Frau mit Größe 42 bekommt Job nicht - weil sie zu dick ist?

Gericht schmettert Klage ab

"Es tut uns leid - aber Sie sind zu dick für diesen Job" – auf diese Art und Weise teilte man Angela Müller (*Name geändert) aus Hessen mit, dass ein Job im Gesundheitswesen nichts für sie sei. Dabei trägt die 42-Jährige Konfektionsgröße 42. Sie fühlte sich diskriminiert und klagte auf Schmerzensgeld, doch das Arbeitsgericht Darmstadt schmetterte die Klage ab.

Diskrimiert wegen ihres Gewichtes
Eine 42-Jährige Frau klagt auf Schmerzensgeld, weil sie einen Job wegen ihres Gewichts nicht bekam. © dpa, frm

Angela Müller klagte auf 30.000 Euro Entschädigung, denn nach ihrer Auffassung bekam sie vor zwei Jahren einen Führungsposten nicht, weil man sie für zu dick hielt. Sie bekam nach dem Vorstellungsgespräch eine E-Mail, in der man ihr Folgendes mitteilte: "Im jetzigen Zustand wären Sie natürlich kein vorzeigbares Beispiel und würden unsere Empfehlungen für Ernährung und Sport konterkarieren."

Angela Müller wiegt 83 Kilo bei einer Größe von 1,70 Meter. Eigentlich ist das kein Anzeichen für Fettleibigkeit, dennoch erhielt sie die Absage. Beleibtere Menschen haben es in unserer Gesellschaft nicht leicht. Eines der größten Vorurteile: Dicke leben ungesund und haben keine Disziplin.

RTL-Reporterin verkleidet sich als XXL-Frau

Wie tief die Vorurteile in den Köpfen der Menschen verwurzelt sind, hat RTL-Reporterin Pia-Maria Wüsthoff am eigenen Leib erfahren. Als verkleidete XXL-Frau wollte sie mit versteckter Kamera herausfinden, wie sie bei der Jobsuche ankommt. Ganze acht Mal hat sich Pia in Kleidungsgeschäften vorgestellt, sieben Mal sofort eine Abfuhr kassiert.

Zufall oder Absicht? Das wollte die Reporterin herausfinden und begab sich einen Tag später erneut auf Bewerbungstour und stellte sich in den gleichen Läden vor - aber dieses Mal ohne Verkleidung. Plötzlich hat sie Chancen auf die Jobs. Fazit: Übergewichtige Frauen werden bei der Jobsuche offenbar benachteiligt.

So wie es auch Angela Müller passiert ist. In ihrer Klage bezog sie sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz – und scheiterte. Denn ihr Prozessgegner vertritt den Standpunkt, sie sei nicht wegen ihrer Leibesfülle abgelehnt worden, sondern weil sie dem zweiten Vorstellungsgespräch unentschuldigt fern blieb. Doch sie will in nächster Instanz weiterkämpfen.

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