Frauen-Power: Wofür sollten Frauen kämpfen?

Frauen-Power
Femen stehen für ihre Rechte ein © dpa, Str

Mit Frauen-Power kämpfen Frauen für ihre Rechte

3 456 780 650 Frauen gibt es auf der Welt, vielleicht auch ein paar Tausend mehr. Was für eine politische, gesellschaftliche und finanzielle Macht! Und was machen die Mädels damit? Jede Menge!

Von Ursula Willimsky

Derzeit sorgen viele Frauen mit Protesten für Furore: In Texas hat die Abgeordnete Wendy Davis mit einer fast 11-stündigen Marathonrede ein strengeres Abtreibungsgesetz blockiert. In Tunesien sorgen Femen-Aktivistinnen für Schlagzeilen – diesmal, weil sie wieder freigelassen wurden. In Dänemark treffen sich Hunderte von Müttern zu einem Still-Flashmob, weil sie nicht hinnehmen wollen, dass in ihrem Land öffentliches Stillen seit neuestem offiziell als "unsittlich" eingestuft wird. In den Schulen schnitzen Frauen Obst und Gemüse, um Kindern gesunde Ernährung näher zu bringen. Entfachen einen Shitstorm, um sexuelle Belästigung öffentlich zu machen. Engagieren sich in Gremien für Einkommensgleichheit. Oder kümmern sich liebevoll um die Oma. Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Wofür investieren Frauen ihre Zeit und ihre Kraft? Und: Welche Mittel haben sie, um ihre Ziele durchzusetzen?

Totquatschen und Körper zeigen – mit diesen (Achtung, Ironie) typisch weiblichen Mitteln schaffen es derzeit viele Frauen Aufmerksamkeit zu erregen für das, was ihnen am Herzen liegt. Zum Beispiel Wendy Davis. Fast 11 Stunden hat die Abgeordnete non stop im texanischen Parlament geredet. Ihr Ziel: Die Abstimmung über ein strenges Abtreibungsgesetz zu verhindern. Bis Mitternacht wäre das Votum möglich gewesen, danach musste das Gesetz erst einmal auf Eis gelegt werden. Davis redete und redete und redete. Streng nach den Regeln des texanischen Parlaments: Sie durfte sich nicht anlehnen, nicht essen und nicht trinken, keine Pause machen (auch nicht für den Toilettengang) und: sie durfte nicht vom Thema abweichen. Das hielt sie in knallroten Laufschuhen und Stützkorsett (damit sie den Redemarathon überhaupt durchstehen konnte) bis kurz vor knapp durch. Den Rest der Zeit füllten Aktivistinnen mit Protesten.

Die 50-Jährige ist seit dieser Nacht ein Idol der amerikanischen Frauenbewegung. Vor allem, weil sie authentisch ist: Tochter einer alleinerziehenden Mutter, selbst alleinerziehend, hat sie es vom Trailerpark irgendwie nach Harvard geschafft und dort als erste aus ihrer Familie überhaupt studiert.

Andere Aktivistinnen wie Femen setzen auf den halbnackten Protest, bei Putin, in Tunis, bei Heidi oder in Brüssel. Oder sie kämpfen für ihr Recht, sich so zu kleiden, wie sie wollen. Zum Beispiel bei den "Slutwalks" (Marsch der Schlampen), die vor zwei Jahren für Aufsehen sorgten.

Wie kann man Frauen-Power im Alltag zeigen?

Große, medienwirksame Proteste und Aktionen, die oft ein Umdenken bewirken – oder zumindest einen Anstupps zum Nachdenken geben. Aber auf der anderen Seite gibt es auch die kleinen, eher stillen, oft sogar völlig unbemerkt bleibenden Aktionen von Frauen. Und auch die können die Welt ein bisschen verändern. Etwa wenn sie ihren Kindern Liebe schenken und ihnen die Werte vermitteln, die ihnen wichtig sind. Wenn sie das supersüße T-Shirt eben nicht kaufen, weil sie sich nicht erklären können, weshalb das so unverschämt billig ist. Oder weil sie beim Wocheneinkauf die Liste der Inhaltsangaben lesen. In unseren Geldbeuteln stecken ja nicht nur Scheine und Münzen, sondern auch "Kaufkraft" – und mit der kann man auch Macht ausüben. Und zum Beispiel mitbestimmen, wie Tiere gehalten werden. Oder welchen Lohn Näherinnen in unterprivilegierten Ländern für ihre Arbeit bekommen.

Tja, wofür lohnt es sich heutzutage als Frau zu kämpfen? Dafür, dass nicht immer als erstes der Sportunterricht ausfällt? Dafür, dass in allen Ländern dieser Erde auch Mädchen die Schule besuchen dürfen? Dafür, dass nicht immer Mutti diejenige ist, die die Spülmaschine ausräumt? Dafür, dass im Beruf Chancengleichheit besteht? Gegen den fiesen Typen, der gestern in der Kneipe das eine Mädchen so dumm angemacht hat?

Aber wie? Soll man im Privaten wie Weiland Lysistrata dem Gatten den Liebesdienst verweigern (bloß, dass es damals um einen Krieg ging und nicht um den Kloputz-Dienst, nicht jede von uns ist ja mit einem Staatsoberhaupt verheiratet)? Hmm. Vielleicht genügt es ja schon, öfter als bisher – und auch nicht nur im Privaten - Selbstbewusstsein zu zeigen und zu sagen, was einen stört. Und auch mal zu fordern.

Eine ganz unspektakuläre Möglichkeit mit bisweilen spektakulärem Ausgang wäre es auch, wählen zu gehen und sich vorher zu informieren, welche Partei den eigenen Zielen denn am nächsten kommt. Wer tut was für Frauen, Familien, Umwelt oder Bildung? Nur so zum Beispiel.

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