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Fehldiagnose - Jean Abbott war 30 Jahre lang schwer gehbehindert

Jean Abbott lebte fast 30 Jahre lang mit einer Fehldiagnose, die sie stark einschränkte.
Jean Abbott hegt keinen Groll wegen der Fehldiagnose. Ohne sie wäre ihr Leben anders verlaufen - und sie hätte ihren Mann vielleicht nicht kennengelernt. © © Courtesy of Jean Abbott, Jean Abbott

Ein paar Pillen ermöglichen ihr das Gehen

Als Jean Abbott vier Jahre alt war, wurde bei ihr eine Form von Cerebralparese diagnostiziert. Das Mädchen aus Plymouth im US-Bundesstaat Minnesota war nahezu ans Bett gefesselt, weil sie ihre Beine kaum bewegen konnte. Fast 30 Jahre später wurde festgestellt, dass diese Diagnose falsch war - und ihr Leiden mit Tabletten kuriert werden kann. Heute macht die 38-Jährige auf ihre Geschichte aufmerksam, um anderen Menschen zu helfen. Denn sie ist sich sicher, nicht als Einzige eine Fehldiagnose erhalten zu haben.

In ihrer Kindheit wurde bei Jean eine spastischen Diplegie diagnostiziert. Diese Bewegungsstörung wird durch eine frühkindliche Hirnschädigung hervorgerufen und kann vor allem zu einer Lähmung der Beine führen. Der Neurologe, der diese Diagnose stellte, galt als einer der besten Fachärzte auf diesem Gebiet und auch in einem Krankenhaus, das führend in diesem Bereich ist, wurde die Meinung des Experten bestätigt. Mit 33 Jahren besuchte Jean allerdings einen neuen Neurologen - und er stellte ihr Leben auf den Kopf. Er fand heraus, dass sie keine spastische Diplegie sondern eine Dopa-responsive Dystonie (DRD) hat. Diese Muskelerkrankung ist behandelbar - und zwar ganz einfach durch die Einnahme von Medikamenten.

Obwohl sie wegen dieser Fehldiagnose fast ihre gesamte Kindheit ans Bett gefesselt war, ihr Leben lang eingeschränkt war, Schmerzen hatte und auch komplizierte Operationen über sich ergehen ließ, hegt Jean keinen Groll. "Der Gedanke daran, was ich alles deswegen durchgemacht habe, löst bei mir keine negativen Gefühle aus", erklärt sie der 'Daily Mail Online'. "Obwohl es einige Herausforderungen gab, sind meine Eltern großartig mit meiner Behinderung umgegangen und haben mich nicht wie ein Kleinkind behandelt. Außerdem hatte ich wahre Freunde, die ich nie hinterfragen musste. Die Erfahrungen, die ich in meinem Leben gemacht habe, haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin." Wäre sie nicht gehbehindert gewesen, hätte sie vielleicht ein anderes College besucht, dann hätte sie ihren Mann nicht kennengelernt und ihre drei gemeinsamen Kinder nicht bekommen, führt sie als Beispiel an.

Als ihr neuer Arzt erklärte, dass nahezu all ihre Symptome, unter denen sie fast 30 Jahre lang gelitten hatte, durch die tägliche Einnahme von ein paar Pillen verschwinden könnten, war sie zuerst sehr skeptisch. Doch zwei Tage, nachdem sie die ersten Tabletten genommen hatte, konnte Jean das erste Mal ohne Hilfe stehen. Das ist mittlerweile fünf Jahre her.

"Ich bin so glücklich mein 'Wundermedikament' zu haben. Es hat nicht nur mein Leben verändert, sondern auch das meines Mannes und das meiner Kinder", beschreibt sie. Nun hat sie beschlossen, auf die Krankheit DRD aufmerksam zu machen. Denn sie wird oft fehldiagnostiziert. Deswegen hat sie sogar eine Woche lang auf ihre Medikamente verzichtet und sich dabei gefilmt, damit Betroffene die Symptome erkennen können. "Ich denke, dass meine Geschichte so wichtig ist, weil ich mir sicher bin, dass es andere geben muss, die ebenfalls falsch diagnostiziert wurden. Wenn meine Geschichte auch nur einer einzigen Person hilft, bin ich glücklich."

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