Flüchtlingsdrama vor Lampedusa: Taucher finden totes Paar in Schiffswrack

Flüchtlingsdrama vor Lampedusa
Die letzte Umarmung vor Lampedusa

Selbst im Tod ist dieses Paar vereint

Im Oktober 2013 ereignete sich das wohl größte Flüchtlingsdrama vor der Mittelmeerinsel Lampedusa. Ein Kahn mit 545 Menschen aus Somalia und Eritrea, der in der libyschen Hafenstadt Misrata startete, fing wegen eines Motorschadens Feuer. 366 Flüchtlinge kamen bei dem Unglück ums Leben. Jetzt wollten sich Taucher das Wrack aus der Nähe anschauen - und fanden darin die Leichen zweier Liebender: Ein junges Paar, das eng umschlungen ertrank.

Lampedusa ist eine kleine Mittelmeerinsel südlich von Sizilien und rund 130 Kilometer von der tunesichen Küste entfernt. Das Fleckchen Erde ist dafür bekannt, dass es das Ziel von Flüchtlingen aus Afrika ist - und das Ziel von Geschäftemachern, die mit dem Leid ihrer Landsmänner Geld verdienen: Sie verkaufen Tickets für 1.000 bis 3.000 Dollar auf meist schrottreifen Schiffen und versprechen den Menschen, sie ins sichere Europa zu bringen. Dass die Schiffe meist alt und überfüllt sind, wissen die Flüchtlinge nicht. So kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, bei denen viele sterben.

Als Taucher jetzt das Wrack untersuchten, wurden sie auf das Paar aufmerksam, das sich auch Monate nach seinem Tod im Arm hielt. So wurde das Unglück noch einmal greifbar, das Schicksal menschlich: „Die vielen Leichen erzählen herzzerreißende Geschichten", sagte Rettungstaucher Renato Sollustri jetzt im Interview mit dem britischen Magazin 'Metro'.

Doch nicht nur das Paar rührte die Taucher zu Tränen, sondern auch eine Frau. Als sie ihre Leiche bergen wollten, fiel ihnen auf, dass diese vorher offenbar hochschwanger war und im Todeskampf das Baby gebar: Es steckte in ihrer Leggins. Den Anblick der Frau und ihres Babys wird Sollustri nicht so schnell vergessen. Noch Tage nach dem Fund konnte er nicht aufhören, an diese Bilder zu denken. Bis jetzt wurden 17 Leichen geborgen, auf dem Meeresgrund befinden sich noch 349 Tote.

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