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Flugangst: 12-Jähriger sitzt monatelang wegen Flugangst fest

Angst vorm Fliegen stärker als Heimweh.
Joe Thompson muss wegen Flugangst 18 Monate auf den Rückflug warten.

Wegen Flugangst: Gestrandet in Abu Dhabi

Fliegen ist für viele Menschen etwas Schönes: Die Welt von oben sehen, das Gefühl von Freiheit und Urlaub - aber nicht für den 12-jährigen Joe Thompson aus Großbritannien. 15 Monate lang braucht der Junge für den Rückflug. Eine extreme Flugangst sorgt dafür, dass er über Monate hinweg nicht abheben kann – und in Abu Dhabi festsitzt.

2009 zieht Joe mit seiner Familie nach Abu Dhabi, weil der Vater dort arbeiten muss. Der Hinflug ist eigentlich kein Problem. Doch als vor 15 Monaten der Umzug zurück nach Europa ansteht, weigert sich Joe, das Flugzeug zu betreten - aus panischer Flugangst. Joe musste erst einmal in Abu Dhabi zurückbleiben.

Zwangsaufenthalt kostet rund 47.000 Euro

Flugangst ist ein verbreitetes Phänomen. "Die Flugangst kann aus einem Trauma entstehen. Also etwas, was ich vielleicht als Kind erlebt habe oder was ich gehört habe über Dinge“, sagt Mental-Coach Barbara Kuster. Bei Joe sollen es schlimme Ohrenschmerzen gewesen sein, die er auf dem Hinflug bekam. Daran hat sich sein Unterbewusstsein wohl beim ersten Abreisetermin erinnert. Es folgte eine Panikattacke

Nicht bei jedem Passagier hat die Flugangst so starke Auswirkungen wie bei Joe. In vielen Fällen kann das Flugpersonal den Passagieren helfen, beruhigend einwirken. „Man muss den Gast bei seiner Angst nehmen und versuchen zu verstehen, sich auch einfach mal neben den Gast setzen“, sagt Alexander Behring von der Flugbegleitergewerkschaft UFO.

Bei Joe hilft das aber alles nichts. Obwohl sein Vater mehrere Ärzte und Psychologen aufsucht - zunächst kann niemand Joe helfen. Viermal versucht Tony Thompson seinen Sohn in den Flieger zu bringen - vergeblich. Aus der Not heraus will er Joe sogar über Land und Wasser die 4000 Kilometer bis nach Hause transportieren. Aber wegen Visa-Problemen scheidet auch diese Möglichkeit aus.

Erst eine Hypnotherapie schlägt schließlich an, Joe traut sich wieder zum Flughafen. Gemeinsam mit seinem Vater und dem Therapeuten kann er sich schließlich seiner Angst stellen. Mit 15-monatiger Verspätung kehrt Joe wieder nach Großbritannien zurück. Und Joe ist total happy: "Ich fühle mich großartig. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich es echt geschafft habe." Seine Mutter, die in England auf ihn wartet, ist ebenfalls überglücklich. Auch wenn der Zwangsaufenthalt rund 47.000 Euro Kosten verursacht hat.

Joe wird in seinem Leben wohl kein Vielflieger werden. Aber dass er noch einmal abhebt, will der junge Brite auf keinen Fall ausschließen.

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