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Fehlgeburt: "Ich habe mein Baby verloren"

Fehlgeburt - Ich habe mein Baby verloren
Fehlgeburt - Ich habe mein Baby verloren So verarbeiten Frauen eine Fehlgeburt 00:04:05
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Fehlgeburt: Zerstörte Träume

Kaum ein Erlebnis im Leben einer Frau ist so traumatisch wie eine Fehlgeburt. Der Schock, dem werdende Mütter ausgesetzt sind, wenn sie erfahren, dass sie ihr Baby verloren haben, wirft viele aus der Bahn. Nicht alle Frauen können nach solch einem Albtraum weitermachen wie bisher und sofort zum Alltag zurückkehren.

Fehlgeburt: "Ich habe mein Baby verloren"
Beide Partner leiden unter einer Fehlgeburt. © ctacik, Stanislav Popov

Von Kerstin Kraska-Lüdecke

Auch wenn die meisten, die eine Fehlgeburt durchgemacht haben, problemlos wieder schwanger werden können, brauchen sie zunächst Zeit, um die seelischen Schmerzen zu überwinden. Das Drama "Fehlgeburt" ist immer noch ein Tabuthema, obwohl es weit verbreitet ist: Laut Statistik enden rund 15 Prozent aller Schwangerschaft mit einem vorzeitigen Abort. Drei Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten haben, erzählen,wie sie damit fertig wurden.

Mein Mann und ich kennen uns schon aus Kindertagen. Wir wuchsen im gleichen kleinen Ort auf, verliebten uns und wurden ein Paar, nachdem ich meine Ausbildung als Kosmetikerin abgeschlossen hatte. Vor drei Jahren entschlossen wir uns dann zum nächsten Schritt: Es gab eine romantische Hochzeit in Weiß, mit allem drum und dran. Ich war im siebten Himmel! Kurz danach wurde ich schwanger und wir bekamen eine kleine Tochter.

Mein Glück kannte nun keine Grenzen! Endlich waren wir eine richtige kleine Familie. Ich dachte damals, dass es immer so weitergehen würde und sah alles rosarot. Als unsere kleine Celina ein Jahr alt war, wollten wir ein zweites Kind. Wir stellten die Verhütung ein und ein paar Wochen später war ich schwanger. Ich war wirklich aus dem Häuschen, dass es so schnell wieder geklappt hatte und machte sofort einen Termin bei meiner Frauenärztin. Da ich bei diesem ersten Termin zunächst knapp zwei Wochen über der Zeit war, konnte die Ärztin auf dem Ultraschall noch nichts erkennen. Deshalb wurde bei mir ein Bluttest gemacht.

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Der Test fiel positiv aus: Ich war schwanger. Überglücklich malte ich mir schon die Zukunft mit Mann, Kind und einem neuen Baby aus. Aber ein paar Tage später bekam ich ein merkwürdiges Stechen und bald darauf hatte ich richtig starke Schmerzen im Unterbauch. Es war so schlimm, dass ich Celina nicht einmal mehr hochheben konnte. Ich krümmte mich vor Schmerzen. Als mein Mann von der Arbeit kam, fuhr er mich direkt in Krankenhaus. Der Arzt, der mich untersuchte, stellte eine Eileiter-Schwangerschaft fest und ich musste nun sofort operiert werden! Was für ein Schock! Ich hatte Angst und unsagbare Schmerzen und wollte nur, dass endlich alles vorbei ist. Es stellte sich heraus, dass ein Eileiter geplatzt war und entfernt werden musste. Daher kamen auch meine höllischen Schmerzen. Es war bereits Blut in meinen Bauchraum gelaufen.

Es war pures Glück, dass ich nicht länger zu Hause gewartet habe. Mein Mann war die ganze Zeit über bei mir in der Klinik. Auch er hatte Tränen in den Augen, als alles vorbei war. "Du bist am Leben, mein Schatz - und das ist die Hauptsache.", flüsterte er mir immer wieder zu. Erst da wurde mir bewusst, dass wir unser Baby, das noch so winzig kleine Leben, verloren hatten. Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, war ich zunächst wie betäubt. In der schweren Zeit hat mir sehr geholfen, dass es Celine da war, mein kleines Mädchen.

