Frankreich will Prostitution gesetzlich verbieten

Frankreich will Prostitution gesetzlich verbieten
???? © dpa/dpaweb, A3471 Boris Roessler

Aus für die Prostitution in Frankreich?

Frankreich will die Prostitution verbieten. Freier sollen künftig empfindlich bestraft werden: Mit bis zu zwei Monaten Haft oder einer hohen Geldstrafen. Das Mutterland der Menschenrechte will damit "den Bürgern eine Beziehung zwischen Männern und Frauen beibringen, die auf Gleichheit und Respekt" beruht, formuliert es die Sozialistin Danielle Bousquet. Und ihre konservative Politiker-Kollegin Roselyne Bachelot ist der Meinung, dass "das Problem der Prostitution banalisiert wird. Wir wollen ein vernehmbares und starkes Zeichen setzen". Als Vorbild dient den Franzosen Schweden, ein Land, das schon seit 1999 den Kauf sexueller Dienstleistungen unter Strafe stellt.

Nicht die Frau, die ihren Körper verkauft, wurde zur Gesetzesbrecherin gemacht, sondern der Käufer. Ein Gesetz mit hohem Symbolwert also. Auch wenn die Wirkung nicht ganz unumstritten ist. Laut 'Zeit' ist zwar der Straßenstrich aus dem öffentlichen Leben nahezu verschwunden. Ob sich das "Geschäft" nun einfach in den Untergrund verlagert habe, wisse niemand. Der 'Spiegel' dagegen berichtete, dass das Gesetz wirke. Unter anderem sei auch der Menschenhandel zurückgegangen.

Nicht Prostituierte, sondern Freier werden bestraft

Doch das Verbot, so der 'Spiegel' habe auch seine Schattenseiten: Die Konkurrenz sei für die Frauen härter geworden. Die Zahl der Freier sei zurückgegangen, wer beispielsweise seine Drogenabhängigkeit finanzieren müsse, müsse nun auf Wünsche eingehen, die gefährlich seien. Die Zahl der Misshandlungen und Vergewaltigungen habe zugenommen, wird eine Krankenschwester zitiert (Schweden gilt als Land mit einer der höchsten Quoten von angezeigten Vergewaltigungen). Allerdings werde in Schweden auch viel für die betroffenen Frauen getan: Es gehe nicht nur um eine Kriminalisierung der Freier, sondern es gebe auch vermehrt Programme, um Prostituierten zu helfen, aus ihrem Dilemma herauszukommen.

Auch in Frankreich argumentieren die Befürworter des neuen Gesetzes damit, dass kaum eine Frau freiwillig Prostituierte wird. Prostitution sei Gewalt gegen Frauen, neun von zehn betroffenen Frauen würden von Zuhältern ausgebeutet.

Die Gegner des Gesetzes betonen eher die Gefahr, dass durch ein Verbot das Gewerbe in den Untergrund abwandern würde. Und damit die Bedingungen für die Frauen sich verschlechtern würden. Und selbst Feministinnen sind sich nicht einig, wie sie die Gesetzesvorlage beurteilen sollen.

Hier offenbart sich das Dilemma, in dem eigentlich jede Diskussion über Prostitution steckt: Auf der einen Seite steht die Ausbeutung der betroffenen Frauen. Weit davon entfernt, auf der anderen Seite steht der Gedanke, dass Frauen über ihren Körper selbst bestimmen dürfen. In der 'Süddeutschen Zeitung' etwa wird die Philosophin Elisabeth Badinter zitiert mit den Worten: "Wenn eine Frau binnen drei Tagen genau so viel verdienen will wie andere in einem Monat an einer Supermarktkasse, dann ist das ihr Recht."

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