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Fettleibigkeit erhöht Sterberisiko: BMI über 40 verkürzt Lebenserwartung um 10 Jahre

Forscher schlagen Adipositas-Alarm
Forscher schlagen Adipositas-Alarm Zahl der Fettleibigen weltweit extrem gestiegen 00:01:01
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Forscher belegen Zusammenhang zwischen Adipositas und Sterberisiko

Heute sind weltweit mehr Menschen fettleibig als untergewichtig. Mit drastischen Folgen: Starkes Übergewicht erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs. Auch das Knochengerüst wird durch ein anhaltend hohes Körpergewicht dauerhaft belastet. Aber nicht nur das: Ein internationales Forscherteam, die sogenannte ‚NCD-Risk Factor Collaboration‘ unter Federführung des Imperial College in London, hat den Zusammenhang zwischen Gewicht und Sterberisiko untersucht. Dafür wurden Daten von 3,9 Millionen Patienten der letzten 45 Jahre (von 1970 bis 2015) ausgewertet. Das erschreckende Ergebnis: Fettleibige Menschen sterben durchschnittlich zehn Jahre früher als normalgewichtige. Demnach wird nur jeder zweite Mensch mit einem BMI größer 40 älter als 70 Jahre. Ihre Ergebnisse haben die Forscher nun im Fachmagazin ‚The Lancet‘ veröffentlicht.

Von Fettleibigkeit (Adipositas) spricht man ab einem BMI von 30. Dabei gibt es folgende Unterteilungen: Bei einem BMI zwischen 30 und 34,9 sprechen Ernährungsexperten von mäßigem Übergewicht beziehungsweise Adipositas Grad I. Bei einem BMI zwischen 35 und 39,9 sprechen Experten von moderatem Übergewicht oder Adipositas Grad II, ab einem BMI von 40 von starkem Übergewicht oder Adipositas Grad III.

Je höher der BMI, desto stärker sinkt die Lebenserwartung

In Ihrer Langzeit-Studie konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass das Sterberisiko mit der Schwere der Adipositas korreliert: Demnach verkürzt sich die Lebenserwartung bei Adipositas Grad I um ein Jahr, während Menschen mit Adipositas Grad II durchschnittlich schon drei Jahre weniger leben als Normalgewichtige. Menschen mit starkem Übergewicht haben demnach eine um zehn Jahre verkürzte Lebenserwartung: Das Risiko, dass Menschen mit einem BMI von 40 und höher ihren 70. Geburtstag nicht erleben, liegt laut den Forschern bei 50 Prozent – oder 1:1.

Diese Studie ist die erste, die den Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und einem erhöhten Sterberisiko eindeutig belegt. Sie ist insofern beunruhigend als es heute weltweit schon deutlich mehr übergewichtige als untergewichtige Menschen gibt. Noch in den 1970er Jahren gab es doppelt so viele untergewichtige wie übergewichtige Menschen in der Welt. Heute sind deutlich mehr Menschen fettleibig als untergewichtig. Deren Anteil ist von 3,2 Prozent (Männer) beziehungsweise 6,4 Prozent (Frauen) im Jahr 1975 auf 10,8 Prozent (Männer) beziehungsweise 14,9 Prozent (Frauen) gestiegen. „Wenn sich dieser Trend fortsetzt, dann wird um das Jahr 2025 schweres Übergewicht, also ein BMI über 35 kg/m2, das Untergewicht als Gesundheitsrisiko ablösen“, erklärt Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum, der deutsche Daten zu der Studie beigetragen hat.

Die Experten empfehlen, Übergewicht schon im Kindesalter vorzubeugen: Dies vor allem durch ausreichende Bewegung und eine ausgewogene Ernährung mit wenig Zucker und gesättigten Fettsäuren sowie einem hohen Anteil an Vollkornprodukten, frischem Gemüse und Obst in der täglichen Ernährung. Fettleibige Erwachsene sollten ebenfalls versuchen, ihre Ernährung entsprechend umzustellen, peu à peu mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren. In schwerwiegenden Fällen kann auch eine Verhaltenstherapie helfen oder Medikamente, die den Stoffwechsel ankurbeln. Diese sollten allerdings nur nach Rücksprache mit dem Hausarzt eingenommen werden.

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