Frau am Steuer - ungeheuer?

Ob Frau oder Mann - beide Geschlechter fahren gleich schlecht
Ob Frau oder Mann - beide Geschlechter fahren gleich schlecht © picture-alliance/ dpa, Frank May

Männerparkplätze: Weil Frauen schlechter parken können?

In einem Parkhaus im Schwarzwald gibt es seit neuestem "Männerparkplätze". Zwei Stück. Die sich von den anderen Stellplätzen durch ein winziges Detail unterscheiden: Man muss rückwärts einparken, was gemeinhin als schwieriger gilt als die Vorwärts-Variante. Ein Umstand, den man offenbar den motorisierten Damen nicht zumuten wollte. Weshalb der Bürgermeister einfach zwei Marszeichen auf den Boden malen ließ - und fertig war die neue Nischenlösung für Männer. Die Idee schlug ein wie eine Bombe, beziehungsweise wie die Lancierung einer neuen Trend-Nagellack-Farbe für den Sommer. Zeitungen berichten, Radios rufen zu Einparkwettbewerben auf, und, und, und…

Von Ursula Willimsky

Das Parkhaus steht in Triberg, einer Stadt, die sich auf ihrer Internetseite selbst als "Unterzentrum" bezeichnet. Der Bürgermeister des Städtchens betont, die Aktion sei "mit einem Augenzwinkern" zu sehen, außerdem sei sie ganz im Zeichen der Gleichberechtigung: Immerhin gebe es auch zehn Frauenparkplätze.

Nun mag man über die Begründung (schwerer befahrbar) die Stirn runzeln: Glaubt da ein Lokalpolitiker immer noch, dass Frauen schlechter Autofahren als Männer? Dass das beliebte Klischee "Frauen können nicht einparken" wirklich stimmt, weil ihnen das Gefühl für den Raum fehlt oder sie vielleicht beim Blick über die Schulter von ihrem Bollen-Hut behindert werden? Wer in diese Richtung denkt, mag sich vielleicht über den Griff in die Klischee-Kiste ärgern. Wir tun das nicht.

Wir können der Idee nämlich durchaus etwas Positives abringen: Auch Männer brauchen Domänen und ihre Nischen. Und wer weiß? Vielleicht lockt ja ein ausgewiesener "Männerparkplatz" die Kerle, die sich sonst auf den Frauenparkplätzen breit machen, dazu, da zu parken, wo sie hingehören. Und dann könnte die Begründung "da kommen nur Profis ohne Schrammen rein" sogar als zusätzlicher Anreiz wirken. Angeblich fehlen den Männern, seit sie keine Mammuts mehr jagen müssen, ja ab und zu echte Herausforderungen. Voila - im Unterzentrum Triberg wartet eine auf sie.

Ob Mann oder Frau: Alle fahren gleich schlecht

So viel Großmut können wir Frauen uns auch leisten. Die These, dass Frauen schlechter autofahren als Männer, ist nämlich inzwischen widerlegt. Heute gilt: Frauen und Männer fahren gleich mies. Wenn auch aus anderen Gründen. Dr. Julia Seifert, leitende Oberärztin für Unfallchirurgie am Unfallkrankenhaus Berlin, sammelte akribisch 12 Jahre lang Details über Unfälle. Sie sicherte Spuren und befragte vor allem auch die Unfallverursacher zu ihrer Risikobereitschaft. Das überraschende Ergebnis: Frauen erreichten dieselbe Punktezahl wie Männer. "Das hatten wir so nicht erwartet", sagt Seifert. "Wenn Männer in eine Kurve mit Tempolimit 80 gehen, sagen sie sich: Da fahre ich einfach 120. Ihnen geht es mehr um Abenteuer und Thrill. Frauen suchen eher die Erfahrung und sagen sich: Mit Tempo 90 müsste das doch auch gehen. Zu schnell fahren aber beide."

Für ihre Forschungen wurde Seifert als erst zweite Frau mit dem "goldenen Dieselring" ausgezeichnet - für besondere Verdienste um die Verkehrssicherheit. Die Hochschullehrerin plädiert angesichts der hohen Zahl von Unfalltoten unter anderem für Tempolimits. Und für eine konsequentere Verkehrserziehung und Förderung von sozialem Verhalten.

Womit wir gedanklich wieder bei den "Männerparkplätzen" wären. Sie als Pendant zu "Frauenparkplätzen" zu sehen, mag ja ganz lustig scheinen - wenn man glaubt, dass Frauenplätze primär die Stellplätze sind, auf denen es sich besonders einfach einparken lässt. Dass die Bereitstellung von Frauenparkplätzen eigentlich ganz andere Beweggründe hat, wird gerne mal unterschlagen: Sie sollen der Sicherheit von Frauen dienen. Meist nah am Ausgang, vielleicht sogar nah bei der Parkhausaufsicht. Und besser beleuchtet sollten sie sein. Alles Punkte, die wichtig sind für Frauen, die nachts alleine in ein Parkhaus fahren müssen und dabei Angst haben.

Frauenparkplätze sind - und hier kommt der soziale Mitdenker-Aspekt - ein Gentleman-Agreement. Man kann sie respektieren. Man muss aber nicht. Wenn ein Mann auf einem der - weil nah am Ausgang - bequemen Plätze parkt, muss er laut ADAC keine Angst vor einem Knöllchen haben. Frauenparkplätze sind ein Zugeständnis an das weibliche Sicherheitsbedürfnis - kein Rechtsanspruch (weshalb umgekehrt auch im Triberger Parkhaus jederzeit eine Frau einen der "Männerparkplätze" blockieren dürfte, wenn sie denn diese Art von Thrill sucht).

Aber nach Auskunft der ADAC-Pressestelle gäbe es zumindest die Möglichkeit "einer kleinen Finesse": Der - private - Parkhausbetreiber könnte in den Nutzungsbedingungen Sanktionen für männliche Falschparker einbauen. Wenn zum Beispiel ein Betrieb mit Schichtdienst das Parkdeck 1 für die Frauen aus der Nachtschicht reserviert, könnte er für männliche Frauenparkplatz-Besetzer Strafen festlegen: Einmal vor der Belegschaft jodeln zum Beispiel. Oder zweimal ums Betriebsgelände laufen. Ein weites Feld also für weitere Aktionen von Parkhausbetreibern, die gerne mal was "mit einem Augenzwinkern" machen.

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