"Fattitude": Schluss mit der Diskriminierung von dicken Menschen!

"Fattitude": Schluss mit der Diskriminierung von dicken Menschen!

'Fattitude' ist gegen "Fett-Hass und für Körper-Akzeptanz"

Was ist eigentlich schön? Dicke Menschen auf jeden Fall nicht, meint jedenfalls unsere derzeitige Gesellschaft. Das führt zu Ausgrenzung, Diskriminierung bis hin zu Mobbing und Anfeindungen. Aber damit soll jetzt Schluss sein. Zwei Amerikanerinnen planen eine Doku gegen "Fett-Hass und für Körper-Akzeptanz", ein Thema, welches besonders am Anti-Diät-Tag am 6. Mai besondere Aufmerksamkeit verdient.

Jutta Rogge-Strang

Die beiden Filmemacherinnen und Feministinnen Lindsey Averill und Viridiana Lieberman haben die Aktion "Fattitude" gestartet: Ein Dokumentarfilm gegen die Vorurteile, denen dicke Menschen tagtäglich ausgeliefert sind. Dicke Menschen gelten als willensschwach, nicht leistungsfähig, unsportlich, ungepflegt und dumm. In Kinderbüchern oder Filmen besetzen sie entweder die Rollen der Bösen oder sie sind die Clowns oder die "besten Freunde".

Dass diese Vorurteile Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens haben, ist nicht überraschend. Übergewichtige werden im Job schlechter bezahlt – wenn sie den Job überhaupt bekommen: "Bei mir war die Bewerbung ohne Foto die einzige, auf die ich positives Feedback bekommen habe. Ich würde nie wieder eine mit Foto einreichen,“ zitiert die deutsche "Gesellschaft für Gewichtsdiskriminierung" eine Betroffene. Dazu werden dicke Menschen noch schlechter bezahlt als ihre schlanken KollegInnen. Laut Averill und Lieberman erhalten Dicke etwa einen Euro Stundenlohn weniger für dieselbe Arbeit.

In früheren Zeiten galt eine gewisse Körperfülle als schön, denn das bedeutete Reichtum. Heute ist es eher schwer, dünn zu sein, und so gilt eben ein schlanker Körper als erstrebenswert. Ein dicker Mensch steht unter dem Generalverdacht, sich 365 Tage im Jahr aus Dummheit oder sogar mutwillig schlecht zu ernähren. Aber ist es wirklich so einfach zu erklären? Wer kennt nicht den Jo-Jo-Effekt nach einer Diät, wer knabbert nicht gerne Schokolade bei Liebeskummer, wer putzt nicht bei einem spannenden Krimi locker eine Tüte Lieblings-Chips weg?

Übergewicht macht krank, und um das Übergweicht zu messen, gibt es den BMI. Aber dass der BMI (Body Mass Index) nichts darüber aussagt, wie gesund oder ungesund eine Person lebt, hat sich längst herumgesprochen. Die WHO (Welt-Gesundheits-Organisiation) hat 1996 festgelegt, dass die Grenze zum Übergewicht mit einem BMI von 25 überschritten wird. Als die US-Gesundheitsinstitute die Definition 1998 übernahmen, wurden auf einen Schlag 35 Millionen beschwerdefreie Amerikaner zu übergewichtigen Risikoträgern. Dabei wissen Ärzte schon lange, dass Gewicht und Größe allein wenig aussagen: Fitte Dicke sind sogar gesünder als schlappe Schlanke.

Schönheits-Ideale nehmen immer skurrilere Formen an

Dabei ist der Gesundheitsaspekt in der Öffentlichkeit nur vorgeschoben. Frei nach dem Motto: schlank, schlanker, am dünnsten werden ganze Generationen von Mädchen und Frauen unter Druck gesetzt. Dabei nehmen die Schönheits-Ideale immer skurrilere Formen an: Thigh Gap (die Lücke zwischen den geschlossenen Oberschenkeln) und Bikini-Bridge (der Bikini darf im Liegen nicht mehr den Bauch berühren – wegen die hervorstehenden Beckenknochen) sind lustige Indikatoren für schlanke Schönheit. Es geht tatsächlich das Gerücht, eine Gruppe von Internet-Freaks habe sich diese Schönheitsideale ausgedacht, um ihre Macht zu demonstrieren. Offenbar mit Erfolg! Jetzt bestimmen irgendwelche Nerds tatsächlich, wie ich am besten auszusehen habe – da könnte ja jeder kommen. Und tut es auch!

Besonders Frauen sind extrem anfällig für Körper-Kritik und sorgen sich jeden Tag um ihr Gewicht und ihr Aussehen. Nicht nur junge Frauen hungern sich zu Tode, aus panischer Angst, als dick zu gelten. Ist das noch normal? US-Endokrinologin Dianne Budd hat eine einfache Erklärung: "Es geht darum, Frauen zu schwächen und sie dazu zu bringen, sich auf etwas Irrelevantes zu konzentrieren. Weil sie dann nicht so mächtig in der Welt werden." Und während die Frauen weiterhin Kalorien zählen und nach der effektivsten Diät suchen, regieren die Männer ungestört die Welt. Haben Sie schon mal einen Mann getroffen, der sich um seinen Bierbauch gesorgt hat? Ich nicht!

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