Frauen beim Militär: US-Soldatinnen sollen bald an vorderster Front kämpfen

Gleichberechtigung oder schießt die Armee am Ziel vorbei?

Bislang durften Frauen in der US-Armee zwar auch an Militäreinsätzen teilnehmen, sie waren aber immer noch vom Kampfgeschehen an vorderster Front ausgeschlossen. Das soll sich jetzt ändern - ihnen stehen nun dieselben Möglichkeiten (und Risiken) wie Männern offen. Ist das wahre Gleichberechtigung oder schießt die Armee hier am Ziel vorbei?

Frauen beim Militär: US-Soldatinnen sollen bald an vorderster Front kämpfen
© picture-alliance / dpa, epa afp Gacad

Von Merle Wuttke

Für viele US-Soldatinnen ist der Beschluss nur der letzte Schritt und eine logische Konsequenz. Die meisten von ihnen sind schon heute tief in Militäreinsätze involviert oder unterstützen männliche Spezialeinheiten mit ihren Fähigkeiten. Und 16 Jahre nach 'GI Jane', dem Film, in dem Demi Moore um das Recht kämpft, ein weiblicher Navy Seal zu werden, dürfen Frauen nun bald tatsächlich ganz offiziell dieser Eliteeinheit angehören. Allerdings ist die Ausbildung extrem hart, und in Teilen für Frauen körperlich tatsächlich nicht zu schaffen.

Für deutsche Soldatinnen ist das alles längst Alltag. Seit 2001 dürfen sie an allen Einsätzen teilnehmen, ihr Anteil bei der Bundeswehr liegt heute bei 19.000. Vor 13 Jahren dienten dagegen erst 6.700 Frauen in der Armee. Es gibt jede Menge weibliche Offiziere, aber trotzdem bislang nur eine einzige Frau als General. Und das, obwohl die militärische Laufbahn beiden Geschlechtern offen steht. Also, doch nicht alles gleich bei Mann und Frau - jedenfalls, wenn es um Jobs geht, bei denen man sein Leben riskiert?

Soldaten nehmen Kameradinnen nicht ernst

Eine aktuelle Bundeswehr-Studie offenbart eine Menge Vorurteile der männlichen Soldaten gegenüber ihren weiblichen Kameradinnen - so glaubt ein knappes Drittel der Männer, die Frauen würden ihre Arbeit nicht gut machen, 40 Prozent von ihnen finden, Soldatinnen hätten im Kampf nichts verloren. Keine gute Basis für ein gleichberechtigtes Miteinander an der Front. Zumal die männlichen Bedenken in den letzten Jahren sogar eher zugenommen haben. Wobei sich genau darin wieder die Krux zeigt, unter der Frauen seit Jahrzehnten zu leiden haben - offiziell mit den gleichen Pflichten und Rechten ausgestattet, werden sie an vielen Stellen immer noch nicht als ebenbürtig wahrgenommen. Was sich in anderen Jobs alljährlich am 'Equal Pay Day' offenbart, wenn die Gehälterschere zwischen Männern und Frauen deutlich wird.

Doch zumindest für die Bundeswehr gibt es jetzt Hoffnung, seit Kurzem müssen ja nun alle in der Truppe auf eine Frau an der Spitze hören. Bei der Bundespolizei scheint das Thema 'Frauen' mittlerweile ganz gut zu funktionieren - seit gut 30 Jahren gibt es Polizistinnen, heute liegt ihr Anteil bei zirka 14 Prozent. Doch auch hier schaffen es bis heute nur wenige Frauen bis in Eliteeinheiten wie das SEK. Zu hoch sind oft die körperlichen Anforderungen, und besonders familienfreundlich ist der Job auch nicht. Deshalb treten Frauen in diesen Bereichen lange auf derselben Stelle. Wer weiß, vielleicht sollten wir erst einmal in allen anderen Jobs die gläserne Decke durchstoßen und männliche Schubladendenke ausräumen, bevor wir dann treffsicher an der Front stehen.

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