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Filmkritik 'Planes': Ein Sprühflugzeug will hoch hinaus

3 von 5 Punkten

Nach der ‚Monster Uni‘ bringt Disney diesen Sommer mit ‚Planes‘ ein weiteres Animationsabenteuer in die Kinos, diesmal ein Spin-Off zu ‚Cars‘, nur mit Flugzeugen. Anders als bei ‚Cars‘ sind für ‚Planes‘ dieses Mal die Disney Toon Studios verantwortlich und nicht Pixar Animation, mit denen das Studio in der Vergangenheit ja bereits viele Erfolge feiern konnte. Eine gute Entscheidung?

'Planes'
Disneys neues Animationsabenteuer

Aber erstmal zur Geschichte: Überraschend qualifiziert sich das Sprühflugzeug Dusty für das berühmteste Flugzeugrennen der Welt, das ‚Wings Around the Globe‘. Auch wenn Dusty buchstäblich nach Höherem strebt und sein Dasein nur zu gern gegen das eines Rennfliegers eintauschen würde, so hat er jedoch ein ganz wesentliches Handicap: Dusty hat Höhenangst. Unbeeindruckt davon stellt er sich der Herausforderung und will als erster das renommierte Rennen gewinnen. Seine Freunde Chug, Dottie und der alte Marineflieger Skipper Riley stehen ihm dabei zur Seite. Letzterer wird nach anfänglichem Zögern sogar zu Dustys Mentor.

Zwar befindet man sich bei ‚Planes‘ in einem komplett anderen Setting, doch wenn Regisseur Klay Hall (‚Tinkerbell 2 – Die Suche nach dem verlorenen Schatz) den Film schon mit den Worten „Hoch über der Welt von ‚Cars‘“ einleitet, muss man sich den Vergleich gefallen lassen: ‚Planes‘ ist ein weiterer Versuch der Disney Studios, Gegenständen Leben einzuhauchen und daraus liebenswerte Charaktere zu kreieren. Was bei ‚Cars‘ nicht so gut funktioniert hat, klappt bei ‚Planes‘ schon wesentlich besser. Wahrscheinlich aber auch, weil es sich bei ‚Planes‘ um eine klassische „Underdog“-Geschichte handelt und man sich als Zuschauer besser in Dusty hineinversetzen kann als damals in Lightning McQueen, die Hauptfigur von ‚Cars‘: Während McQueen einen Fall von ganz oben in den buchstäblichen Dreck einer Wüstenkleinstadt erlebt, muss sich Dusty erst im Laufe des Films seinen Weg nach oben erarbeiten – im wahrsten Sinne.

Dabei erleben Dusty und der Zuschauer auch einen Abstecher nach Deutschland. Hier werden leider allerdings alle Klischees bedient, die man sich nur vorstellen kann. Was sicherlich lustig gemeint ist und mit einem Augenzwinkern betrachtet werden sollte, geht bedauerlicherweise komplett nach hinten los: Gabelstapler in Lederhosen, Flugzeug-Diesel aus Bierkrügen und eine Bardame, deren bayrischen Akzent auch Horst Seehofer nicht verstehen würde, sind ein wenig zu viel des Guten. Die anderen Nationen, bei denen die Flieger im Rahmen des ‚Wings Around the Globe‘ Halt machen, werden weniger klischeebehaftet dargestellt.

Nett, aber nicht zauberhaft

Disneys 'Planes'
Hübsch animierte Flieger © dpa, Disney

Auch schade ist, dass das Potenzial der prominenten Synchronsprecher nicht ausgeschöpft wird. Denn die wenigen großen Namen müssen sich mit Nebenrollen begnügen: So verkörpert Schauspielerin Marie Bäumer (‚Der Schuh des Manitu‘) das Kleinstadt-Postflugzeug Heidi aus Bayern, und Comedian Oliver Kalkofe (‚Der Wixxer‘, ‚Epic – Verborgenes Königreich‘) leiht sowohl im englischen Original als auch in der deutschen Fassung dem schizophrenen Franz Fliegerhosen seine Stimme - einem deutschen Auto, dass sich in ein Flugzeug verwandeln kann. Da wäre mehr gegangen. Auch Laien, wie zum Beispiel Moderator Kai Ebel durften sich als Synchronsprecher versuchen. Er verkörpert den in der Welt von ‚Planes‘ berühmten Sport-Journalisten Brent Mustangburger, und man merkt, dass ihm die Rolle wie auf den Leib geschneidert ist.

Alles in allem ist ‚Planes‘ ein wirklich netter Unterhaltungs-Film für Kinder. Die können wahrscheinlich auch über die stereotype Darstellung von Deutschland lachen, während die erwachsenen Begleiter mit den Augen rollen. An den Zauber vergangener Disney-Filme, die auch noch nach Jahrzehnten Jung und Alt an den Bildschirm fesseln, kann ‚Planes‘ jedoch leider nicht anknüpfen.

Von Alina Krein

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