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Filmkritik zu 'Hanni & Nanni 3': Mon Dieu, es spukt auf Lindenhof!

'Hanni & Nanni 3': Offizieller Kinotrailer
'Hanni & Nanni 3': Offizieller Kinotrailer 00:01:37
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Das bekannte Zwillingspärchen ist zurück

Aller guten Dinge sind drei: Nach dem großen Erfolg der ersten beiden ‚Hanni & Nanni‘-Filme geht Enid Blytons berühmtes Zwillingspärchen jetzt in die dritte Runde. Und auch diesmal schlüpfen wieder die Bambi-Gewinnerinnen Jana und Sophia Münster in die Rollen der sympathischen Zwillinge. Neben den beiden sind auch andere altbekannte Gesichter wie Hannelore Elsner als Direktorin Frau Theobald und Suzanne von Borsody als Fräulein Mägerlein erneut mit von der Partie.

Filmkritik zu 'Hanni & Nanni 3': Mon Dieu, es spukt auf Lindenhof!
Jana und Sophia Münster spielen zum dritten Mal die Zwillinge Hanni und Nanni.

Etwas ist faul im Internat Lindenhof: Während die Mädchen fleißig für die Schulaufführung von Shakespeares ‚Romeo und Julia‘ proben, treibt ein Geist sein Unwesen auf den Internatsfluren. Dem Spuk müssen Hanni und Nanni natürlich unbedingt nachgehen. Doch das ist nicht das Einzige, was die beiden beschäftigt: Als sich die angekündigten Austauschschülerinnen als eine Busladung englischer Jungs entpuppen, wird das sonst so innige Geschwisterverhältnis der Zwillinge auf eine harte Probe gestellt - denn beide Mädchen verlieben sich in den smarten Austauschschüler Clyde (Nachwuchsschauspieler Leopold Klieeisen). Doch ihr ‚Romeo‘ hat keine Ahnung, dass er es mit Zwillingen zu tun hat. Und dann ist da auch noch die zickige Daniela (Nele Guderian, bereits in ‚Hanni & Nanni 2‘ zu sehen), die mit allen Mitteln versucht, die Rolle der Julia und Clyde zu bekommen.

Highlight des Films ist definitiv Katharina Thalbach (‚Rubinrot‘) mit ihrer wiedermal erstklassigen Darstellung der chaotischen Französischlehrerin Mademoiselle Bertoux. Ihre Szenen stechen deutlich als die lustigsten heraus, zum Beispiel, wenn sie ‚Romeo und Julia‘ mit einer Maus probt oder vor lauter Angst vor dem Gespenst einfach ins Bett von Direktorin Theobald kriecht. Auch an der Leistung der anderen Darsteller ist nichts zu bemängeln, Barbara Schöneberger (schon deutlich schwanger bei den Dreharbeiten) sorgt als selbst ernannte ‚Food-Designerin‘ Daphne Diel für einige Lacher. Nur Musiklegende Konstantin Wecker wirkt mit seiner Darstellung des vermeintlichen Schlossgespenstes Konrad Kästner eher wie eine Mischung aus Märchenonkel und großer Grinsekatze.

‚Hanni & Nanni 3‘ vermittelt pädagogisch wichtige Werte

Irgendwie ging es schon in der ‚Hanni & Nanni‘-Jugendbüchern eigentlich immer um das Gleiche, die dritte Verfilmung bildet keine Ausnahme: Die Handlung ist komplett vorhersehbar, Überraschungen gibt es nicht. Dafür gestaltet Regisseurin Dagmar Seume (‚Danni Lowinski‘) die Szenenwechsel in ihrem Spielfilmdebüt über den gesamten Verlauf flüssig und für Kinder sehr angenehm anzusehen. Über den Umstand, dass Austauschschüler Clyde Hanni und Nanni nie gemeinsam im Internat sieht und so erst ganz am Ende versteht, dass sie Zwillinge sind, schaut man als Kind sicher getrost hinweg. Als Erwachsener fragt man sich aber schon, ob das nicht etwas zu konstruiert ist. Auch die Filmmusik ist eher gewöhnlich, so fällt der Titelsong ‚Sisters Forever‘ von Ex-Queensberry Sängerin Leo unter die Kategorie ‚Pop-Einheitsware‘.

Das bekannte pädagogische Konzept hinter den Geschichten von ‚Hanni & Nanni‘ bildet auch die Basis des dritten Teils: Auf spielerische und amüsante Weise vermittelt der Film wichtige gesellschaftliche Werte wie Verantwortungsbewusstsein, Loyalität und Solidarität. Die englischen Austauschschüler wirbeln die Gefühle der Mädchen zwar ganz schön durcheinander, aber am Ende wissen sie, was im Leben wirklich zählt: nämlich die Familie und die Freunde.

Insgesamt ist ‚Hanni & Nanni 3‘ genau wie die Bücher und die Vorgängerfilme klar auf eine junge weibliche-Zielgruppe zugeschnitten. Fans der Reihe werden den Kinobesuch nicht bereuen. Aber auch Neueinsteiger können alles gut verstehen. Wer als Elternteil früher nicht selbst begeistert Enid Blytons Geschichten der Zwillinge gelesen hat, schickt vielleicht einfach lieber die Großeltern mit ins Kino.

Von Michaela Sabine Berg

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