Sie nahm mich so sehr in Anspruch, dass ich meinen Kummer immer mehr vergaß. Auch mein Mann war in den kommenden Wochen eine riesengroße Stütze für mich: Er umsorgte mich liebevoll, war sehr geduldig und nahm mir sehr viel Hausarbeit ab, denn ich durfte noch nichts Schweres heben und musste mich schonen. Ein paar Wochen nach der Eileiter-Operation war ich wieder auf den Beinen und der Alltag hatte uns bald wieder fest im Griff. Bei weiteren Untersuchungen bestätigten mir die Ärzte, dass ich auch mit nur einem intakten Eileiter jederzeit wieder schwanger werden könne und das stimmte mich und meinen Mann optimistisch.

Wir wollen es auf jeden Fall wieder versuchen und unsere kleine Familie noch etwas vergrößern. Übrig geblieben ist von der Eileiter-Schwangerschaft nur eine winzig kleine Narbe. Sie erinnert mich daran, dass das Glück, ein Kind zu haben, nicht selbstverständlich ist.

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Das Erlebnis, mein Baby zu verlieren, war das Schlimmste, was mir je in meinem Leben passiert ist. Ich wünsche es niemandem, weil es so schrecklich war. Selbst heute verfolgt mich das Geschehene noch immer.

Es passierte vor knapp zwei Jahren, ich war gerade mal 22 Jahre alt und seit kurzem mit meinem neuen Freund zusammen. Natürlich war uns schnell klar, dass wir uns auch ein Kind wünschten.

Ich bin als Einzelkind aufgewachsen und hatte schon immer von einer eigenen, großen Familie geträumt. Es war kurz nach Ostern, als ich meine Tage nicht bekam. Sofort lief ich zur nächsten Apotheke, um mir einen Schwangerschaftstest zu holen. Er war positiv und es sah so aus, als wäre ich schwanger! Mein Freund und ich waren wahnsinnig glücklich, konnten es aber nicht so richtig glauben. Also machte ich erneut einen Test, der aber dasselbe Ergebnis brachte: Schwanger! Wir erzählten es der ganzen Familie und alle freuten sich natürlich mit uns.

Nur ich selbst merkte, dass sich in meine Freude Sorge und Angst mischten, ohne dass ich es genau begründen konnte. Wenn ich versuchte, meine Bedenken jemandem zu erzählen, wurde ich nur ausgelacht: "Du bist jung, es ist dein erstes Kind - was soll schon passieren?" Diese Sätze hörte ich überall. Auch mein Frauenarzt bestätigte mir bei der ersten Untersuchung, es sehe "alles gut" aus. Mein Freund schimpfte scherzhaft mit mir, ich solle nicht so schwarz sehen, sondern mich lieber auf unser gemeinsames Kind freuen. Nur eine gute Freundin von mir bestätigte mich in meinen Bedenken und meinte, die ersten zwölf Wochen seien kritisch. Sie selbst hatte bereits zwei Kinder und jedes Mal erst nach diesen drei Monaten anderen von ihrer Schwangerschaft erzählt. Jeden Morgen wachte ich nun auf, horchte in mich hinein und sagte mir beruhigend, dass es meinem Baby gut geht. Als die drei Monate herum waren, entspannte ich mich etwas.

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Ich freute mich wie verrückt auf unser Kind, trank keinen Kaffee und schon gar keinen Alkohol mehr, ernährte mich gesund und hatte mich direkt schon zu einem Schwangerschaftskurs angemeldet: Alles sollte perfekt werden und wir wollten unserem Baby den besten Start ins neue Leben schenken. An einem warmen Sommertag wachte ich plötzlich auf und hatte so ein seltsames Gefühl. Alles fühlte sich anders an - komisch, fremd. Meine Angst wuchs den ganzen Vormittag über. Schließlich hielt ich es nicht mehr aus und ging ohne Termin zum Frauenarzt.

Ich musste eine Weile warten und merkte, wie langsam die Panik in mir hochstieg. Der Frauenarzt war sehr überrascht, als ich ihm von meinen Vermutungen erzählte: Ich hätte das Gefühl, mit meinem Baby stimmt etwas nicht. Er erklärte mir, der Ultraschall werde es ja gleich zeigen, und dann begann der blanke Horror: Trotz intensiver Suche konnte der Arzt den Herzton meines Kindes nicht mehr finden. Er suchte und suchte, wollte es wohl selbst nicht glauben. Dann aber kam die traurige Bestätigung: Das Herz meines Babys hatte aufgehört zu schlagen. Es war tot.

