FAMILIE FAMILIE

Fötus-Partys: Neuer Schwangerschaftstrend?

Fötus-Partys statt Babyshower
Fötus-Partys statt Babyshower © Reicher - Fotolia

Auf Fötus-Partys Ultraschall-Bilder zeigen

Es gibt ja so Momente, da braucht man schon viel Selbstbeherrschung, um einen anderen nicht vor den Kopf zu stoßen. Ein solcher Moment kommt zum Beispiel immer dann, wenn eine Freundin mit leicht verschmitzten Grinsen auf einen zukommt, „Du, ich muss Dir was ganz tolles zeigen“ haucht – und dann aus ihrer Handtasche ein Blatt voller grauer Schlieren zieht. Die einzige ehrliche Antwort („Was´n das? Da erkennt man ja gar nix“) verbietet sich natürlich von selbst. Schließlich ist man ja sensibel. Bleibt also nur ein „Ach wie süüüß! Und man erkennt jetzt schon, dass es mal deine Nase haben wird“.

von Ursula Willimsky

In Zukunft dürften uns da wahrscheinlich noch mehr Begeisterung abverlangt werden. Fötus-Partys sind schwer im Kommen. Bekanntester Trendsetter: Das Ehepaar Rooney, das schon vor drei Jahren ein Ultraschall-Gerät anmietete, um seinen Freunden ihren kleinen Kai auch schon vor der Geburt zu zeigen. Und zwar live und in 3 D.

3-D-Aufnahmen vom Ungeborenen sind ja nicht neu. Schon seit Jahren können Schwangere sich bei vielen Frauenärzten entsprechende Farbbilder oder DVDs kaufen und dann daheim in endloser Vorfreude in Endlos-Schlaufe ansehen. Und auch allen Freunden und Verwandten zeigen, so denn gewünscht.

Neu ist vor allem, dass das Baby-Screening nun immer mehr die Arztpraxen zu verlassen scheint. Laut spiegel.de gibt es auch in Deutschland schon einige Anbieter für Baby-TV. Die ausdrücklich darauf hinwiesen, dass sie Bilder machen – aber keine medizinischen Untersuchungen.

In England, vor allem aber in den USA ist man noch einen Schritt weiter. Dort muss die Schwangere gar nicht mehr in ein „Studio“, sondern kann beim Shoppen rasch mal ein paar Aufnahmen zwischendurch machen lassen. Ultraschall to go, sozusagen. Dort stehen zum Beispiel in Shopping Malls entsprechende Geräte. Je nach Anbieter kostet so ein Erinnerungspaket samt Farbbildern, DVD oder I-Pod-Datei schon mal über 300 Euro.

Die Untersuchungsmethode, die eigentlich für eine Verbesserung der pränatalen Diagnostik gedacht ist und durchaus ihren medizinischen Sinn hat, ist also auch ein lukratives Geschäftsfeld. Schließlich sind werdende Eltern in den reichen Ländern erfahrungsgemäß gerne bereit, für schnick und schnack und dies und das viel Geld auszugeben. Doch das nun die Schwangerschaft als solche kommerzialisiert wird, passt nicht jedem. In spiegel.de wird Großbritanniens bekannteste Hebamme Cathy Warwick zitiert: "Überall im Land tauchen Services für Fötus-Partys auf. Zu Diagnostik-Zwecken gedachte Ultraschalluntersuchungen werden jetzt zur Unterhaltung missbraucht."

Sind Fötus-Partys gefährlich?

Und auch der deutsche Bundesverband der Frauenärzte rät von solchen „Ultraschall-Partys“ ab. Die Begründung: „Diese Partys kommen aus den USA, in denen es keine strukturierte Schwangerenvorsorge gibt wie bei uns, und in denen Ultraschall-Untersuchungen in der Schwangerschaft oft sehr teuer sind, teilweise mehrere hundert Dollar kosten. In Deutschland kann jede Frau ihre gesetzlich verbürgten Vorsorgetermine wahrnehmen, bei denen Ultraschall-Untersuchungen zum Standard gehören. Privat organisierte Events, um überhaupt einmal das Baby sehen zu können, sind also gar nicht notwendig.“

Immerhin: Dem Baby selbst können solche Partys nach Kenntnis des Bundesverbandes wohl kaum schaden: „Dass die ungeborenen Kinder den Ultraschall hören könnten und deshalb Stress ausgesetzt werden, ist nicht zu befürchten. Zu dieser Fragestellung sind viele Untersuchungen durchgeführt worden. Auch die Frage, ob der Ultraschall eventuell das Kind erwärmen könnte, kann mit nein beantwortet werden: Medizinische Ultraschallwellen sind keine Mikrowellen.“

Aber die Partys bergen für die werdenden Mutter Risiken. Problematisch wird es, so Dr. Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF), „wenn Frauen bei Ultraschallpartys glauben, Unregelmäßigkeiten bei ihrem Kind zu entdecken. Frauenärztinnen und –ärzte absolvieren eine spezielle, zusätzliche Ausbildung, um Ultraschalluntersuchungen bei Schwangeren durchführen und die Ergebnisse richtig interpretieren zu können. Nur sehr versierte Untersucher können Abweichungen durch technische Probleme der Bildgebung von tatsächlichen Unregelmäßigkeiten unterscheiden, und sie wissen aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung, welche scheinbaren Auffälligkeiten eigentlich in bestimmten Entwicklungsstadien völlig normal sind.“

Bleibt also abzuwarten, ob die dann doch recht teuren Ultraschall-Partys in Deutschland überhaupt zum Trend werden. Oder ob die werdenden Eltern sich das Geld nicht lieber für andere Dinge zur Seite legen. Für einen Babysitter zum Beispiel, wenn sie irgendwann mal eine Pause brauchen vom alltäglichen Baby-Watching.

Anzeige