Frau lässt sich bei Abtreibung filmen: "Ich wollte enttabuisieren"

US-Amerikanerin lässt ihre Abtreibung filmen

Nein, diese Amerikaner: Nun gibt es sogar ein Video von einer Abtreibung. "Ich wollte zeigen, dass es nicht beängstigend war", so die 25-jährige Emily Letts. Vielen Dank – ein einfacher Satz hätte mir dafür auch gereicht.

Frau lässt sich bei Abtreibung filmen: "Ich wollte enttabuisieren"

Jutta Rogge-Strang

Es ist ja gut, dass eine Frau versucht, das Thema Abtreibung zu enttabuisieren. Aber muss es denn sofort ein Video sein? Ja, es ist eine andere Generation, die da heranwächst. Was es im Netz nicht gibt, das muss unheimlich sein. Denn es gibt alles im Internet, nur eines fehlte noch: Ein Video einer Abtreibung. Danke, Emily, das haben wir nun auch.

Ich persönlich muss einen chirurgischen Eingriff nicht unbedingt sehen, egal, an welcher Stelle. Denn ich bin ja nicht der Arzt und Blut mag ich (wenn überhaupt) nur in kleineren Mengen. Warum also glaubt Emily, dass man sie bei ihrer Abtreibung filmen müsste, zumal sie ja auch lokal betäubt war? Ihre offizielle Begründung lautet: "Ich wollte das Thema Abtreibung enttabuisieren." Nett gemeint, aber ich brauche das nicht.

Allerdings lebt die gute Emily in Amerika, und prompt tauchen auch viele Abtreibungs-Gegner auf, die sie für ihr Video beschimpfen. Das ist der politische Aspekt ihres Videos: Anhänger der Bewegung "Pro Life" ("Lebensrechtsbewegung") setzen sich äußerst entschieden und militant für die Rechte derer ein, die sich nicht selbst vertreten können. "Pro Life" ist in der Vergangenheit durch aggressive Proteste vor Abtreibungskliniken oder durch kriminelle Aktionen wie Bombenlegen, Mord und Mordversuche an Ärzten sowie Belagerung und Belästigung der Patientinnen von Familienplanungszentren bekannt geworden.

Die Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch sind zwingend

Aber müssen wir heute das Recht auf die Selbstbestimmung der Frau wieder erneut in Frage stellen? Natürlich müssen wir diejenigen beschützen, die schwach sind. Aber wie würde ein Kind aufwachsen, das von der Mutter nicht gewünscht ist? Darf eine Frau selbst über ihren Körper bestimmen? Ich vertrete da eine ganz klare Position: Ein Schwangerschaftsabbruch ist nicht nur eine medizinische oder religiöse Frage, es ist vor allem ein persönliches Problem der betroffenen Frau.

Ich finde es gut, dass eine ungewollt schwangere Frau in Deutschland zunächst beraten werden muss. Vielleicht findet sich doch ein Weg, ein Kind auf die Welt zu bringen, trotz einer finanziellen oder persönlichen Notlage. Vielleicht findet sich auch eine Möglichkeit, das zunächst ungewollte Kind zu lieben: Nachdenken ist erlaubt und gewünscht. Aber wenn all das nichts nützt, ist ein Schwangerschaftsabbruch in Ordnung. Keine Frau entscheidet sich leichtfertig dafür und niemand hat das Recht, sie daran zu hindern. Die Geschichte der Abtreibung ist uralt und für die Frauen in früheren Zeiten lebensgefährlich. Aber die Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch sind zwingend – damals wie heute.

Eine Frau hat – ganz alleine – das Recht, darüber zu bestimmen, was mit ihrem Körper passiert. Denn sie muss auch mit den Konsequenzen leben, das heißt: Sie muss sich ihr Leben lang mit ihren Kindern beschäftigen, sie erziehen, sie pflegen, sie lieben. Wenn sie das nicht kann oder will, was wird dann aus den vernachlässigten Kindern? Ich möchte mir das nicht ausmalen.

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