Frau als Chef: Warum wollen Frauen keinen weiblichen Boss?

Frau als Chef: Warum wollen Frauen keinen weiblichen Boss?
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Warum wollen Frauen keine Frau als Chef?

Sind Frauen wirklich die schlechteren Chefs? Das behaupten ausgerechnet die Frauen selber! Sie wollen lieber einen männlichen Boss. Was ist das denn für ein absurder MachA-Driss? Wir wollen doch alle mehr Frauen in Führungspositionen. Wie soll das denn gehen, wenn neun von zehn Frauen sagen, dass sie selbst aber dann doch lieber männlichen Chef hätten? Können Frauen keine Führung übernehmen oder woran liegt das wirklich?

Von Dagmar Baumgarten

Diese Doppel-Moral, diese „Wasch mir den Pelz, aber mach mich bloß nicht nass!“-Einstellung kennen wir ja auch aus anderen Bereichen: Alle wollen ja mehr Kindergärten oder Windräder oder Asylheime - nur eben nicht vor der eigenen Nase! Das hat die Marktforschungs- Gesellschaft GfK in einer Studie ermittelt. Das gilt nicht nur für die ganz hohen Posten. Auch mittlere Führungskräfte werden angeblich vom eigenen Geschlecht sehr misstrauisch und kritisch betrachtet. Aber woher kommt die Angst der Frauen vor Frauen? Ist sie wirklich begründet oder fallen wir da ganz böse auf Jahrhunderte lang gepflegte Klischees rein?

Angeblich mögen Frauen keine starken Frauen! Das behaupten zum Beispiel die Autoren Michael Guerian und Barbara Annis in ihrem Buch „Leadership an the Sexes“. Das wird sogar begründet mit ganz alten Instinkten, weil Frauen viel mehr auf den sozialen Zusammenhalt der Herde achten mussten. Männer könnten Hierarchien viel eher akzeptieren. Angeblich hat die Evolution die Frauen so geformt, dass sie anders ticken. Weibliche Säuger versuchen das Überleben ihres Nachwuchses zu sichern, indem sie sehr beziehungsorientiert agieren. Konkurrenz empfinden sie als unnatürlich. Wer ausbricht, gehört nicht mehr dazu. Aber ist das wirklich so? Können Frauen gar nicht führen?

Dann gucken wir uns doch mal in der Natur um. Große Pferde-Herden haben Leitstuten. Auch bei Hyänen und Lemuren wie auch bei vielen anderen Arten gibt es weibliche Leittiere.

Woran hakt es denn wirklich? Trauen wir den Frauen tatsächlich zu wenig zu? Oder sehen wir nicht ein, dass eine, die doch ist wie wir, plötzlich was Besseres ist und mir was zu sagen hat? Es macht schon einen Riesen- Unterschied, welchen Begriff man verwendet. Ob wir Frauen als Vorgesetzte oder Führungsperson sehen. Wird mir jemand vorgesetzt, der oder die doch eigentlich mit mir auf einer Ebene ist, ist es schwer zu akzeptieren, dass sie jetzt plötzlich „was Besseres“ sein soll!

Aber jetzt kommt’s: Das ist bei Männern genauso! Den Begriff Stutenbissigkeit, und Zickigkeit gibt es dafür bloß nicht. Das gleiche Verhalten wird mit ganz anderen Begriffen - und dadurch auch emotional - ganz anders bewertet! „Gesundes Konkurrenzdenken“, und „ehrgeiziger Managertyp“ hört sich einfach viel besser an als zickige Bitch!

Von weiblichen Führungskräften wird mehr erwartet

Ein Problem von weiblichen Führungskräften: Weibliche Mitarbeiter erwarten mehr von ihren Chefinnen als von ihrem Boss. Männer sind ja sowieso unsensibel und despotisch. Trost oder Verständnis wird da gar nicht vorausgesetzt. Von einer Frau erwarten wir aber, dass sie uns und unsere Nöte blind versteht, dass sie Teamgeist verbreitet und sich für uns einsetzt. Als Frau muss sie doch verstehen, dass der Babysitter nicht so lange kann, und man deshalb doch natürlich die Konferenz sausen lassen muss. Tut sie das nicht, sind wir viel frustrierter, als wenn das ihr männlicher Kollegen macht!

Arbeitnehmerinnen sind von Frauen einfach enttäuschter, wenn sie sich wie Männer verhalten. Nach oben buckeln und nach unten treten, nehmen wir bei einem Mann ja fast schon als selbstverständlich in Kauf. Macht eine Frau dasselbe, ist es viel verletzender, weil wir das von uns Frauen einfach nicht erwarten. Das gräbt sich dann in unser Gehirn tief ein. Und verankert sich als: „Sowas will ich nie wieder erleben: also will ich nie wieder einen weiblichen Chef!“

Was heißt das also? Wir müssen umdenken. Wir dürfen selber als Frauen nichts Übermenschliches von Frauen erwarten. Wörter wie Zicke, Bitch und ähnliches sollten mit einer MachA – Kassa bestraft werden. Viele wären erstaunt, wenn sie dadurch mal sehen würden, wie viel Frauenfeindlichkeit wir selber verbreiten. Wie sollen uns denn dann die Männer ernst nehmen, wenn wir es selber nicht tun? Weder weibliche noch männliche Chefs sind die besseren. Es ist der Führungsstil an sich, der zählt. Wir brauchen auch keine besseren Männer als Chefs - wir brauchen moderne Führungskräfte. Und das können manche Frauen genauso schlecht, aber die meisten eben auch genauso gut wie Männer.

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