Ich war völlig am Ende. Die Welt um mich herum drehte sich, ich war einer Ohnmacht nahe. Die Arzthelferinnen kümmerten sich lieb um mich, brachten mir etwas zu trinken, wollten mich aufmuntern: Ich sei ja noch jung, ich könnte jederzeit wieder ein Baby haben, und so fort. Das alles wollte ich aber nicht hören, im Gegenteil: Ich wollte nur mein Kind zurück, kein anderes, meins, das in meinem Körper gestorben war. An die nächsten Stunden kann ich mich nur noch schwach erinnern. Ich stand unter Schock, war wie gelähmt und weinte ununterbrochen. Mein Freund war ebenso geschockt wie ich, dass unser gemeinsames Kind nicht mehr lebte. Noch schlimmer als dieser erste Schock war für uns die Tatsache, dass ich das Baby ja noch in mir hatte.

Nun sollte ich in ein Krankenhaus gehen und es dort "zur Welt" bringen. Die einzige, die wir informiert hatten, war meine beste Freundin. Sie zögerte nicht lange, brachte ihre zwei Kleinen bei Bekannten unter und kam, um uns beizustehen. Mit ihrer Hilfe kamen wir ins Krankenhaus - weder mein Freund noch ich hätten in unserem Zustand fahren können. Im Krankenhaus konnte ich die Situation kaum ertragen und versuchte, meinen Verstand auszuschalten. Die Ärzte waren sehr nett zu mir und umsorgten mich so gut es ging. Dann wurden die Wehen eingeleitet und sie kamen in starken, heftigen Wellen. Der Schmerz riss mich vorübergehend aus meiner Trance heraus. Ich konnte nicht mehr still im Bett liegen, sondern wanderte stöhnend den Klinikflur entlang. Zuerst platzte meine Fruchtblase, dann begann ich zu bluten. Voller Panik schrie ich laut auf. Die Schwestern stürzten herbei und brachten mich ins Krankenbett zurück. Dort durchlebte ich schmerzhafte Wehen, Angst und Trauer - und dann war es passiert: Ich hatte mein totes Kind "zur Welt gebracht".

Noch heute durchfährt es mich eiskalt, wenn ich an diese Erlebnisse denke. Es wird wohl noch eine Weile dauern, ehe mein Freund und ich es noch einmal probieren, ein Kind zu bekommen.

Die Hoffnung bleibt, auch nach der Fehlgeburt

Fehlgeburt: "Ich habe mein Baby verloren"
Kann man trotz Fehlgeburt auf eine Familie hoffen? © Alena Ozerova - Fotolia

Ich war bereits Mutter eines Sohnes und geschieden, als ich meinen jetzigen Mann Gerd kennenlernte. Wir zogen zusammen, und er kümmerte sich liebevoll um Marc (7), meinen kleinen Sonnenschein. Gerd hatte selbst noch keine Kinder, aber ich konnte sehen, dass er einen wunderbaren Vater abgeben würde. Schon bald hatten wir den Wunsch, unser Familienglück noch um ein weiteres, gemeinsames Kind zu bereichern.

Wir stellten also die Verhütung ein und bald darauf, es war kurz nach Weihnachten, blieb meine Periode aus. Ich machte einen Schwangerschaftstest aus der Apotheke. Das Ergebnis lautete: Wir bekommen ein Baby! Gerd umarmte mich glücklich und ich war ebenso überwältigt, als ich die Vorfreude in seinen Augen sah. Mit dem Arztbesuch wollte ich noch warten, denn ich war ja erst in der zweiten oder dritten Woche meiner Schwangerschaft.

Einige Wochen später bekam ich aber starke Blutungen. Der Arzttermin konnte somit nun nicht mehr aufgeschoben werden. Zusammen mit Gerd besuchte ich die Praxis, wo uns die Ärztin sehr freundlich empfing. Doch bei der Ultraschalluntersuchung konnte sie nichts finden: Da, wo die ersten Anzeichen der Schwangerschaft deutlich zu sehen sein sollten, war absolut nichts! Um ganz sicher zu gehen, überwies sie mich ins nächste Krankenhaus, wo ich ein weiteres Mal untersucht wurde.

