Frauenarmut: Darum landen immer mehr Frauen in der Armutsfalle

Frauenarmut: Darum landen immer mehr Frauen in der Armutsfalle
© picture-alliance/ dpa, Lehtikuva Elina Simonen

Frauenarmut ist nach wie vor stark verbreitet

Wir stellen Chirurginnen, Busfahrerinnern oder Ingenieurinnen, aber finanziell gesehen bleiben wir das schwache Geschlecht. Eine aktuelle Studie zeigt: Immer mehr Frauen reiben sich zwischen Teilzeit-und Mini-Job auf, um überhaupt ihre Existenz sichern zu können und geraten damit ganz schnell in die Armutsfalle.

Von Merle Wuttke

Wegen der Kinder, weil kranke Eltern gepflegt werden müssen oder weil der Partner den besser bezahlten Job hat: Fast die Hälfte der Frauen in Deutschland arbeitet heute Teilzeit. Ein Trend, der sich seit Jahrzehnten verstärkt, so ging vor über 20 Jahren etwa ein Viertel der Frauen im Schnitt einer Tätigkeit mit 15-30 Wochenarbeitstunden nach, heute sind es bereits ein Drittel. Und, das obwohl in den letzten Jahren massiv die Kinderbetreuung ausgebaut wurde, immer mehr Ganztagsschulen eröffnen und die Politik das Thema "Vereinbarkeit von Arbeit und Familie" nicht länger ignoriert.

Das Problem bei diesem Trend: Frauen verdienen im Schnitt ohnehin sowieso weniger als ihre männlichen Kollegen, mit einem Teilzeitjob vergrößern sie diesen Gehaltsunterschied bzw. manövrieren sich sogar in die Armutsfalle. Denn fest steht: Wer nur halbe Tage arbeitet, hat per se einfach die schlechtere Position bei der Frage nach der nächsten Gehaltserhöhung. Und steht dann eine private Trennung ins Haus, kommt man als Frau richtig mies weg – ein Teilzeitgehalt reicht eben heute nicht, um das Familienleben zu sichern, dazu nimmt das neue Unterhaltsrecht Frauen ebenfalls verstärkt in die Pflicht für sich selbst zu sorgen, weshalb der Zweitjob her muss. 34 Prozent der Frauen, die laut der aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung, nebenbei zusätzlich arbeiten, tun dies nicht aus freien Stücken.

Ein anderes beunruhigendes Ergebnis: Fast 55 Prozent aller teilzeitarbeitenden Frauen haben einen Nebenjob, bei den Männern sind es gerade mal lächerliche 12,6 Prozent. Bedeutet: Männer jobben ein bisschen nebenher, um sich materiell mehr leisten zu können, Frauen, weil sie müssen und ohnehin grundsätzlich weniger in ihrem Hauptberuf verdienen. Reicht es dann immer noch nicht, sind nicht wenige von ihnen gezwungen, Angebote wie etwa die Tafeln mit ihren Kindern wahrzunehmen, um über die Runden zu kommen und schon sitzt man drin, in der Armutsfalle. Die Gefahr als Alleinerziehende liegt dabei bei 40 Prozent!

Frauen müssen selber ran

Was also tun? Den Hintern hochkriegen. Oder wie die Wirtschaftswissenschaftlerin Christina Boll vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut es eleganter in der Zeitung "Welt" formulierte: "Gerade bei Akademikerinnen ist das bürgerliche Ideal von der Frau, die es nicht nötig hat zu arbeiten, erstaunlich weit verbreitet."

Soll heißen: Frauen verlassen sich immer noch zu oft und zu gutgläubig auf das Versorgermodell, bleiben zu Hause bis die Kinder schon in die fünfte, sechste Klasse gehen oder fordern zu wenig Karriere- und Jobchancen für sich selbst sein. Und oft sind sie auch bereit weniger im Beruf zu geben. Aber Karriere macht man eben nicht an vier Tagen die Woche, dazu gehört auch, egal wie man das finden mag, sich abends und am Wochenende zu Hause an den Schreibtisch zu setzen. Wer das heute nicht will, hat später vielleicht das Problem, dass er sich dann noch weiter aus dem Fenster hängen muss, um die Existenz zu sichern.

Doch fest steht leider auch: Für Frauen in bestimmten Berufsgruppen, in denen Minijobs längst die regulären Stellen verdrängt haben, etwa in der Gastronomie, im Hotelgewerbe, im Einzelhandel – bringt auch der größte Ehrgeiz nichts. Hier muss der Gesetzgeber eingreifen und die Flut an Minijobs eindämmen, damit man als berufstätige Frau überhaupt wieder die Chance auf eine sozialversicherte Stelle bekommt. Ein Problem, das die Politik sehr wohl kennt, aber nicht angeht.

Ansonsten gilt wohl nur: Zähne zusammen beißen und nach Möglichkeit Vollzeit arbeiten, wenn es sich irgendwie mit dem Privatleben vereinbaren lässt. Sich fortbilden und weiter qualifizieren, um nicht länger auf unterbezahlte Mini-Job-Angebote angewiesen zu sein. Und dann? Durchhalten. Es lohnt sich.

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