Frauen und Karriere: Lächeln und rosa Kleider schaden der Beförderung

Frauen auf der Karriereleiter
Lächeln und rosa Kleider schaden der Karriere © picture alliance / beyond, Sonntag

Lächeln schadet den Frauen und ihren Karrieren

Meine Damen! Jetzt dürfen Sie nicht lachen! Weil, wenn Sie lachen, wird das nix mit der Karriere, die Sie vielleicht anstreben. Mitarbeiter der Technischen Universität München haben nämlich herausgefunden, dass fröhlichen Frauen vieles zugetraut wird, nur leider kein Führungswille. Bei der Studie ging es nur um die Außenwirkung: Sie sagt nichts darüber aus, ob Managerinnen, die öfter mal lächeln, tatsächlich weniger Führungswillen besitzen als Griesgräminnen. Sie sagt nur, dass sie so wirken – und allein das kann ja schon das Zünglein an der Waage sein, wenn es um eine Personalentscheidung geht.

Von Ursula Willimsky

Die „Bitte-nicht-Lächeln“-Studie reiht sich ein in die lange, lange Liste der Gebote und Verbote, die Frauen angeblich beachten müssen, wenn sie im Job auch an Männern vorbeiziehen wollen. Geblümtes Sommerkleidchen, pinkfarbene Bluse, offene lange Haare, Stiefel – egal, was man gerne trägt, in irgendeinem Karriereratgeber findet man garantiert den Hinweis, dass genau das das absolut falsche ist für den Weg nach oben.

Das fängt bei der Körpersprache an: Nie! an den Kopf fassen, das könnte das Gegenüber als Versuch werten, nochmal die Frisur richten zu wollen – und das gilt als „Gefallenwollen“. Nie! Beine verschränken und Ellenbogen am Körper halten – das macht klein. Und es geht bei der Kleidung weiter. In einem Ratgeber haben wir den schönen Tipp gefunden, dass Frau nie ihre Unterwäsche zeigen darf. Ach. Ein anderer rät dazu, Kleidung in der passenden Größe zu tragen. Gewarnt wird auch vor Frauen, die im Büro Anzug und Krawatte tragen. Leinen darf´s nicht sein, das knittert zu schnell. Von Rüschen und Volants ist aber, selbst wenn sie aus pflegeleichtem Material sind, ebenfalls abzuraten: Die deuten auf eine Träumernatur hin. Nicht auszudenken, wenn die Träger dann auch noch lächelt! Und womöglich die falschen Schuhe trägt: zu eng, zu spitz oder zu hoch! Ein Ratgeber verbietet übrigens Stiefel, die hätten nämlich im Büro nichts zu suchen.

Auch die Farben, die man trägt, gelten als sehr aussagekräftig. In vielen Ratgebern wird – je nach Branche und Stellung – zu Businessblau, Schwarz und Grau in Kombination mit Weiß geraten. Da kann man nichts falsch machen, außer man bewirbt sich als DJane. Nicht lächeln und in gedeckten Farben erhobenen Hauptes die Karriereleiter hochklettern – so funktioniert das also. Aber anscheinend gibt es auch ein paar Karrierefrauen, die diese ganzen Tipps überlesen haben.

Frauen und Karriere: Modesünden verboten!

Spontan fällt uns da Angela Merkel ein: Erstens hat die irgendwann in den frühen 2000er-Jahren angefangen, auch öffentlich zu lächeln. Und zweitens ist sie 2005 bei den Wagner-Festspielen in einer rosa (!) Kombination erschienen – und trotzdem Kanzlerin geworden. Seither überrascht sie die Schwarze-Anzug-Träger der Welt und uns Bürgerinnen immer wieder mit farbenfrohen Blazern. Besonders gern genommen: Signalrot. Oder auch mal Brombeere oder Lachs. Und ist trotzdem immer noch die mächtigste Frau der Welt, die im Übrigen vom „Handelsblatt“ sogar zum „Modevorbild“ für Frauen ernannt wurde.

Merkel trägt offenbar wie viele andere Mädchen und Frauen auch sehr gerne Rot- und Rosatöne. Seit „Natürlich blond“ glauben wir zwar zu wissen, dass ein Faible für pinkfarbene Pradataschen nicht unbedingt ein Karrierehemmschuh sein muss. Aber ob Ladys in Pink es im wirklichen Leben in die Chefetage schaffen? Hmm. Wer Business machen will, sollte auch nach Business aussehen, finden die Experten.

Dabei würden der einen oder anderen Branche ein bisschen mehr Think-Pink-Mentalität und ein Lächeln vielleicht sogar gut tun. Ach übrigens: Ganz so naiv, wie alle tun, sind rosa Träume gar nicht: Vor langer, langer Zeit, so die Universität Newcastle, konnten die Menschheit nur überleben, weil die Frauen die Rottöne so gut auseinander halten konnten und deshalb ihren Lieben in der Höhle nur essbare Beeren und keine giftigen zum Abendessen kredenzt haben. Wie wir diese bahnbrechende Erkenntnis jetzt allerdings in ein Pro-Pink-Bitte-Lächeln-Rüschen-und-Blümchen-sind-okay-fürs-gehobene-Büro-Argument ummünzen sollen, das wissen wir auch nicht.

Anzeige