Frauenarbeit: So wertvoll ist unsere tägliche Arbeit wirklich

Frauenarbeit: So wertvoll ist unsere tägliche Arbeit wirklich
© picture-alliance/ dpa, Lehtikuva Elina Simonen

Viel Frauenarbeit für viel zu wenig Geld

Hah! Meine Herren, würden wir Geld verdienen, wenn wir denn Geld verdienen würden. Tun wir aber nicht. Zumindest nicht für die täglich 2,5 Stunden Haushalt und Kinderbetreuung, die wir Frauen mehr in unsere Lieben und unser Nest investieren als die Männer. Nämlich ganz grob geschätzt 35 Euro netto am Tag. Macht mal 7 (Haushalt findet ja auch am Wochenende statt) 245 Euro netto. Auf den Monat gerechnet: 1050, beziehungsweise 1085 Euro. Diese Werte haben wir einer „Haushaltführungsschadens-Tabelle“ entnommen. Sprich: Wenn Mutti bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt wird und niemand unentgeltlich für sie einspringen kann, darf man diese Werte vom Unfallverursacher als Ersatzleistung fordern. Im wahren Leben ist das natürlich alles nicht ganz so einfach, da spielen dann noch diverse Faktoren und Quotienten mit rein. Aber das interessiert uns jetzt nicht. Uns interessiert nur die Zahl, die wir uns gerade aus der Tabelle gebastelt haben: Über 1000 Euro netto im Monat. Für 2,5 Stunden, die wir ohnehin leisten.

Ursula Willimsky

Die 2,5 Stunden hingegen haben wir uns nicht zusammengebastelt, die stammen aus einer aktuellen Studie des Internationen Währungsfonds (IWF). Die Verfasser fanden heraus, dass Frauen im Durchschnitt immer noch doppelt so viel Zeit in den Haushalt investieren wie Männer. Und viermal so viel in die Kinderziehung. Beides gilt übrigens ausdrücklich auch für Paare, bei denen beide erwerbstätig sind.

Wie es sich für den Internationalen Währungsfond gehört, betont die Studie aber nicht in erster Linie Spannungsfelder, die aus Fragen wie „Wieso muss ich eigentlich immer bügeln, obwohl ich mein Examen doch mit deutlich mehr Punkten abgeschlossen habe als Du?“ oder „Kannst Du nicht wenigstens heute mal dem Ferdinand bei den Zahlenpyramiden helfen?“ resultieren. Nein, der IWF sieht auch ganz deutlich Probleme nationaler, wenn nicht gar weltweiter Natur. Denn solange Frauen so viel mehr arbeiten, ohne Geld zu bekommen, solange tragen sie auch wenig bis nichts zum Bruttosozialprodukt bei.

Dabei könnte das ein bisschen mehr weibliche Unterstützung gut vertragen: In den USA würde das Bruttoinlandsprodukt um 5 Prozent steigen, in Ägypten gar um 34 Prozent. Vorausgesetzt, in diesen Ländern würden genauso viele Männer wie Frauen einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Tun sie aber nicht. Oder nur bedingt.

Frauenarbeit betrifft Haushalt, Kinder und Job

In Deutschland zum Beispiel arbeiten fast 5 Millionen Frauen in Teilzeit. Das ist prima für den Familienfrieden und für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Aber nicht so prima, wenn es zum Beispiel um die Rente geht, die diese Frauen für sich erwirtschaften. Schätzungen gehen davon aus, dass Frauen nur etwa halb so viel Rente bekommen wie Männer. Was auch darin liegt, dass Frauen in schlechtbezahlten Jobs (Stichwort: Soziales Tätigkeitsfeld, Dienstleistungssektor) deutlich überrepräsentiert sind.

Oder sie bleiben ganz zuhause, was individell gesehen natürlich eine goldrichtige Entscheidung sein kann, volkswirtschaftlich – so sehen es zumindest die Verfasser der Studie – nicht ohne ist: In Zeiten von Geburtenrückgang und überalternder Gesellschaft liege da ein ungeheures Potenzial einfach brach.

Übrigens auch auf der Führungsebene: Die IWF-Studie wünscht sich nämlich auch mehr Frauen in der Chefetage. Zwar erwirtschaften – auch das stellten die Macher fest – von Frauen geführte Unternehmen oft weniger Gewinn als Männerfirmen. Aber dafür arbeiten sie nachhaltiger und neigen so gar nicht so Hochrisiko-Geschäften. Was Unternehmen oder Banken ja auch eine gewisse Stabilität verleihen kann.

Nur wenige Frauen werden ihr (Erwerbs-)Leben daran ausrichten, wie sie am besten etwas zum BIP betragen können. Und nur wenige werden derzeit überlegen, ob sie jetzt lieber für den Posten im Elternbeirat oder im Aufsichtsrat des DAX-Unternehmens kandidieren.

Aber ab und zu darüber nachdenken, ob eine Scheidung einen zum Beispiel direkt in die Altersarmut führen würde, das werden vielleicht schon einige. Und auch die Frage, ob die samstägliche Leergut-Retoure ein adäquates Pendant ist zu einer Woche Kochen/Waschen/Bügeln darstellt, dürfte noch nicht in jeder Familie restlos geklärt sein.

Das nehmen zumindest wir aus dieser Studie mit: Es gibt da ein Schere, was das Einkommen betrifft und die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden (Haushalt und Kinder miteingerechnet). Vielleicht sollten wir einfach ein bisschen kürzer treten in Sachen unbezahlter Arbeit? Und auch mal delegieren, so wie es alle guten Managerinnen tun? Und wenn wir Glück haben, stellen wir beim Jahresabschluss dann fest, dass die Kosten/Nutzen-Rechnung aufgeht: Ehrenamtliches Engagement in den eigenen vier Wänden hat zum Wohl und Wachstum des persönlichen Mini-Staates beigetragen. Vielleicht ja unbezahlt, aber dafür auch unbezahlbar.

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