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Fragen nach der Familienplanung - eine Sache des Taktgefühls

"Fragen nach der Familienplanung sind unverschämt"

Emily Bingham, eine junge Schriftstellerin aus dem US-Bundesstaat Michigan, hat mit einer Nachricht auf Facebook für Aufsehen gesorgt. Um Aufmerksamkeit zu erregen, postete sie das Ultraschallbild eines ungeborenen Kindes, das nicht ihres ist. Ihr kam es auf eine Botschaft an, in der sie die Menschen dazu aufruft, andere nicht mit Fragen nach dem Kinderwunsch zu belästigen und in unangenehme Situationen zu bringen.

Fragen nach der Familienplanung - eine Sache des Taktgefühls
Ultraschallfoto in schwarz-weiß, von Emily Bingham bei Facebook gepostet

Von Christiane Mitatselis

Sie schreibt unter anderem: "Ihr wisst nicht, wer vielleicht Probleme mit der Fruchtbarkeit hat oder eine Fehlgeburt verkraften musste." Und: "Ihr wisst nicht, ob eure unschuldige, kleine Frage nicht Trauer oder Frustration auslöst." Oder ob jemand gerade Stress in der Beziehung habe. Oder ob der passende Partner fehle, oder ob eine Frau einfach keine Kinder wolle. Bingham schließt: "Wenn jemand sich zu etwas so Persönlichem äußern will, dann tut er es von allein." Die Autorin traf damit einen wunden Punkt, ihre Nachricht wurde jedenfalls tausendfach geteilt.

Und natürlich hat sie Recht. Fragen dieser Art sind unverschämt, aber leider gang und gäbe. Kinderlose Frauen, die die 30 überschritten haben, können davon ein Lied singen. Meistens fängt es mit einem harmlosen: "Willst du eigentlich keine Kinder?" an – und endet mit: "Du weißt aber schon, dass deine biologische Uhr tickt…." Wer souverän ist, wehrt derartige Angriffe auf die Intimsphäre mit einem Witz ab. Eine gute Antwort ist zum Beispiel: "Ich will Kinder mit 48, und dann gleich Drillinge. Das ist doch heutzutage kein Problem mehr." Labilere Frauen, die sich akut ein Kind wünschen, aber – aus welchem Grund auch immer - keines bekommen, können solche Fragen meist weniger gut bis gar nicht verkraften. Sie fühlen sich bloßgestellt, defizitär, sind traurig und verletzt.

Die Frager scheren sich einen Dreck um die persönliche Situation der Befragten. Hinter geheuchelter Anteilnahme, die sich in Sätzen wie "Ich mache mir halt Sorgen um meine Mitmenschen" manifestiert, steckt pure Sensationsgier. Das heißt: Eine Frau, die ein gewisses Alter erreicht hat, muss ein Kind haben oder zumindest eins wollen. Denn sonst stimmt etwas nicht mit ihr. Die angeblich Besorgten wittern hier Stoff für hässliche Klatschgeschichten.

Männer haben es etwas einfacher, denn einerseits können sie potenziell bis ins hohe Alter Kinder produzieren. Und andererseits gelten kinderlose Junggesellen in der Regel nicht als seltsam, sondern als freiheitsliebende Bohemiens – siehe George Clooney, bevor er heiratete. Aber natürlich können auch sie verletzt werden – zum Beispiel dann, wenn sie sich Nachwuchs wünschen, aber unfruchtbar sind.

Wer Taktgefühl hat, verschont seine Mitmenschen deshalb mit Fragen nach dem Kinderwunsch. Es ist kein Small-Talk-Thema, sondern eine persönliche und intime Angelegenheit.

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