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Fibromyalgie: Die unsichtbare Krankheit

Fibromyalgie - die unsichtbare Krankheit
Fibromyalgie wird vor allem durch Stress ausgelöst

Fibromyalgie: Symptome und Folgeerscheinungen

Schmerzen in den Muskeln, andauernde Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Nicht selten klagen Menschen gleichzeitig über mehrere Erkrankungen, die möglicherweise nur die Folgeerscheinungen einer einzigen Krankheit sind: Fibromyalgie. Sie gilt als chronische Erkrankung, die schlichtweg unheilbar ist und überwiegend bei Frauen diagnostiziert wird. Weder Blutwerte noch Röntgenbilder geben Hinweise auf die fortwährenden Gelenkschmerzen – ein unsichtbarer Feind, der sich im ganzen Körper breit macht und sich wie ein jahrelanger Muskelkater anfühlt.

Von Daniel Grochow

Hauptsymptom für Fibromyalgie sind Muskelschmerzen in den Armen, Beinen und Rücken. Hinzu kommen funktionelle Belastungen wie Migräne, Schlafstörungen oder Magen- und Darmbeschwerden. Die Liste der Nebensymptome scheint unendlich: Viele Patienten klagen über Schwindelgefühle, Verspannungen, Schmerzen in den Nieren oder Herzrhythmusstörungen; zu Stimmungsschwankungen kommen Depressionen und Konzentrationsschwierigkeiten – kurzum: Fibromyalgie bestimmt den Alltag und damit das Leben der Patienten. "Das fängt schon morgens beim Aufstehen an, wenn der Körper sich wie ein Bleianzug anfühlt", sagt Ulrike Eidmann, Ansprechpartnerin des Fibromyalgie-Gesprächskreises der Deutschen Rheuma-Liga.  

Das einzig positive an der Krankheit: Es bleiben keine körperlichen Schäden. Zwar können Muskeln oder Gelenke über Jahre hinweg schmerzen; sie erfüllen aber weiterhin ihre Aufgabe – ganz im Gegenteil zur Psyche: Als Folgeerscheinungen haben Patienten fast immer psychosomatische Beschwerden, die jedoch auch die Folge einer anderen Krankheit sein können. So liegt das Hauptproblem auf der Hand: Fibromyalgie ist unsichtbar.  

Gesundheit: Stress verursacht Fibromyalgie

Ob ein Mensch an Fibromyalgie leidet, ist deshalb schwer zu diagnostizieren. Ein umstrittenes Kriterium sind die so genannten Tenderpoints, die die Übergänge von den Muskeln zu den Sehnen bezeichnen. Menschen, die mehr als drei Monate an drei verschiedenen Körperregionen Schmerzen verspüren, werden als Fibromyalgie-Patienten geführt. Betroffen sind vor allem Frauen; 85 bis 90 Prozent der Patienten sind weiblich. Wie viele Menschen an Fibromyalgie erkrankt sind, lässt sich kaum sagen. Während Mediziner in Deutschland von drei bis vier Prozent sprechen, wurde Fibromyalgie bei nur 0,5 Prozent der Krankenkassen-Mitglieder festgestellt.

Manche sind der Meinung, dass es die Krankheit nicht gibt, andere bezeichnen sie als bloßes psychisches Leiden. "Heute wissen die Ärzte, dass sich Schmerzen verselbstständigen können und dann über die Zeit chronisch werden", sagt Rheumatologe Wolfgang Brückle. Die Wissenschaft geht davon aus, dass Stress die zentrale Ursache für die Krankheit ist. Doch auch körperliche Belastungen und genetische Faktoren bedingen Fibromyalgie, sagt Brückle. Langjähriger Stress, aber auch zu wenig Bewegung sowie Erkrankungen in der Kindheit können hormonelle Stressreaktionen auslösen. Die Folge ist eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit in mehreren Körperregionen und Schlafstörungen, die  wieder zu Stress führen – ein Teufelskreis, der medikamentös kaum durchbrochen werden kann.

Experten sehen vor allem die Gefahr, von Medikamenten abhängig zu werden. Auch Folgeschäden durch eine dauerhafte Behandlung mit Schmerzmitteln sind nicht abzuschätzen, sagt Winfried Schäfer, leitender Arzt am Zentrum für Schmerztherapie des Klinikums Saarbrücken. Die Heilung ziele daher auf eine Verbesserung der Lebensqualität und eine Linderung der Symptome ab. Patienten werden psychologisch betreut und im Selbstmanagement geschult. Um das Übel bei der Wurzel zu packen, gilt es, den Stress im Alltag abzubauen – Entspannungsmethoden wie autogenes Training oder Meditation können hier hilfreich sein.

Gesundheit: Tipps gegen den Stress

Fibromyalgie: Die unsichtbare Krankheit
Kommen Sie zur Ruhe © Getty Images, ArtMarie

Stress ist die Hauptursache für Fibromyalgie. Jeder reagiert dabei anders - doch auf Dauer macht er jeden krank: Schlafstörungen, Magen- oder Kopfschmerzen können die Folge sein. Wir verrraten Ihnen, welcher Stress-Typ Sie sind und wie Sie fit und gesund bleiben. Ein Schlüssel zum Erfolg ist dabei auch Ihr Organisations-Talent. Machen Sie hier den Test, wie gut Sie mit Zeitdruck umgehen können oder, ob Sie überhaupt anfällig für Stress sind.

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