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Frauen sterben häufiger an Herzkrankheiten als Männer - der Grund dafür ist erschreckend

Frauen sterben häufiger an Herzkrankheiten als Männer - der Grund dafür ist erschreckend
© Picture-Factory - Fotolia, Michaela Rofeld

Herz-Kreislauferkrankungen - typisches Männerleiden?

Wer hätte das gedacht? Statistisch gesehen sterben in Europa mehr Frauen als Männer an Herz-Kreislauferkrankungen, die gemeinhin als typische Männerleiden gelten. Das jedenfalls geht aus einer Studie des 'European Heart Journals' hervor. Man muss sich die Zahlen allerdings genau anschauen, um sie richtig einzuordnen.

Von Christiane Mitatselis

Zunächst muss man wissen, worum es geht. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, im Fachjargon kardiovaskuläre Erkrankungen, gehen vom Gefäßsystem und/oder vom Herzen selbst aus. Es handelt sich um typische Zivilisationskrankheiten, deren Ursache meistens Arteriosklerose (Ablagerungen in den Blutgefäßen) ist. In der Folge treten Krankheiten wie Schlaganfall, hoher Blutdruck, koronare Herzkrankheiten, Herzinfarkt oder Apoplexie (Durchblutungsstörungen eines Organs) auf. Erkrankungen dieser Art ordnete man früher als typische Männerkrankheiten ein. Sie sind in Europa inzwischen aber bei beiden Geschlechtern Todesursache Nummer eins.

Laut der Studie des 'European Heart Journals', in der Daten aus 53 Ländern ausgewertet wurden, sterben in Europa jährlich sogar mehr Frauen als Männer an einer Herzkreislauf-Erkrankung – jedoch in einem höheren Alter. Insgesamt gehen 45 Prozent aller Todesfälle in Europa auf eine kardiovaskuläre Erkrankung zurück. Bei den Männern sind es 40, bei den Frauen 49 Prozent. Zum Vergleich: Krebs wird nur bei 19 Prozent der Frauen und 26 Prozent der Männer als Todesursache angeführt. Insgesamt werden Frauen aber in ganz Europa immer noch älter als Männer. In Deutschland liegt ihre Lebenserwartung bei fast 83,2 Jahren, die Männer erreichen im Schnitt 78,6 Jahre.

Es ist schwer, eindeutige Erklärungen für die hohe Zahl der weiblichen Todesfälle durch Herz-Kreislauferkrankungen zu finden. Die These, es könne daran liegen, dass Frauen später zum Arzt gingen, die unlängst in einer Studie der Deutschen Herzstiftung genannt wurde, überzeugt nicht. Denn erfahrungsgemäß suchen Frauen eher einen Arzt auf, wenn sie sich nicht gut fühlen. Männer hingegen neigen dazu, Krankheiten durch Ignorieren zu bekämpfen.

Frauen haben schlechte Angewohnheiten übernommen

Man kommt der Sache eher auf die Spur, wenn man auf die typischen Verursacher der Herz-Kreislauferkrankungen schaut: Alkohol, Nikotin, Übergewicht, Diabetes, erhöhter Cholesterinspiegel. Das heißt: Frauen haben im Zuge der Emanzipation schlechte Angewohnheiten der Männer übernommen: Frauen rauchen, Frauen trinken zu viel Alkohol, Frauen ernähren sich ungesund, indem sie - wie die Männer - zu viel Fleisch essen. Nebenher bewegen sie sich zu wenig.

Vor allem das Rauchen war früher, etwa bis in die 1960er Jahre, eine Domäne der Männer. Inzwischen rauchen in Deutschland circa 27 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer. Frauen haben auch beim Alkoholkonsum aufgeholt, in einer Studie des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2010 zum Trinkverhalten der deutschen Frauen wurden 22 Prozent als Risiko-Trinkerinnen klassifiziert.

Wer also eine Herz-Kreislaufkrankheit vermeiden möchte, der sollte typische Männergewohnheiten möglichst ablegen. Und stattdessen nicht rauchen, nicht trinken, wenig Fleisch, dafür viel Gemüse essen und aufs Gewicht achten. Am besten durch Sport und tägliche Bewegung.

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