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Fremdflirten: Kann mit Flirtportalen die Beziehung wiederbelebt werden?

Flirtportale ermöglichen gezieltes Fremdgehen

Seit einigen Jahren boomt der Fremdgeh-Trend gewaltig. Im Internet ploppen nahezu monatlich neue Seitensprung-Portale auf. Mir ist nichts Menschliches fremd, ich weiß, dass das Begehren aus der Spur laufen kann, aus der Beziehungs-Spur.

Ich verstehe nur nicht, wie man das forcieren kann oder muss. Wobei die Anhänger dieser Fremdgeh-Portale damit argumentieren, dass die Portale ein gezieltes und dabei ein kontrolliertes Fremdgehen ermöglichen – und damit eine Trennung vom festen Partner vermeiden helfen. Ob das klappt?

Von Birgit Ehrenberg

Denn schon eine der harmlosesten Varianten des Fremdgehens, das Fremdflirten, führt oft zu emotionalen Dramen – und zur Trennung. Auch in dieser Sache gibt es aber Befürworter, die meinen, ein Fremd-Flirt auf einer Party oder im Büro könnte die häusliche Beziehung enorm beleben und sei also gut für die Partnerschaft, solange die Sache nicht entgleist und Verliebtheit ins Spiel kommt.

Ich will die Fremdgeher, die in Portalen ihre Gespielen und Gespielinnen suchen, nicht verteidigen. Es mag sein, dass der unbedingte Wille, dass es wirklich nur um Sex gehen darf, etwas ausrichtet, vielleicht schaffen das viele Fremdgeher, sich von den Gefühlen her zurückzunehmen. Den routinierten Fremdgehern fällt das vielleicht sogar richtig leicht.

Sie orientieren sich an einem Regelsystem: Sie legen fest, wann sie den, mit dem sie fremdgehen, sehen und nicht sehen, telefonieren und nicht telefonieren, ein strammes Korsett also zur Verhinderung einer Woge von Leidenschaft, die die bestehende feste Beziehung gefährden könnte. Ich kenne Leute, die kriegen das hin.

Doch alles, was sich privat entwickelt, hat doch keiner im Griff, das kann mir keiner erzählen. Nehmen wir das Beispiel des klassischen Büroflirts. Es fängt auf einer Betriebsfeier an, man tanzt zusammen, lacht zusammen, schaut sich tief in die Augen, mehr nicht!

Offenes Herz und offener Geist, keine offene Beziehung

Aber am nächsten Tag und am übernächsten Tag verdichten sich vielleicht die Gefühle und die Blicke und die Berührungen. Man trifft sich ja automatisch wieder, wenn man zusammen arbeitet. Wie will man sich wehren gegen das Aufkommen von Verliebtheit? Ich denke, wenn da ein kleiner Flirt war, dann ist ein Keim gelegt, und wenn man sich nach dem Flirten immer noch gut findet – dann ist da was. Es ist auch was im Busche.

Der Gefühls-Keim geht auf, und das ist nicht selten. Und dann hat man den Salat: Eine Affäre. Man hat ein schlechtes Gewissen, im Ernstfall überlegt man sogar, alles hinzuschmeißen für die Affäre, Haus und Hof zu verlassen.

Warum denken Menschen eigentlich, eine Beziehung müsste belebt werden durch äußere Einflüsse? Wer ist darauf gekommen? Bekannt ist das ja vor allem aus dem Bereich der Erotik. Wenn es lau wird in deutschen Betten, empfehlen Experten zum Beispiel gern den Kauf von Dessous, als wenn eine knappe Unterhose aus Spitze alles verändern würde. So einfach ist das nicht.

So einfach ist es auch nicht, dass eine Partnerschaft sich belebt, wenn da ein Dritter reinfunkt. Dieser Dritte ist genauson uneffektiv wie neue Unterwäsche. Mehr noch: Der Dritte ist eine Riesengefahr.

Ich plädiere dafür, die Liebe anders zu verstehen: Die Lebendigkeit muss aus der Liebe selbst kommen, ihr inhärent sein. Bei einer guten und reifen Liebe ist das der Fall! Die erneuert sich von ganz allein, sie braucht dazu ein offenes Herz und einen offenen Geist, keine offene Beziehung.

Ich glaube, die Befürworter von Aktivitäten im 'Außendienst', die Fremdgeher und Fremdflirter, machen es sich sehr leicht. Damit glauben sie, dass sie auf eine ehrbare Weise die Liebe leicht machen. Falsch! Sie machen es sich lediglich selbst leicht, die Liebe profitiert davon nicht. Im Gegenteil, sie verflüchtigt sich.

Immer hübsch aufpassen, auf die gute alte Liebe, dann bleibt sie neu und leicht.

Eure Birgit

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