Filmprojekt 'Embrace': Wie würden Frauen ihren Körper beschreiben?

'Embrace' zeigt, wie Frauen ihren Körper wahrnehmen

Es gibt Dinge, die sind so selbstverständlich, dass man im Grunde nicht darüber reden muss. "Jede Frau ist schön" ist so ein Satz. Mit diesen vier Worten ist alles gesagt. Eigentlich.

Filmprojekt 'Embrace': Wie würden Frauen ihren Körper beschreiben?
© picture alliance, CHROMORANGE / Bilderbox

Denn im Hirn viel zu vieler Frauen schaltet ein kleiner Hebel nach so einem Satz sofort auf "aber": Aber die Schenkel sind zu dick, der Bauch nicht fest genug, die Oberarme wabbeln und die Nase – puh! Taryn Brumfitt war auch eine dieser viel zu vielen Frauen, die der Blick in den Spiegel unglücklich machte. Wieso eigentlich? fragte sie sich - und hundert andere Frauen. "Beschreiben Sie Ihren Körper mit einem Wort" war die Aufgabe. Die Antworten vorhersehbar: Schwabbelig, zu dick, zu klein, nicht Wert, darüber zu reden, plump, ekelhaft. Mit einem Filmprojekt will Taryn nun Frauen helfen, sich so zu sehen und zu lieben, wie sie sind: Nämlich einfach schön.

Ursula Willimsky

Alles begann mit einem mutigen Befreiungsschlag: Auf ihrer Facebook-Seite postete sie ein eher untypisches Vorher-Nachher-Bild. Vorher: Eine Frau mit perfekt definiertem Körper, die gerade bei einem Bodybuilding-Contest erfolgreich ist. Nachher: Eine glückliche Frau, deren Körper durch die Geburt dreier Kinder und das Leben neu definiert wurde. "Normalerweise ist die Frau auf dem Vorher-Foto deprimiert und übergewichtig", schrieb sie dazu. "Seltsamerweise sieht sie auf den Nachher-Fotos glücklich und zufrieden aus, nur weil sie ein paar Pfund verloren hat."

Nun, Taryn sah auf dem Nachher-Foto sehr glücklich aus. Vielleicht auch, weil sie ein paar Pfunde dazugewonnen hatte. Vielleicht aber auch, weil sie dabei war, sich und ihren Körper endlich zu lieben. Über 3,2 Millionen Menschen klickten ihr Foto an. Und gaben der Australierin den Kick, ihr Film-Projekt 'Embrace' zu starten. Derzeit sucht sie noch nach Sponsoren. 200.000 Dollar soll die Dokumentation kosten, 150.000 haben Spender ihr schon überwiesen.

In ihrem Spendenaufruf – einem fast 5-minütigen Film – sieht man sie in Unterwäsche vor einem Spiegel. Sie weint zu sehr gefühlvoller Musik: "Ich habe meinen Körper gehasst". Und sie fühlte sich mit ihren Gedanken allein. Bis sie das Projekt startete, und geschockt feststellen musste, dass sehr viele Frauen "sich selbst klein und schlecht reden, weil wir nicht wie jene zehn Supermodels aussehen, die uns als Idealbild vorgesetzt werden." Bei ihr kommen normale Frauen zu Wort: Groß, klein, dick, dünn, mit amputierter Brust oder mit Piercings.

Nun mag die sehr pathetische Art des Trailers nicht jedermanns Sache sein. Aber immerhin geht es um eine wichtige Sache, wenn Taryn mit missionarischem Leuchten in den Augen die Frauen aufruft, mit ihr "zusammen etwas zu verändern. Etwas, das das Leben auf der ganzen Welt verändern" soll. Es geht darum, das Selbstbild von Frauen von all der übertriebenen Selbstkritik zu befreien. Es geht darum, dass 13-Jährige gerne ins Freibad gehen, und nicht daheim bleiben, weil sie sich im Badeanzug schämen.

Ganz ähnlich wie Projekte wie "4th Trimester Bodies" steht auch beim "Body Image Movement" der weibliche Körper mit all seinen Facetten im Mittelpunkt. Jeder dieser Körper erzählt eine Geschichte. Und diese Geschichten will Taryn auf die Leinwand bringen. Ob Frauen sich durch geballte Weiblichkeit in einem Film überzeugen lassen, dass sie schön sind, so, wie sie sind? Die Übermacht der perfekten "Rollenmodelle" bleibt ja. Aber vielleicht könnte eine solche Dokumentation die ein oder andere Frau dazu bringen, an der nächsten Plakatwand mit Ultraschönen mit einem Schulterzucken vorbeizugehen. Und es auch wirklich so zu meinen.

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