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Frauen ab 40 entdecken den Alkohol für sich - warum?

Frauen trinken im Alter mehr Alkohol
Viele Frauen steigern im zunehmenden Alter ihren Alkoholkonsum.

Frauen steigern Alkoholmenge kontiniuierlich

Dass auch Frauen zu viel trinken und von Alkohol abhängig werden können, ist hinlänglich bekannt. Ein Drittel aller Alkoholiker sind in Deutschland weiblich, schätzen Hilfsorganisationen wie die Anonymen Alkoholiker. Laut einer britischen Studie beginnen Frauen später als Männer, regelmäßig Alkohol in größeren Mengen zu sich zu nehmen. Wie kann das sein?

Von Christiane Mitatselis

Die britische Erhebung, die im Magazin ‚BMC Medicine‘ erschien, kommt zu dem Ergebnis, dass Männer generell mehr trinken als Frauen. Allerdings erreichen sie den Höhepunkt der Trinkerkarriere im Alter von zirka 25, Frauen hingegen erst mit ungefähr 40 Jahren. Einen Grund für dieses Verhalten nennen die Macher der Studie nicht, so dass man über die Gründe nur spekulieren kann.

Man denkt sofort an das in Filmen gern bemühte Klischee der verzweifelten Hausfrau: Die Kinder sind groß und aus dem Haus, der Mann ist nicht mehr an ihr interessiert und hat eine Affäre mit der Sekretärin. Aus Verzweiflung greift die Frau zur Flasche – und landet, wenn sie genug Geld hat, irgendwann in einer Betty-Ford-Klinik.

Die traurige Trinkerinnen-Realität sieht, wie Hilfsorganisationen berichten, in der Regel eher so aus: Klassische Alkoholikerinnen-Karrieren beginnen im jungen Alter, meist etwa mit 15, 16 Jahren; dann, wenn Alkohol für Jugendliche interessant wird. Während die einen das Trinken nur testen und wieder aufgeben, bleiben die anderen dabei und steigern die Alkoholmenge im Laufe der Jahre kontinuierlich.

Die Sucht wird aus Scham kaschiert

Laut Drogenbericht der Bundesregierung gibt es in Deutschland 9,5 Millionen Menschen, deren Alkoholkonsum problematisch ist, darunter zirca drei Millionen Frauen. Etwa 1,3 Millionen Menschen, davon etwa 450.000 Frauen, gelten als alkoholabhängig, das heißt: Sie bekommen Entzugserscheinungen, wenn sie nicht trinken.

Frauen kaschieren ihre Sucht aus Scham vor gesellschaftlicher Stigmatisierung meist so lange, wie sie können – denn: Saufende Frauen gelten als Schlampen; Männer, die ordentlich einen bechern können, hingegen als coole Kerle. Deshalb trinken Frauen, um nicht aufzufallen, oft allein zu Hause - was die Sache noch gefährlicher macht. Saufende Männer fallen auf und werden eher von ihrem Umfeld auf ihren problematischen Konsum angesprochen und animiert aufzuhören.

Dagegen machen Frauen die Sache oft mit sich allein aus. Und gaukeln sich selbst so lange selbst etwas vor, bis sich das Problem nicht mehr kaschieren lässt, weil sie zusammenbrechen. Dies kann – im Idealfall - der Anfang der Wende zum Guten sein. Denn wer die Sucht bekämpfen will, muss sich zuerst eingestehen, dass er sich in Schwierigkeiten befindet. Eine gute Anlaufstelle sind dann die Anonymen Alkoholiker, sie definieren sich als „Frauen und Männer, die entdeckt und eingestanden haben, dass der Alkohol ein Problem für sie geworden ist“.

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