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Finanzamt hat Ebay-Verkäufer im Visier: Auf diese Steuerfallen müssen Hobby-Händler achten

Ebay-Verkäufer
Wer bei Ebay auffällt, wird kontrolliert. © dpa, Frank May

Das müssen Sie beachten, um nicht in Steuerfalle zu tappen

Ein gutes Geschäft bei Ebay gemacht? Und das nicht zum ersten Mal? Achtung! Wen das Finanzamt in Verdacht hat, gewerblich tätig zu sein, dem drohen auf jeden Fall erhebliche Scherereien und unter Umständen auch saftige Steuer-Nachforderungen! Auf Steuerfallen für Online-Verkäufer macht Stiftung Warentest im jüngsten Heft aufmerksam.

Wer meint, unter den rund fünf Millionen Ebay-Anbietern nicht weiter aufzufallen, täuscht sich: Das Finanzamt hat Ebay und Co. genau im Blick. Mit Hilfe der Software 'Xpider' ist es für die Steuereintreiber ein leichtes Spiel, unter den Millionen Anbietern die Leute herauszufinden, die es ihrer Meinung nach mit der Pflicht, Steuern zu zahlen, nicht ernst genug nehmen. Allein im Bundesland Niedersachsen klingelt die Steuerfahndung deswegen jedes Jahr an 600 bis 1.500 Haustüren von Online-Verkäufern, so Stiftung Warentest. Hochgerechnet auf die Bundesrepublik sind das zwischen rund 7.000 und 20.000 Fälle.

Ein reines Gewissen nützt Ihnen leider überhaupt nichts: Viele Online-Händler sind sich nicht bewusst, dass sie eigentlich Steuern zahlen müssen. Die bloße Behauptung, als Privatperson zu handeln, schützt vor dem starken Arm der Steuerbeamten und der Gerichte nicht. Was sind also die Kriterien, anhand derer das Finanzamt entscheidet, ob Steuern fällig sind oder nicht?

„Ab 40 Verkäufen innerhalb von wenigen Monaten“, so Stiftung Warentest, sehe das Finanzamt einen Grund, zu prüfen, ob ‚dauerhafte und ertragreiche‘ Geschäfte vorliegen. Eine genaue Messzahl gibt es nicht. „Die Gerichte entscheiden immer im Einzelfall“, so Stiftung Warentest.

Weitere Anzeichen für gewerbsmäßigen Handel, der Steuerforderungen begründet, sind: Regelmäßiger Handel, hohe Umsätze, Verkauf von gleichartigen Sachen oder Neuware, Verkauf für Dritte oder sogar nur aufwändig platzierte Angebote! Ob es tatsächlich Gewinne gibt, spielt keine Rolle.

Eine weitere Falle öffnet sich, wenn das Finanzamt nachweisen kann, dass ein Gegenstand extra für den Weiterverkauf angeschafft wurde. Wer also eine Spielkonsole lange vor Weihnachten kauft, um sie - wenn das Gerät ausverkauft ist – zum Fest mit Aufschlag weiterzuverkaufen, der handelt gewerbsmäßig und somit steuerpflichtig. Gleiches gilt für sogenannte Spekulationsgüter, wie Schmuck, Gold und Antiquitäten. Wurden sie vom Verkäufer vor weniger als einem Jahr angeschafft und dann verkauft, muss der Gewinn versteuert werden. Ausnahme: Der Gesamtgewinn liegt unter 600 Euro.

Falls das Finanzamt zu dem Schluss kommt, dass Sie gewerblich handeln, können gleich drei Steuern auf Sie zukommen: Einkommensteuer (für alles über 8.354 Euro Gesamt-Einkommen), Umsatzsteuer (bei Umsätzen von über 17.500 Euro im Vorjahr und über 50.000 Euro im laufenden Jahr) und Gewerbesteuern für Gewinne über 24.500 Euro.

Unbesorgt vor dem Zugriff des Finanzamts kann derjenige sein, der die eigene Wohnung oder den Keller entrümpelt und die Schätze versteigert. Auch das eigene Auto, das eigene Haus oder die geerbte Briefmarkensammlung dürfen steuerfrei verkauft werden. Die Sachen sollten also alt beziehungsweise gebraucht oder nachweislich länger in persönlichen Besitz gewesen sein. Auch wer gelegentlich einen Stand auf dem Flohmarkt aufbaut, wird verschont. Die Betonung liegt hier auf "gelegentlich". Oft sind es Feinheiten, die darüber entscheiden, ob es eine Steuerpflicht für Sie gibt oder nicht.

Falls also einmal ein freundlicher Herr von der Steuerfahndung bei Ihnen klingeln sollte, sind Sie gut beraten, dessen Fragen zunächst nur zur Kenntnis zu nehmen und sich schleunigst mit einem Anwalt darüber auszutauschen, bevor Sie sie beantworten.

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