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Ferien bei Oma und Opa - und die Mama plagt der Trennungsschmerz

Ferien bei Oma und Opa - und die Mama plagt der Trennungsschmerz

Wenn das Kind auf Reisen geht...

Mir fehlt diese Woche etwas! Mein Kind nämlich. Das macht Urlaub bei Oma und Opa – 400 Kilometer weit entfernt. Es ist das erste Mal, dass mein Sohn länger nicht da ist und ich leide fürchterlich. Das Kind hat einen Heidenspaß bei Oma und Opa. Nur der Papa und ich ziehen ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Das nennt man wohl Trennungsschmerz.

Von Sabine Möller

Schon der Abschied vom Kind war für uns nicht leicht. Dem Papa kullerten die Tränen über die Wangen und ich hatte einen dicken Kloß im Hals. Während der Autofahrt malten wir uns aus, wie viel Spaß er bei den Großeltern haben wird und wie gut wir die Zeit ohne Kind nutzen können für Dinge, zu denen wir sonst nicht kommen. Ich habe mir vorher sogar einen Zettel geschrieben, was ich mal wieder dringend erledigen müsste – ohne Kind.

Davon habe ich bisher nur einen Punkt abarbeiten können: Ich habe meine Steuerrechnung beglichen. Na super! Als wenn ich das nicht abends machen könnte, wenn das Kind im Bett ist. Stattdessen verbringen der Papa und ich Abende damit, uns anzuschweigen, aufs Smartphone oder Tablet zu starren und freudig zum Telefon zu rennen, wenn die Oma anruft. Natürlich saugen wir alles auf, was sie uns über den Tag mit Enkel berichtet. Wir freuen uns sehr, wenn er im Planschbecken tollt, sich auf dem Abenteuerspielplatz tummelt oder einfach nur ein Eis isst. In solchen Momenten wären wir aber doch gern dabei!

Kinderfreie Zeit sinnvoll nutzen? Fehlanzeige!

In dieser Woche ohne Kind wollte ich so viel erledigen. Ich habe unzählige Pläne geschmiedet, wollte die Küche putzen und mal wieder die Nähmaschine rauskramen. Was tu ich stattdessen? Mache im Büro länger, erledige hier und da Kleinigkeiten und glotze daheim nur in der Gegend rum. Ich schaffe es einfach nicht, die kinderfreie Zeit sinnvoll zu nutzen. Mich plagt sogar das schlechte Gewissen, dass mein Sohn mit knapp zwei Jahren noch zu jung sei für Ferien bei den Großeltern. Ich male mir aus, wie er nachts Heimweh hat oder gar nach mir ruft. Dabei wird mir schon jetzt ganz schlecht und ich werde traurig. Es ist fast ein bisschen wie Liebeskummer! Ja, ich vermisse meinen kleinen Windelrocker. Sehr sogar!

Aber dann ruft in mir der Verstand, dass es meinem Sohn gut geht, er die besten Großeltern überhaupt an seiner Seite und genug Ablenkung hat. Er weiß, dass seine Eltern arbeiten müssen und er Ferien auf dem Land macht. Aber ich muss mir das jeden Tag aufs Neue ins Gedächtnis rufen, um nicht wie ein Trauerkloß herumzulaufen. Wenn der Verstand dann wieder klar wird, breitet sich bei mir ein Gefühl der Vorfreude aus. Denn diese kinderlose Woche wird ganz schnell vergehen und dann habe ich meinen kleinen Schatz wieder – der Gedanke rettet meine Woche!

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