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"Frauen sind doch selbst schuld": So waren Opfer bei einem sexuellen Übergriff angezogen

Diese Bilder zeigen mehr als nur Kleider
Diese Bilder zeigen mehr als nur Kleider Beweisstücke der Opfer sexueller Gewalt 00:01:34
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Hängt die Kleider-Wahl mit sexuellen Übergriffen zusammen?

„Selber schuld, wenn du so herumläufst – du hättest dich einfach anders schminken und kleiden können!“ Ein Satz, den Opfer sexueller Gewalt leider viel zu oft zu hören bekommen – von Freunden, der Familie, der Universitätsleitung und allen anderen, die es eigentlich besser wissen sollten. Die Studentin Katharine Cambareri ist dieser Schuldzuweisung nachgegangen. Sie hat die Kleidung der Opfer, die diese bei sexuellen Übergriffen getragen haben, abgelichtet.

Die Leichtigkeit, mit der Menschen dem Opfer die Schuld geben, zu hinterfragen: Das hat sich Katherine für ihre Abschlussarbeit im Hauptfach Fotografie an der 'Arcadia University‘ in den USA vorgenommen. Für ihre Fotoserie mit dem Titel „Aber was hattest du an?“ suchte die junge Frau über Facebook nach Opfern von sexueller Gewalt. Als diese sich meldeten, bat Cambareri sie, ob sie ihre Kleidungsstücke fotografieren dürfe. Die Kleidungsstücke, die die Opfer getragen hatten, als sie belästigt wurden.

Mit den Fotos zeigt Katherine Cambareri, dass die Wahl der Kleidung rein gar nichts damit zu tun hat, ob jemand zu einem Opfer sexueller Gewalt wird oder nicht. Was die Frauen bei den sexuellen Übergriffen wirklich trugen, das sehen Sie im Video.

Über 100 Millionen Frauen wurden in der EU Opfer sexueller Gewalt

Die Kleidungsstücke der Opfer stehen für Ungerechtigkeit. Sie stehen für die Unverhältnismäßigkeit von Fragen wie „Was hattest du an?“, „Warst du zu stark geschminkt?“ oder „Hast du Alkohol getrunken?“. Sie stehen für all die Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden. Laut einer Studie der EU-Grundrechte-Agentur (FRA) sind das alleine in der Europäischen Union zwischen 45 und 55 Prozent aller Frauen ab 15 Jahren – also mehr als 100 Millionen Frauen!

Kathrine bringt mit ihren Fotos diese Ungerechtigkeit auf den Punkt. Ihre Botschaft ist stark und sie geht an all diejenigen, die den Opfern eine Teilschuld geben. Es sei wichtig, dass Menschen endlich neue Perspektiven sehen, um diese Stigmatisierung zu beenden und mit den Stereotypen zu brechen, so Cambareri. Doch vor allem richten sich ihre Fotos an alle Opfer sexueller Gewalt. „Sexuelle Angriffe passieren, weil eine Person entschieden hat, eine andere Person sexuell zu belästigen – es gibt keinen anderen Grund!“

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