Aber auch dort konnten die Ärzte keinen Fötus finden! Man erklärte uns, dass wir das Baby vermutlich schon vor mehreren Tagen oder Wochen verloren hatten. Ich war nun ziemlich verzweifelt, auch Gerd war unsagbar traurig. Der Arzt, der mich untersucht hatte, erklärte uns, dass ich offenbar eine Fehlgeburt erlitten hatte, ohne es zu merken. Wahnsinnig traurig fuhren Gerd und ich nach Hause. Gemeinsam weinten wir über unseren Verlust. Doch wir bauten uns gegenseitig wieder auf und planten, es so schnell wie möglich wieder zu versuchen.

Es dauerte nur wenige Wochen und ich spürte das altbekannte Ziehen in der Brust. Dieses Mal ging ich sofort zu meiner Ärztin, die mir die schöne Nachricht bestätigte: Ja, ich war wieder schwanger! Nur dieses Mal konnten wir uns nicht so unbeschwert freuen. Besonders Gerd dämpfte immer wieder meinen Optimismus und sagte: Warten wir es ab, nur nicht zu früh freuen! Ich aber war sicher: Noch einmal passiert mir das nicht! Zwei Fehlgeburten kurz hintereinander - das war für mich undenkbar.

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Doch das Unglaubliche trat ein: Auch dieses Baby verlor ich. Jetzt war ich völlig am Boden zerstört von diesem Auf und Ab der Gefühle: Zweimal schwanger, zweimal Vorfreude - und dann der Verlust des Babys, das wir doch schon von der ersten Sekunde in unser Herz geschlossen hatten. Nun lag es an mir, meinen Freund zu überreden, nicht aufzugeben.

Ich wusste also, dass ich Kinder kriegen konnte! Beim nächsten Mal musste es einfach klappen! Mein Optimismus war allerdings fehl am Platz: Ich wurde einfach nicht mehr schwanger. Gerd und ich gaben den Gedanken langsam auf, dass wir jemals ein gemeinsames Kind haben würden. Völlig deprimiert absolvierte ich meine Termine bei der Frauenärztin und wollte mich eigentlich nur noch verkriechen… Den Kinderwunsch hatte ich schon beinahe aufgegeben.

Meine Frauenärztin, die ich nun regelmäßig besuchte, bemerkte meine Depressionen. Sie überredete mich schließlich dazu, mich in einer nahe gelegenen Klinik gründlich durchchecken zu lassen. Da ich nun einen winzigen Hoffnungsschimmer sah, stimmte ich zu. Ich ließ mich also in die Klinik einweisen und dachte: "Schaden kann es ja nicht." Im Laufe der Untersuchungen stellte man bei mir fest, dass ich offensichtlich unter einer Gelbkörperhormonschwäche litt, einer Störung, die sich negativ auf eine mögliche Schwangerschaft auswirken konnte. Ich bekam ein Medikament dagegen und musste noch ein paar Wochen warten.

Drei Monate nach dem Behandlungsbeginn "durften" wir wieder ans Kinderkriegen denken. Also setzte ich die Pille ab und wurde prompt schwanger. Diese dritte Schwangerschaft erlebten mein Freund und ich allerdings ganz anders als die beiden vorher: Wir waren zunächst kaum euphorisch und rechneten jeden Moment damit, dass ich wieder ein Ziehen im Unterleib verspüre und blutigen Ausfluss bekomme. Kaum wagten wir zu hoffen, dass dieses Mal alles glatt gehen würde.

Wir hielten uns strikt an die ärztlichen Anweisungen und ich ließ mich regelmäßig in kurzen Abständen untersuchen. Diese intensive ärztliche Betreuung haben wir als sehr positiv empfunden, dennoch zitterten wir vor jedem Termin. Und dann, Mitte des vierten Monats, hatten wir Gewissheit: Dieses Mal würde es klappen! Jetzt wagten wir auch, uns richtig zu freuen! Dem Baby ging es ausgezeichnet, es wuchs heran und war quicklebendig. Glücklich verfolgten wir sein Wachstum in meinem Bauch immer weiter und konnten unser Glück kaum fassen: Endlich wurde Gerd Vater und wir bekamen unser erstes gemeinsames Kind.

Es wurde wieder ein Junge, der heute bereits zehn Jahre alt ist. Immer, wenn wir ihn anschauen, sind wir heilfroh, dass wir trotz unserer schlimmen Erfahrungen damals nicht aufgegeben haben. Aber eins weiß ich heute sicher: Nach noch einer weiteren Fehlgeburt hätten wir nicht mehr den Mut gehabt, es noch einmal zu versuchen.

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