Frau als Chef: Deutschland hat kaum Frauen in Führungspositionen

Frau als Chef: Deutschland hat kaum Frauen in Führungspositionen
© carlosseller - Fotolia, Klaus Tiedge

Warum gibt es so wenig Frauen als Chefin in Deutschland?

Es gibt neue Zahlen, die belegen, wie rückständig Deutschland in Sachen Gleichberechtigung ist. Nur in jedem dritten größeren deutschen Unternehmen sind Frauen in Vorstand, Aufsichtsrat oder Geschäftsführung vertreten. Sogar in den arabischen Emiraten gibt es mehr weibliches Personal in Führungspositionen als hierzulande – das berichtet der "Spiegel".

Von Christiane Mitatselis

Es ist nicht neu, dass Deutschland in dieser Hinsicht großen Nachholbedarf hat. Vor zwei Wochen zeigte eine andere Studie, dass hierzulande der Frauenanteil im Management niedriger ist als in allen anderen Ländern der europäischen Union – mit Ausnahme der Niederlande. Im europäischen Schnitt liegt der weibliche Anteil bei 29, in Deutschland nur bei 19 Prozent.

Den Hauptgrund sehen die Experten unisono darin, dass sich im deutschen Alltag Familie und Beruf immer noch sehr schlecht vereinbaren lassen. Einerseits, weil nicht genügend Ganztags-Betreuungsplätze für Kinder vorhanden sind. Und andererseits, weil Frauen, die sich beruflich stark engagieren und gleichzeitig Kinder haben, immer noch als karrieregeile Rabenmütter gebrandmarkt werden.

Frankreich, Spanien, Italien, Schweden, auch Griechenland und Belgien sind frauenfreundlicher. Dort wird es als völlig normal angesehen, dass Frauen bald nach der Geburt eines Kindes wieder arbeiten gehen. Zu einer solchen Einstellung muss Deutschland auch gelangen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang folgender Wert: In der russischen Föderation liegt der Frauenanteil im Management großer Unternehmen bei 40 Prozent - und ist damit bemerkenswert hoch. Dies erklärt sich dadurch, dass alle Frauen – also auch Mütter - in Zeiten der Sowjetunion ermutigt wurden, am Arbeitsleben teilzunehmen, ihren Beitrag zum Gedeihen des Staates zu leisten. Sie stießen somit auch in die höheren Ebenen vor, sie hielten sich dort – und liefern nun glänzende Argumente für eine Frauenquote. Denn es zeigt sich: Wenn die Frauen erst einmal nach oben gelangt sind, kommt auch weiblicher Nachwuchs nach.

Eine verbindliche Frauenquote muss her

In Deutschland sind die Vorstände der großen Unternehmen hingegen immer noch Männerbünde. Diese Seilschaften können, wie es aussieht, nur durch staatliches Eingreifen aufgebrochen werden – also mit einer gesetzlichen Quote. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat ein entsprechendes Gesetz für das kommende Jahr angekündigt. Hoffentlich macht sie Nägel mit Köpfen. Es muss eine verbindliche Frauen-Quote für Vorstände und Aufsichtsräte her, 30 Prozent wären ein guter Wert. Reine Empfehlungen helfen nicht weiter, da sie nicht beachtet werden. Das lehrt die Erfahrung.

Qualifiziertes weibliches Personal ist in Hülle und Fülle vorhanden. Frauen schneiden schon lange sowohl in Schulen als auch Universitäten im Schnitt besser ab als männliche Absolventen.

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