Frauenquote der Großen Koalition: Was bringt sie wirklich?

Wie viel Sinn ergibt das neue Gesetz überhaupt?

Die Große Koalition hat sich nach langem Streit und kindischem Gezänk auf eine Frauenquote geeinigt und feiert sich nun dafür. Der Beschluss sei historisch, ist zu hören – eine maßlose Übertreibung. In Wahrheit bringt diese Quote den Frauen in Deutschland so gut wie nichts.

Von Christiane Mitatselis

Ab 2016 soll das Gesetz gelten, mit dem geregelt wird, dass in 108 börsennotierten und mitbestimmungspflichtigen deutschen Unternehmen 30 Prozent der Aufsichtsräte weiblich sein sollen. Im Moment liegt der Frauenanteil in diesen Kontrollgremien bei circa 20 Prozent. Acht der 30 größten börsennotierten Firmen erfüllen die 30-Prozent-Quote bereits.

Für die Vorstände, in denen die wichtigen Firmen-Entscheidungen getroffen werden, wird es hingegen keine Quote geben, und dabei sind sie nur zu etwa sechs Prozent von Frauen besetzt.

Zudem werden 3.500 weitere börsennotierte Unternehmen verpflichtet, ab 2015 verbindliche Frauenquoten für Aufsichtsrat, Vorstand und das obere Management festzulegen. Falls sie es nicht tun geschieht: gar nichts!

Die Frauenquote der Koalition ist eine Luftnummer

Dafür also das ganze Geschrei, die lächerlichen Schimpf-Tiraden. CDU-Mann Volker Kauder schmähte SPD-Ministerin Manuela Schwesig lauthals als weinerlich, auch die CSU machte jede Menge Stress, um das im Koalitionsvertrag vereinbarte Quoten-Gesetz zu sabotieren.

Warum die Konservativen bei diesem Thema derart in Panik geraten sind, ist unverständlich. Eine Invasion karrierebesessener Frauen, die den Männern die Butter vom Brot nimmt, müssen sie ganz bestimmt nicht befürchten.

Es werden zwar mehr weibliche Mitglieder in den Aufsichtsräten sitzen, die Zahl ist jedoch überschaubar: Ungefähr 150 dürften es sein. Auf das Arbeitsleben der normalen Frauen in Deutschland hat dies aber keine Auswirkungen.

Das größte Frauenproblem im Job wird sich nicht bessern, in Deutschland bleibt es schwierig bis unmöglich, Familie und Arbeit harmonisch unter einen Hut zu bekommen. Die staatlichen Ganztags-Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder sind nicht ausreichend. Einerseits gibt es trotz des Kita-Ausbaus immer noch nicht genügend Plätze, andererseits schließen die meisten Einrichtungen so früh, dass berufstätige Frauen stets in größter Eile sind.

Außerdem haben Mütter in Deutschland ein Ansehensproblem. Das Verständnis der (männlichen) Chefs für ihre Probleme hält sich in der Regel sehr in Grenzen. Der Satz: „Ich muss weg, da ich mein Kind abholen muss“, wird nicht gern gehört. Und so werden Mütter flugs als Arbeitskräfte zweiter Klasse abgestempelt. Ihre Karrierechancen? Eher mau.

Wer wirklich etwas für Frauen in der Arbeitswelt tun will, muss deshalb an diesem Punkt ansetzen. Die Frauenquote der Großen Koalition ist eine Luftnummer.

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