'Feminist Celebrity of the Year': Können Männer 'Feministen' sein?

'Feminist Celebrity of the Year': Können Männer 'Feministen' sein?
© Jackie Brown / Splash News

Matt McGorry (29) steht ganz oben auf der Liste

Wird ein Mann zur „Feminist Celebrity oft he Year“ gekürt, zum feministischen Star des Jahres? Zum ersten Mal stehen Männer auf der 15-köpfigen Kandidatenliste der US-Internet-Abstimmung. Es sind Aziz Ansari (32) und Matt McGorry (29), zwei Netflix-Stars, die sich verbal für die Gleichberechtigung der Geschlechter stark gemacht haben.

Von Christiane Mitatselis

Es klingt hübsch, was die Herren erzählen. „Ich glaube an Gleichberechtigung, Feminist können Frauen und Männer sein“, teilte McGorry via Twitter mit. Den Feminismus habe er erst vor kurzem für sich entdeckt: „Meine männlichen Privilegien haben es mir erlaubt, 29 Jahre lang blind zu sein“, hieß es weiter. Ansari ließ in einer Talkshow wissen, dass er etwas dagegen habe, dass Frauen schlechter bezahlt würden als Männer – und schloss: „Ich war mein ganzes Leben lang Feminist.“

Vielleicht hat Emma Watson, Feministin des Jahres 2014, sie inspiriert? Die 25-jährige Schauspielerin hatte vor den Vereinten Nationen eine Rede über Geschlechter-Gleichheit gehalten, in der sie sich dafür einsetzte, dass Feminismus nicht mit Männerhass gleichgesetzt werden dürfe. Es gehe darum, Vorurteile zu bekämpfen und Gleichbehandlung anzustreben. Gemeinsam mit Männern und nicht gegen sie. Gemeint war in etwa: Männer, die sich um Kinder kümmern, sind keine Weicheier. Frauen, die Karriere machen und Kinder haben, keine Rabenmütter. Die bekennenden Feministen McGorry und Ansari sprechen in Watsons Sinne. Die Erkenntnis, dass Gleichberechtigung ein gemeinsames Projekt von Frauen und Männer sein sollte, scheint sich durchzusetzen – ein erfreulicher Trend.

Dennoch sollte man die Werke und Worte der Feministinnen der alten Schule nicht verdammen. Als sie vor 50 Jahren oder mehr begannen, für Frauenrechte zu kämpfen, waren sie Pionierinnen, die radikal sein mussten, um gehört zu werden. Sie boxten Dinge durch, die heute selbstverständlich sind. Zum Beispiel, dass Frauen ohne Zustimmung des Gatten arbeiten dürfen. Dieses Gesetz wurde erst 1977 geändert. Die Fronten waren verhärtet. Bekannte sich ein Mann damals zum Feminismus, wurde er von den Mit-Männern ausgelacht oder zum Verräter erklärt; kämpfende Frauen wurden als hässliche Emanzen oder Mannweiber beschimpft.

Die Klischees sind nicht ausgestorben, sie leben in Vorurteilen weiter. Zum Glück werden sie immer mehr an den Rand gedrängt, so dass heute tatsächlich eine Basis für einen sanfteren, gemeinsamen Feminismus von Frauen und Männern existiert. In diesem Sinne wäre es ein hübsches Zeichen, wenn sich ein Mann in der US-Internet-Wahl durchsetzen würde. Auf Englisch funktioniert die Sache sowieso einfacher als auf Deutsch: Männer können sich ohne weiteres „feminist“ nennen, es wird nicht unterschieden zwischen „Feministin“ und „Feminist“.

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