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Frauen in Tschechien fordern Recht auf Hausgeburten - und scheitern vorm Europäischen Gerichtshof!

Eine Frauenhand hält die kleinen Füße eines Neugeborenen.
Tschechische Frauen scheitern vorm Europäischen Gerichtshof. © dpa, Mascha Brichta, his

Wo soll das Baby zur Welt kommen?

Wo soll mein Baby zur Welt kommen? Im Kreißsaal? Zuhause? Gute Frage. Auf die es leider keine allgemeingültige Antwort gibt. Da wäre zum einen das Bauchgefühl der werdenden Mama. Die Tipps, die Frauen geben, die schon ein Kind zur Welt gebracht haben. Das Sicherheitsbedürfnis des künftigen Papas. Die Erfahrung der Hebamme. Die Ausstattung und vor allem die Atmosphäre der nächsten Klinik. Die Empfehlung der behandelnden Ärztin. Und. Und. Und.

Von Ursula Willimsky

Europäischer Gerichtshof: Staat ist nicht in der Pflicht, Hausgeburten zu unterstützen

Das Recht darauf, frei zu entscheiden, wo das Kind zur Welt gebracht wird, bedeutet eben auch die Verpflichtung, sich mit den Pros und Contras auseinanderzusetzen. Und (nebenbei bemerkt) auch die Mühe, eine Hebamme zu finden, die bereit ist, eine Hausgeburt zu begleiten. Der deutsche Hebammen-Verband fürchtet sogar, dass es aus haftungsrechtlichen Gründen hierzulande bald kaum noch Hausgeburten geben könnte.

Derzeit kommen in Deutschland noch etwa zwei Prozent der Kinder zu Hause zur Welt, in den Niederlanden rund 20 Prozent; bei unseren tschechischen Nachbarn dagegen sind Hausgeburten de facto verboten. Dort ist es Hebammen nahezu unmöglich, von den Gesundheitsbehörden eine entsprechende Erlaubnis zu erhalten.

Eine Regelung, gegen die nun zwei tschechische Mütter vor dem Europäischen Gerichtshof in zweiter Instanz geklagt haben. Die beiden Mütter werfen dem tschechischen Staat vor, "Frauen zu erniedrigen und ihnen die Kompetenz abzusprechen, über sich und ihre Kinder zu entscheiden". So formuliert es ihre Anwältin. Heute ist das Urteil gefallen - und das sieht anders aus, als von vielen Müttern erhofft: Der Europäische Gerichtshof sieht den Staat nicht in der Pflicht, Hausgeburten zu unterstützen.

Die beiden Frauen haben sich entschieden: Kind zwei und drei kommen nicht mehr in einer Klinik, sondern zu Hause zur Welt. Ohne Unterstützung einer Hebamme.

War das nun ein unverantwortlicher Ego-Trip auf der Suche nach einer ganz naturnahen Geburt? Oder war es einfach Letzteres: Eine natürliche Sache, die auf natürlichem Wege in einer natürlichen Umgebung von statten ging? Da kann man durchaus geteilter Meinung sein.

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Studien zu Hausgeburten widersprechen sich

Die tschechischen Mütter und die oben zitierte tschechische Ärzteschaft stehen auf den extremen Positionen, zwischen denen sich die Diskussion für und wider die Hausgeburt eigentlich überall bewegt.

"Die Geburt voll und ganz und intensiv erleben" versus "Ich will nicht die Heldin spielen - bereiten sie gerne schon mal die PDA vor". Manche wissen von vorneherein, dass sie auf gar keinen Fall in die Klinik wollen - manche wissen, dass sie auf jeden Fall in die Klinik wollen. Dazwischen gibt es die Unentschlossenen, die beim Nachdenken und Nachlesen in einer Strudel der Argumente und Weltanschauungen geraten.

Ein Beispiel: Das "British Medical Journal" untersuchte 57.000 Geburten - 17.000 zu Hause, 10.000 im Geburtshaus, 30.000 im Krankenhaus. Das Ergebnis: Bei etwa 0,4 Prozent kam es zu Komplikationen, egal, wo die Geburt stattfand. Eine kanadische Studie fand heraus, dass Geburten zu Hause besser laufen - eine US-Studie belegt das Gegenteil. Wem soll man glauben?

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung spricht nichts gegen Hausgeburten, sofern keine Risikofaktoren vorliegen und die Geburt gut vorbereitet ist. Inklusive vorsorglicher Anmeldung in der Klinik für den Fall der Fälle.

Tja. Und da wäre sie wieder, die Frage - oder auch die Angst - ob man denn tatsächlich vorher sagen und fühlen kann, ob alle Risikofaktoren erkannt und ausgeschlossen wurden. Wird man sich wirklich geborgen und sicher fühlen an dem Ort, für den man sich entschieden hat?

Oder zählt die Sicherheit stärker; das Wissen, dass im Nebenraum für fast alle möglichen Komplikationen vorgesorgt ist? Wie sind eure Erfahrungen?

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