Frauen-Fußball-EM: ZDF-Spot bedient die dümmsten Klischees

ZDF-Spot: Klischee zur Frauen-Fußball-EM
Klischee zur Frauen-Fußball-EM © dpa

ZDF schießt sich mit Fernsehspot ins Aus

Der ZDF-Spot zur aktuellen Frauen-Fußball-EM in Schweden macht erst einmal sprachlos: Er ist genauso simpel wie dumm: Frau in persilweißer Montur schießt Ball in blitzblank geputzter Waschküche in eine Waschmaschine, stellt das Programm auf "Leder" - und dann heißt es "Ballsauber in Schweden".

Von Christiane Mitatselis

Man könnte dazu tendieren, das Filmchen aufgrund seiner gnadenlosen Dämlichkeit zu ignorieren, sich nicht aufzuregen. Das ZDF verhindert dies jedoch. Der gebührenfinanzierte Sender entschuldigt sich nicht etwa für den misslungenen Versuch, lustig zu sein; er unterstellt den vielen empörten Zuschauern lieber indirekt, sie hätten die Botschaft nicht verstanden. Der Spot sei ironisch, ist vom ZDF zu hören. Er sei "augenzwinkernd" gemeint. Aha.

Natürlich spielt er auf die Torwand des ZDF-Sportstudios an, es gibt aber keine ironische Brechung, nicht mal einen Witz. Es taucht kein Mann auf, der den Ball auf die Leine hängt, oder vielleicht einer, der daneben schießt. Es zwinkert nirgendwo, der Spot bedient die dümmsten und ältesten Stammtisch-Klischees, die mit Frauen und Fußball zu tun haben.

Eine propere Hausfrau, deren natürliche Aufgabe das Sauberhalten des Hauses ist, darf nebenher ein bisschen kicken. Und das macht sie ganz gut, denn immerhin schießt sie nicht daneben - wird gönnerhaft suggeriert.

ZDF-Spot: Ironie oder einfach nur dämlich?

Die Agentur, die sich das ausgedacht hat, sollte wegen erwiesener Dämlichkeit nie wieder einen Auftrag erhalten. Doch wahrscheinlich gratulieren sie sich gerade gegenseitig dafür, dass sie für so viel Aufregung gesorgt haben. Wenn es auf diesem Niveau weitergeht, dann kicken Frauen im nächsten Spot mit Schürze und Putzfeudel in der Hand. Oder mit Kinderwagen. Das wäre ganz feine Ironie.

Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer fühlt sich zurecht an alte Zeiten erinnert - etwa an das Jahr 1989, in dem die Nationalspielerinnen vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) jeweils ein Kaffeeservice für ihren EM-Sieg erhielten. Viele DFB-Herren wunderten sich damals, dass sich die Freude der so generös beschenkten Damen in Grenzen hielt.

Die Nationalspielerinnen haben sich professionalisiert, sie sind inzwischen siebenmalige Europa- und zweimalige Weltmeisterinnen. Taktisch und athletisch stehen sie den männlichen Fußball-Kollegen in nichts mehr nach. Sie haben es verdient, intelligenter präsentiert zu werden.

Das ZDF sollte den Spot sofort aus dem Programm nehmen.

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