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Fernbeziehung: Erfrischungsdrink für die Partnerschaft?

Fernbeziehung: Erfrischungsdrink für die Partnerschaft?

Halten Fernbeziehungen wirklich länger?

Bis jetzt hatte ich mit dem Thema „Fernbeziehung“ nur insofern zu tun, als dass ich verzagte Menschen getröstet habe, die mit einer Fernbeziehung ihre Not hatten. In der Woche allein mit allen Freuden und Sorgen, die Sehnsucht nach dem Partner zerreißt einen. Am Freitag dann kommt das Objekt der Begierde angerauscht, die Hoffnungen auf ein Megaglück sind groß. Es soll alles richtig schön werden, perfekt. Man überfrachtet die Tage mit vielen Erwartungen. Mit zu vielen.

Am Ende gibt es Streit und Tränen, man geht heulend auseinander. Telefoniert sich im Laufe der nächsten Woche wieder in den Frieden und eine neue Hoffnung. Und dann gibt es ein Wochenende, das ist wirklich perfekt. Anstrengend. Ich habe Liebenden, die unter den Bedingungen einer Fernbeziehung leiden, stets gesagt, dass sie darauf hinarbeiten mögen, zueinander zu finden in einer Stadt. Schluss mit der Pendelei!

Manchmal dauert es etwas, aber dann hat man Glück, einer findet eine Arbeit am Wohnort des anderen. Oder ein berufliches Projekt, das einen der Partner aus der gemeinsamen Wohnung entfernt hat, ist zu Ende. Oder herrlich ist das Leben zu zweit. Nun gibt es eine neue Studie, dass all diese Schwierigkeiten ein Ende haben, dass sich die Leute nur etwas vorgemacht haben mit ihren Schwierigkeiten mit der Fernliebe. Denn Fernlieben sind die reine Seligkeit!

Beziehungen auf die Ferne halten länger, sind im Durchschnitt glücklicher, und wer auf die Ferne liebt, der hat mehr Sex, so die Aussage der Studie. Man muss sich nur auf dieses Fernliebe-Modell einlassen, soll nicht an dem Idealbild kleben, dass man mit dem Partner zusammenhocken muss, damit es schön ist. Reine Kopfsache, sagen die Experten.

Die Entfernung hat ihre ganz eigenen Tücken

Ich gebe zu, dass das Zusammenhocken von Liebesleuten natürlich auch seine ganz eigenen Dramen aufwirft. Natürlich hat man mehr Sex, wenn man sich selten sieht. Theoretisch. Natürlich gibt man sich mehr Mühe, wenn man sich tagelang nicht sieht. Theoretisch. Alles reine Theorie.

Denn wie oben geschildert hat die Entfernung Tücken. Vielleicht ist man wirklich extrem scharf auf den anderen, wenn man ihn eine Woche oder mehr nicht gesehen hat. Was nützt diese Schärfe, wenn man sich dann doch zankt. Weil der andere nicht zuhört, alles sprudelt aus einem heraus, man will erzählen, der andere packt gerade seine Reisetasche aus.

Ich möchte so weit gehen, dass sich hier zwei ganz unterschiedliche Vorstellungen über die Liebe herauskristallisieren lassen. Das eine Konzept läuft über Nähe, da entsteht die Harmonie - und auch der gute Sex - aus Vertrautheit. Das andere Konzept baut darauf, dass die Anziehung steigt, wenn man sich nicht nahe ist. Es gibt schließlich auch Paare, die wollen deshalb partout nicht zusammenwohnen. Weil sie fürchten, dass dann tote Hose in alle Bereiche des Lebens einziehen könnte. Leute die auf so etwas schwören, sind die geborenen Kandidaten für eine fröhliche Fernbeziehung. Vielleicht wurden für die Studie nur Menschen befragt, die so oder so auf Entfernung als Erfrischungsdrink für die Liebe zählen.

Man kann hier einwenden, ob das nicht vergebliche Mühe ist, ständig seine Zahnbürste von A nach B zu schleppen. Ständig zu kommen und zu gehen, ob gewollt oder nicht. Als sei die Liebe haltbarer, wenn man sie klein hält, so dass bei einem Wiedersehen mit dem Partner die Flammen züngeln. Früher oder später ist alles Routine. Sogar die Fernbeziehung. Nur die wahre Liebe nicht!

In dem Sinne: Eure Birgit

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