend.

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